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AKTION & KRITIK
Peruanische Eltern klagen Vor zwei Jahren starben in dem peruanischen
Andendorf Tauccamarca 24 Kinder an einer Pestizid-Vergiftung; 18 überlebten mit schweren Gesundheitsschädigungen (SWB 1/00). Durch ein Versehen war Parathion-methyl in ihre Schulmilch geraten. Dieses von BAYER unter
dem Namen FOLIDOL vermarktete Insektizid stuft die Weltgesundheits- organisation WHO als “extrem gefährlich” ein. Nach den peruanischen Gesetzes darf es eigentlich nur unter strengen Auflagen verkauft werden,
zum Erwerb ist das Testat eines registrierten Agronomen nötig. Das Insektizid hätte also niemals den Weg in die Schulküche finden dürfen. Deshalb reichten die Eltern der getöteten und geschädigten Kinder am 22.
Oktober 2001 gegen BAYER und den peruanischen Staat eine Klage ein. Eventuell schließt sie bald auch die ebenfalls Parathion- methyl verkaufenden Unternehmen BASF und CHEMINOVA ein.
Proteste gegen Pillen-Werbung Für verschreibungspflichtige Medikamente
darf bisher nicht geworben werden. Dieses Verbot will die EU-Kommission jetzt für Arzneien zur Behandlung von AIDS, Diabetes und Asthma aufheben. Dagegen protestierten in einer gemeinsamen Presse-Erklärung die BUKO
PHARMA-KAMPAGNE, DER BUNDESVERBAND DER VERBRAUCHERZENTRALEN, die AIDS-HILFE, MEDICO INTERNATIONAL und der VEREIN DEMOKRATISCHER PHARMAZEUTINNEN UND PHARMAZEUTEN. Die Gruppen wiesen darauf hin, dass in den USA die
Arzneimittel-Kosten nach der Aufhebung von Werbe-Beschränkungen sprunghaft angestiegen sind. Auf eine andere mögliche Konsequenz machte Armin Schafberger von der AIDS-HILFE aufmerksam: “In San Francisco wurden
Werbe-Aktionen abgemahnt, die suggerierten, AIDS sei einfach und erfolgreich zu behandeln. Diese Werbung drohte die Präventionsarbeit der vergangenen Jahre zunichte zu machen.”
Maschinensturm bei AGFA Die massiven Arbeitsplatzvernichtungen bei der
ehemaligen BAYER-Tochter AGFA, an welcher der Leverkusener Chemie-Multi immer noch 30 Prozent des Aktien-Kapitals hält, fachen die Wut der Belegschaft an. Aus Ärger über die Entlassungswelle haben ArbeiterInnen im
Leverkusener Werk eine 500.000 Mark teure Versuchsmaschine zerstört. Zudem klagen 30 Betroffene vor dem Arbeitsgericht gegen ihren Rausschmiss. “Mit eisernem Handschuh” gehe AGFA vor, kritisierte ihr
Rechtsanwalt Harald Kaiser, dessen Kanzlei-Partner der Leverkusener SPD-Bürgermeister Mende ist. So hätte der Rechtsanwalt der Gegenseite, der in Diensten des “Arbeitgeber-Verbandes Chemie” steht, die
Betroffenen mit der Bemerkung, sie bräuchten nicht auf eine höhere Abfindung zu spekulieren, da nichts zu holen sei, einzuschüchtern versucht. Im Verlauf des Prozesses kamen auch die windigen Praktiken des
Unternehmens bei den Kündigungen ans Tageslicht. Einen Gekündigten stellte AGFA zwei Monate später zu deutlich schlechteren Konditionen wie einem befristeteten Arbeitsvertrag und 1.000 Mark weniger Gehalt wieder
ein. Einem anderen verweigerte der Konzern die Erhöhung seiner Abfindung mit der Begründung, das Geld sei zur Bezahlung seines Nachfolgers bestimmt.
Demo gegen Werkserweiterung Die Erweiterung des BAYER-Werkes in der
Toskana bei Siena hat Kritik bei der Bevölkerung hervorgerufen. Es hat sich eine Bürgerinitiave gebildet, die sich gegen die Verschandelung der Landschaft wendet und vor den drohenden Umwelt-Belastungen sowie der
Elektrosmog-Gefahr durch das ebenfalls auf dem Firmen-Areal geplante neue Kraftwerk warnt. Am 17. Dezember brachten die Menschen ihren Unmut durch eine Demonstration zum Ausdruck.
Proteste am Welt-AIDS-Tag AIDS-Initiativen und andere AktivistInnen
protestierten am Welt-AIDS- Tag vor den Toren der US-amerikanischen BAYER-Niederlassung in Berkeley. Sie prangerten die unrühmliche Rolle an, die der Konzern im Patent-Streit mit der südafrikanischen Regierung um
AIDS- Medikamente gespielt hatte und erinnerten daran, dass durch HIV-verseuchte Blut-Präparate des Leverkusener Chemie-Multis in den 90er Jahren tausende von Blutern umgekommen waren.
