SWB 04/01 - Ticker

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

Mehltau trotzt FLINT & Co.
Erst zweieinhalb Jahre sind die Anti-Pilzmittel aus der Gruppe der Strobilurine, FLINT und STRATEGO, auf dem Markt, und schon bilden verschiedene Arten von Mehltau-Pilzen Resistenzen gegen die Mittel aus, die BAYER vor knapp einem Jahr von NOVARTIS erworben hat. BAYERs Fungizid-Geschäftsführer Ernst von Franck zur Zeitschrift Ernährungsdienst : „Tatsächlich kam es zu bestimmten Resistenzen zum Beispiel beim Echten Mehltau in Getreide in Europa sowie in Gurkengewächsen in Asien und Europa. Weitere Resistenzen wurden beim Falschen Mehltau bei Gurkengewächsen in Japan, bei Wein in Europa und bei Schwarzer Sikatoka in Bananen in Zentralamerika festgestellt. Bei anderen Pathogenen traten Resistenzen vornehmlich im Gewächshaus auf.“

Pestizide gefährden Kinder
In den Niederlanden konsumieren Kinder mit der normalen Nahrungs-
aufnahme Pestizid-Mengen, welche die zulässigen Grenzwerte um ein Vielfaches übersteigen. Dies geht aus einer Studie der beiden Nichtregierungsorganisationen CONSUMENTENBOND und STICHTING NATUUR EN MILIEU hervor. Die am häufigsten nachgewiesenen Wirkstoffe waren Dimethoat und Parathion, das u. a. in den BAYER- Produkten ECOMBI und E 605 FORTE enthalten ist.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) fordert, dass die EU den USA folgt, und bei der Festlegung der Ackergift-Grenzwerte ebenfalls die besondere Gefährdung von Kindern berücksichtigt.

TAMARON vergiftet Paprika
Nach einer Untersuchung der EU-Kommission ist jede fünfte in den Ländern der Europäischen Union gehandelte Paprika mit Pestiziden über dem zulässigen Grenzwert belastet. Für die überwiegende Zahl der Vergiftungen verantwortlich: Methamidophos, u. a. Wirkstoff des BAYER-Insektizides TAMARON.

BAYREPEL wirkt schlecht
1998 brachte BAYER mit BAYREPEL ein Anti-Mücken-Mittel auf den Markt, das kein Diethyltoluamid (DEED) mehr enthielt. Diese Substanz galt als extrem giftig und konnte Schädigungen des Nervensystems, der Schleimhäute sowie der Haut verursachen. Eigentlich ein löbliches Unterfangen. Schade nur, dass BAYREPEL auf Mücken offensichtlich keinen großen Eindruck macht. In einer Untersuchung des Basler Tropen-Institutes war es in seiner Wirkungsweise DEED-haltigen Produkten deutlich unterlegen. Da hilft wohl nur, ätherische Öle oder andere ökologische Alternativen zu den Chemischen Keulen einzusetzen.

BAYGON enthält weiterhin Dichlorvos
Nach der von der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) durchgeführten Pestizid-Aktion „Der plötzliche Tod“ hat der Konzern angekündigt, das Ackergift BAYGON künftig ohne den Wirkstoff Dichlorvos herzustellen, den die Weltgesundheitsorganisation WHO in die zweithöchste Giftklasse Ib einstuft. Es ist offensichtlich bei einer Ankündigung geblieben. Ein Mitglied hat die CBG darauf aufmerksam gemacht, dass BAYER in Guatemala immer noch BAYGON mit dem Inhaltsstoff Dichlorvos vertreibt.

Höheres Risiko bei Ackergiften
Beim GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in München haben Untersuchungen ergeben, dass Pestizid-Teile, die chemisch an die Zellwände der Nutzpflanzen gebunden sind, im Magen wieder freigesetzt werden, so dass zusätzliche Gesundheitsrisiken entstehen. Da die gebundenen Rückstoffe unlöslich sind, entgehen sie der Rückstandsanalytik. Das Ausmaß des Andockens an diese Zellwand-
Komponenten schwankt dabei von Wirkstoff zu Wirkstoff deutlich. Professor Heinrich Sandmann vom „Institut für Biochemische Pflanzen-Pathologie“ des Münchner GSF-Zentrums warnt vor einem toxikologischen Risiko, das „weit höher ist als das der bisher regulierten, aber meist sehr geringen Rückstandsmengen der freien Ausgangswirkstoffe“. Deshalb fordert er, es der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA gleichzutun und Richtwerte für die leicht freisetzbaren Wirkstoffe zu erlassen.

Schlechte Noten für BAYER-Gifte
Insektengifte können schon in geringen Mengen chronische Leberschäden, Missbildungen, Sterilität, Krebs, Kreislauf-Erkrankungen und Allergien verursachen. Bei manchen Produkten können die darin enthaltenen Wirkungsstoffe sogar das Zentralnervensystem schädigen. Wegen dieser Risiko-Faktoren haben Anti-Blattlaus-Mittel des Leverkusener Chemie-Multis bei einer von der Zeitschrift Öko-Test durchgeführten Untersuchung schlecht abgeschnitten. Zwei BAYER-Produkte, LIZETAN COMBIGRANULAT gegen Schädlinge (Wirkstoff: Imidacloprid) und LIZETAN COMBISTÄBCHEN (Wirkstoff: Imidacloprid) bewerteten die WissenschaftlerInnen als weniger empfehlenswert. Drei der BAYER-Produkte wurden sogar als nicht empfehlenswert eingestuft: BAYER GARTEN BULLDOG SCHÄDLINGSVERNICHTER (Wirkstoff: Beta-Cyfluthrin), METASYSTOX R. SPEZIAL (Wirkstoff: Oxydemeton-methyl) und LIZETAN PLUS, ZIERPFLANZENSPRAY (Wirkstoffe: Imidacloprid und Methiocarb). Dieses Spray enthielt zu allem Übel auch noch ein dem FCKW ähnelndes und wie dieses die Ozonschicht schädigendes Treibgas.