SWB 04/01 - Ticker

PROPAGANDA & MEDIEN

Die Chemie-Branche, die von allen Industrie-Zweigen den höchsten Stromverbrauch hat und darum auch am meisten zur Kohlendioxid- Produktion beiträgt, stellte sich in Zeitungsanzeigen seiner Lobby- Organisation „Verband der Chemischen Industrie“ zur Bonner UN-Klimaschutz-Konferenz als angeblicher Spitzenreiter bei der Reduzierung von CO2-Emissionen dar. Wie es tatsächlich um den Öko-Ehrgeiz seiner Mitglieder bestellt ist, zeigt ein Blick in den Responsible Care-Bericht von BAYER. Seit sieben Jahren pendelt der Kohlendioxid-Ausstoß des Konzerns um den Wert von 9,6 Millionen Tonnen im Jahr herum. Wobei nur das CO2 eingerechnet ist, das bei der konzern-eigenen Strom-Erzeugung entsteht, nicht aber das, was bei der Produktion von zugekaufter Energie in die Atmosphäre gelangt.

BAYER lockt ins Museum
Im Jahr 2000 hat BAYER dem naturhistorisch ausgerichteten Wuppertaler Fuhlrott-Museum 50.000 Mark für die Einrichtung eines Biotech-Labors zur Verfügung gestellt. Dieses nutzt der Chemie-Multi dann auf Propaganda-Veranstaltungen wie „Wochenend‘ und Wissenschaft“ als Ort für „spielerische“ Einführungen in die Naturwissenschaften unter besonderer Berücksichtigung der Gentechnik. Als Köder, mit denen der Konzern Kinder und junge Erwachsene fangen will, dienen dabei unter anderem Gummibärchen- Experimente, ein „anschauliches“ Wir-bestimmen-die-DNA-einer-
Zwiebel und eine kriminologische Spurensuche mit Hilfe des genetischen Fingerabdrucks.

SchülerInnen rühren Aromen an
Im Rahmen des Schul-Projektes „Chemikus“ (Chemie in Konzern, Universität und Schule) besuchten PennälerInnen des Krupp- Gymnasiums das BAYER-Ausbildungslabor in Uerdingen.
Die SchülerInnen tauchten gleich völlig in die synthetische Welt der Chemie ein. Sie bauten unter Anleitung eines BAYER-Mitarbeiters künstliche Aromen für Fruchtsäfte zusammen, deren Duft sich der jeweiligen Geschmacksrichtung überhaupt nicht mehr zuordnen ließ. Bleibt nur zu hoffen, dass diese „Chemie in Lebensmitteln“-Einführung abschreckend gewirkt hat.

CANESTEN-PR: „Füße zum Verlieben“
Wieder einmal führte BAYER gemeinsam mit dem ApothekerInnen-Verband, der AOK und dem Gesundheitsmagazin Praxis eine Aktion durch. Weil es diesmal um das Thema „Fußkrankheiten“ ging, ließ der Leverkusener Chemie-Multi seine guten Beziehungen zum DFB spielen und gewann den Verband als zusätzlichen Kooperationspartner. Als prominentes Aushängeschild der Kampagne wurde der zu diesem Zeitpunkt noch bei BAYER angestellte Rudi Völler dienstverpflichtet. Brav sagte er sein Sprüchlein auf: „Gerade beim Fußball muss man sich voll darauf verlassen können, dass die Füße die harte Belastung des Spiels aushalten. Darum achten wir besonders darauf, uns vor Fußpilz zu schützen.“ Damit kam er Sinn und Zweck der „Aufklärungsaktion“ schon näher. Sie ist nämlich lediglich eine Werbe-Veranstaltung für BAYERs Fußpilz-Salbe CANESTEN.