US-Gewerkschaft reicht Beschwerde ein Gewerkschaftler und gleichzeitig
BAYER-Mitarbeiter sein - das will der Leverkusener Chemie-Multi am Standort Indianapolis nicht zulassen. Einem Gewerkschaftler, der unter der Belegschaft um Mitglieder warb, hat der Konzern mit Kündigung gedroht.
Seine Organisation hat deshalb vor der Arbeitsrecht-Behörde “National Labor Relation Board” eine Beschwerde eingereicht.
Tierversuchskonzern macht dicht Die Kampagne von SHAC (STOP HUNGINGDON
ANIMAL CRUALITY) gegen den Tierversuchskonzern HUNTINGDON LIFE SCIENCES war erfolgreich. Den TierversuchsgegnerInnen ist es mit ihren zahlreichen Aktionen gelungen, HUNTINGDON zum Schließen ihrer englischen
Niederlassung zu bewegen. Das Unternehmen verlegte seinen Firmen-Sitz in die USA. Die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN (CBG) hatte die Proteste von SHAC unterstützt, da BAYER zu den HUNTINGDON-Kunden zählt.
Gemeinsam mit anderen Global Playern gab der Leverkusener Chemie-Multi dort eine auf zwei Jahre angelegte Untersuchung zur Industrie-Chemikalie Tri-n-butyl-Phosphat (TBP) in Auftrag, in deren Verlauf hundert Ratten
starben. Kamen die Tiere nicht direkt durch das Chemie-Gift um, so wurden sie eingeschläfert, um ihre inneren Organe zu examinieren.
Lobby-Büro von BAYER & Co. besetzt Im Verlaufe der Proteste gegen
den EU-Gipfel in Laeken besetzten DemonstrantInnen am 12. Dezember das Büro des Lobby-Clubs der europäischen Chemie-Industrie “Cefic”. Vor allem dem Einsatz für Bio-Patente, gegen die geplanten Überprüfungen der
gefährlichsten Chemikalien und gegen Vorschriften zur Reduktion der zum Treibhaus- Effekt beitragenden fluorierten Kohlenwasserstoffe hatte sich der Verband in letzter Zeit verschrieben. “Die Besetzung des
‘Cefic’-Büros (...) versucht die direkte Verbindung zwischen einem System, welches seine Schwerpunkte auf Profit und Wirtschaftswachstum legt und den einseitigen Interessen der Chemie- und Öl-Industrie aufzuzeigen.
(...) In Europa wird die Politik von der Wirtschaft betrieben und die Ratschläge der Industriellen werden nur allzugerne umgesetzt. Unser Standpunkt ist, dass eine sozial verantwortungsvolle und insofern nachhaltige
Gesellschaft im offenen Gegensatz steht zum gegenwärtigen neo-liberalen Modell”, hieß es zur Begründung der Aktion. Die Polizei beendete die Besetzung brutal und verhaftete die TeilnehmerInnen. Einzelne wurden in
den Zellen misshandelt. So stieß ein Beamter eine HolländerIn, die das Gefängnis nicht ohne ihre italienischen, spanischen und schwedischen MitstreiterInnen verlassen wollte, mit dem Kopf gegen die Gitterstäbe. Die
Presse berichtet von diesen Übergriffen natürlich mit keinem Wort. Stattdessen diffamierten die Zeitungen die Besetzung als einen terroristischen Akt.
Alt-Pestizide warten auf BAYER GREENPEACE hat die iN Nepal entdeckten
Alt-Pestizide, worunter sich ein Drittel BAYER-Produkte befanden, geborgen und in Sicherheits- fässer verpackt. So sind sie jetzt zum Abtransport fertig, aber der Leverkusener Chemie-Multi macht noch keine
Anstalten, mit GREENPEACE zu kooperieren. Ein BAYER-Sprecher schob rechtliche Probleme vor und verlangte detaillierte Angaben zu den einzelnen “Pflanzenschutzmitteln”. Zudem erklärte er, der Konzern habe mit den
Regierungsstellen Kontakt aufgenommen, aber bisher noch keine Antwort erhalten. GREENPEACE-Aktivist Andreas Bernstoff hält das für sehr unwahrscheinlich. Unter den Ackergifte sind auch solche, die in der
Bundesrepublik aufgrund ihrer Gefährlichkeit nie zugelassen waren; BAYER hat sie als “Spende” unter dem Banner der Entwicklungshilfe in das Land geschafft. “Manche Firmen haben sich so offenbar ihrer Alt-Bestände
entledigt, die ansonsten hätten aufwändig entsorgt werden müssen”, meint Bernstorff. Die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN (CBG) fordert BAYER auf, ihre Pestizide umgehend zurückzuholen.