Visionäre Geschäftsberichte
An den Börsen wird die Zukunft und nicht die Gegenwart gehandelt. Darauf stellen sich auch die zu den AktionärInnen-Versammlungen verteilten Geschäftsberichte mehr und mehr ein. Weil die AnlegerInnen nach Einschätzung Richard Gehlens von der Düsseldorfer AGENTUR FÜR MARKENFÜHRUNG „weniger am Rückblick auf das abgelaufene Geschäftsjahr interessiert (sind) als vielmehr an Prognosen und künftigen Zielen“, gibt auch der letzte BAYER-Finanzbericht „Strategie“, „Ausblick“ und der „Zielsetzung für 2001“ viel Raum. „Der Geschäfts-
bericht wird selbst zu einem Markenprodukt. Kommunikation und die Schaffung von Shareholder Value hängt sehr eng zusammen“, resümiert Gehlen die Entwicklung.

PR-Aktion zum Thema „Schlaganfall“
Gemeinsam mit der „Stiftung deutsche Schlaganfall-Hilfe“ hat BAYER im Mai eine Aktion zum Thema „Schlaganfall“ durchgeführt. Ein Info-Mobil, in dem Interessierte sich ihren Blutdruck und ihren Cholesterin-Wert bestimmen lassen konnten, bereiste 31 bundesdeutsche Städte. Um Aufklärung ging es dabei nur vordergründig. Die Kampagne verfolgte vielmehr zum einen den Zweck, die Selbsthilfegruppe enger an den Konzern zu binden und zum anderen den, Reklame für den mittlerweile berühmt-berüchtigten Cholesterin-Senker LIPOBAY zu machen. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht allzuviele Menschen mit nur gering erhöhten Cholesterin-Werten das Mittel nach dem Besuch des Info-Mobils von ihrem Arzt als Schlaganfall-Prophylaxe verschrieben bekommen haben.

BAYER spendet alte Computer
BAYER hat Leverkusener Schulen 200 ausgemusterte Computer zur Verfügung gestellt. Natürlich geschah die Entsorgungsaktion nicht ganz uneigennützig. Werksleiter Ludwig Schmidt bekundete laut Leverkusener Anzeiger offenherzig, „dass schließlich auch die Wirtschaft ein Interesse daran habe, Defizite zum Beispiel an Schulen in Sachen Informatik abzubauen“.

Kooperation mit Nieren-Gesellschaft
PatientInnen-Organisationen sind der Markt-Öffner zum Absatz von Arzneien und Medizin-Produkten. Deshalb kooperiert der BAYER- Konzern in den USA mit der dortigen Nieren-Gesellschaft, indem er dem Früherkennungsprogramm für Nieren-Erkrankungen KEEP seine MULTISTIX-Harnanalyse-Streifen für eine Test-Aktion in 50 Städten zur Verfügung stellt.

Klärwerke: Tag der Offenen Tür
Ende Juni luden die Wuppertaler BAYER-Niederlassung und die Städte-Vereinigung „Wupper-Verband“ zu einem „Tag der Offenen Tür“ bei den Kläranlagen Rutenbeck und Buchenhofen ein. Neben „Unterhaltung für Groß und Klein“ sollte dabei auch über die Abwasser- Reinigung informiert werden. Dass sich in der Wupper laut „Gewässergütebericht ‘97“ des Landes Nordrhein-Westfalen die BAYER-Pestizidwirkstoffe Fenamiphos, Isofenphos, Triadimefon und Triadimenol in Konzentrationen tummeln, die über dem Trinkwasser- Grenzwert liegen, haben die BesucherInnen an diesem Tag aber ganz bestimmt nicht erfahren. Und über die mangelhafte Wasser-Qualität der Wupper unterhalb der Kläranlage Buchenhofen - in der von I bis IV reichenden Güteklassen-Einteilung ist das Gewässer lediglich mit III bewertet - haben sich die ÖffentlichkeitsarbeiterInnen des Konzerns sicherlich auch ausgeschwiegen.

BAYER dialügt mit „Info-Mobil“
Die Dormagener BAYER-Werke wollen in der Stadt mehr Präsenz zeigen. Deshalb hält das neue „Info-Mobil“ des Konzerns jeden ersten Freitag im Monat auf dem Wochenmarkt. Als weitere Ziele sind Schulen und sogar Kindergärten angedroht. Das Propaganda-Gefährt hält Desinformationen unter anderem zu den Themen „Sicherheitskonzept“ und „Abwasser-Reinigung“ bereit.