BUKO kritisiert BAYER Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des
BUNDESKONGRESSES ENTWICKLUNGSPOLITISCHER AKTIONSGRUPPEN (BUKO) interviewte die Tageszeitung junge Welt die Ärztin Christiane Fischer von der PHARMA-KAMPAGNE der Initiative. Ihre Kritik an der Praxis der
Pharma-Multis, in den Ländern des Südens Pharmazeutika zu vertreiben, die in der Bundesrepublik nicht erhältlich sind, illustrierte sie mit zwei BAYER-Beispielen. Sie prangerte die Vermarktung von BAYER TONIC an,
ein aus Alkohol, Vitaminen und Leber-Extrakten bestehendes “Stärkungsmittel”, weil es nicht nur teuer und unnütz, sondern sogar gesundheitsschädlich ist. Desweiteren beanstandete Fischer, dass der Leverkusener
Chemie-Multi in Brasilien unter dem Namen ASPIRINA INFANTILE immer noch ASPIRIN für Kinder vertreibt, obwohl es das lebensgefährliche Reye-Syndrom hervorrufen kann.
Aufruf zum “Global Action Day” Die BELEGSCHAFTSLISTE, eine Gruppe
alternativer GewerkschaftlerInnen im Wuppertaler BAYER-Werk, hat mit den internationalen Gewerkschaftsverbänden (Global Unions) zum “Global Action Day” aufgerufen, um gegen die sich weltweit verschlechternden
Arbeitsbedingungen, die Politik von WTO und IWF sowie gegen die zunehmende Privatisierung staatlicher Leistungen zu protestieren. In ihrem Statement, das die Tageszeitung junge Welt veröffentlicht hat, wendet die
BELEGSCHAFTSLISTE sich auch gegen den “Krieg gegen den Terror”. “Die Globalisierung, die die Interessen der Mehrheit der Menschen mit Füßen tritt, führt in ihrer aggressivsten Form zu Krieg und Bürgerkrieg”, heißt
es dort.
Untersuchung zu Phtalaten gefordert Die EU will erstmals 30.000 im
Umlauf befindliche Chemikalien auf ihre gesundheitsschädliche Wirkung hin untersuchen (s. SWB 2/01). Der Referatsleiter im schleswig-holsteinischen Umweltministerium Dr. Klaus-Dietrich Sturm (s. CHEMIE &
GIFTE) hat sich dabei für eine Prioritäten-Setzung ausgesprochen. Für besonders dringlich hält er die Überprüfung von Weichmachern (Phthalate), wuchs-abweisenden Schiffsanstrichen und der in der Kunststoff-Fertigung
zum Einsatz kommenden Phenole. Sturm zufolge verunreinigen diese Stoffe in zunehmendem Maße die Oberflächengewässer. All drei Substanzen verwendet oder produziert auch BAYER.
Proteste gegen Rangierbahnhof In Dormagen hat sich eine Bürgerinitiative
gegründet, um gegen die Lärm-Belästigungen durch den Rangierbahnhof von BAYER zu protestieren. “Von morgens 6 Uhr bis nachts 22 Uhr, manchmal auch früher beziehungsweise später, wird ein Lärm verursacht, der
Schlafen bei offenem Fenster unmöglich macht”, schrieben sie dem Leiter des Dormagener BAYER-Werks, Walter Schulz. Die Stadt will nicht handeln und verwies die Initiative auf das für Lärm-Emissionen von Industrie-
Anlagen zuständige Staatliche Umweltamt in Krefeld. Diesem schickten die Lärm-KritikerInnen dann ein Schreiben nebst einer Liste mit gesammelten Unterschriften. Ob das Krefelder Amt aber Maßnahmen gegen die
Lärm-Belästigungen einleiten wird, ist zu bezweifeln.
BANAFAIR-Kampagne in Costa Rica Der Bananen-Anbau ist in Costa Rica ein
bedeutender Wirtschaftsfaktor. BAYER und andere Hersteller beliefern die Plantagen-Besitzer teilweise mit Agro-Chemikalien, die in Europa wegen ihrer Giftigkeit schon längst aus dem Verkehr gezogen sind. Die
Initiative BANAFAIR hat in Costa Rica jetzt gemeinsam mit der vor Ort aktiven Gruppe FORO EMAÚS eine Kampagne durchgeführt, die auf die Gefahren der im Bananen-Anbau zum Einsatz kommenden Pestizide aufmerksam
machte. PAN GERMANY und über 30 andere unabhängige Nicht-Regierungsorganisationen ünterstützten sie dabei dabei. Die AktivistInnen organisierten unter anderem eine Presse-Konferenz nebst kleiner
Theater-Aufführung, informierten die VerbraucherInnen und wandten sich mit einer Petition an die Regierung des Landes, die strengere gesetzliche Auflagen für den Pestizid-Verkauf forderte. Als größten Erfolg der
Kampagne bezeichneten die Initiatoren, dass sie in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die von den Ackergiften ausgehenden Gesundheitsgefährdungen geschaffen habe.
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