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DRUGS & PILLS
Asthma-Sprays schädigen Knochen WissenschaftlerInnen gingen bisher davon
aus, dass kortison-haltige Asthma-Sprays wie das von BAYER BASICS vertriebene im Gegensatz zu oral eingenommenen kortison-haltigen Mitteln die Knochen nicht angreifen. Eine am Bostoner “Brigham and Women’s Hospital”
unter Leitung von Elliot Israel durchgeführte Studie kam jetzt allerdings zu einem gegenteiligen Ergebnis. Ihr zufolge tragen Frauen, die ein Asthma-Spray benutzen, ein doppelt so hohes Risiko, im Alter einen
Knochenbruch zu erleiden wie Nicht-Asthmatikerinnen.
BPI vs. VFA Im “Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie” (BPI) sind
die - überwiegend mittelständischen - Hersteller von seit langem im Handel befindlichen Arzneien oder Nachahmer-Produkten (Generika) organisiert; dem von BAYER gegründeten “Verband der Forschenden
Arzneimittel-Hersteller” gehören vorwiegend die Pharma-Multis an, die ihre Profite mit neu entwickelten, patent-geschützten und daher sehr teuren Medikamenten machen. Im Verlauf der Auseinandersetzungen um die
Positiv-Liste, die künftig irrationale Pharmazeutika von der Kosten- erstattung durch die Krankenkassen ausnehmen will, wenn sie Mitte 2003 dann wirklich eingeführt werden sollte, traten die Interessens-
gegensätze zwischen den beiden Organisationen offen zu Tage. Der BPI-Geschäftsführer Hans Sendler nannte den Skandal um LIPOBAY als Beispiel dafür, dass neue Medikamente viel mehr Schaden anrichten könnten als
alte, in Zukunft womöglich von der Kosten-Erstattung ausgenommene. Das vermochte VFA-Geschäfts- führerin und BAYER-Intima Cornelia Yzer natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Die Konkurrenz zwischen einzelnen
Medikamenten- Gruppen, die hier behauptet werde, sei so nicht gegeben, sagte sie laut Frankfurter Rundschau, “Innovationen” seien unverzichtbar und ihre relative Sicherheit durch die Arzneimittel-Zulassung
gesichert. Einig sind sich BPI und VFA freilich in der Ablehnung der Positiv-Liste.
Blutprodukt-Joint Venture AVENTIS BEHRING bringt in das
Gemeinschaftsunternehmen mit BAYER im Blutpräparate-Bereich neben Blutgerinnungsmitteln hauptsächlich Blutprodukte für die Intensiv-Medizin, immunologisch wirksame Proteine (Immunglobine) und Wundheilungsmittel ein.
Zudem verfügt das Unternehmen in den USA über 47 Blutspende-Zentren. Auf diese war der Leverkusener Chemie-Multi laut Handelsblatt besonders scharf, weil er das Blut bisher zukaufen musste. Immer noch wird für die
meisten Blut-Präparate Spender-Blut benötigt, nur die vorwiegend gentechnisch produzierten - und dafür andere Gefahren bereit haltende - Blutgerinnungsmittel machen eine Ausnahme. Da durch das Spender- Blut
Krankheiten übertragen werden können, sind die Produkte mit großen Risiken behaftet. In den 90er Jahren starben Tausende Bluter durch HIV-verseuchte Blut-Produkte von BAYER. Ähnlich wie der Leverkusener Chemie-Multi
mit KOGENATE (s. DRUGS & PILLS) war auch AVENTIS BEHRING mit der Produktion des Blutplasma-Proteins Albumin in den Blickpunkt der US-Gesundheitsbehörde geraten. Die Herstellung war lange
Zeit unterbrochen, was den Umsatz von AVENTIS BEHRING empfindlich schmälerte und in der Führungsetage von AVENTIS letztlich zu der Entscheidung führte, die Sparte in einem JOINT VENTURE auszugliedern.
ASPIRIN-Nebenwirkungen Ein Artikel im International Herald Tribune über
die angeblich Alzheimer-vorbeugende Wirkung von entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie ASPIRIN kommt zu dem Resümee, dass es noch keine konkreten Beweise für präventive Effekte gibt. Wegen der vielen Nebenwirkungen
warnt die Zeitung vor einer regelmäßigen Einnahme und zitiert neuere Studien. Demnach führt das Schlucken von ASPIRIN bei 20 Prozent der BenutzerInnen zu Erbrechen und anderen Magenbeschwerden; bei zwei bis vier
Prozent zu Magenbluten und zur Bildung von Magengeschwüren. Zudem erhöht es leicht das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden und verschlimmert Nieren-Erkrankungen.
ASPIRIN gegen Herzinfarkt kommt Lange Zeit hat BAYER Studien in Auftrag
gegeben, welche die Herzinfarkt-vorbeugende Wirkung von ASPIRIN beweisen sollten. Auch die Öffentlichkeit bearbeitete der Konzern in dieser Hinsicht unermüdlich. Millionen Menschen, die täglich prophylaktisch
das Schmerzmittel schlucken, diese Aussicht beflügelte die Profit-Profis ungemein. Jetzt hält man offenbar den Zeitpunkt für gekommen, “den Markt zu knacken”. Der Leverkusener Chemie-Multi bringt ein rezeptfreies
Anti-Herzinfarkt-ASPIRIN heraus, das ASPIRIN CARDIO 100 bzw. 300. Vom herkömmlichen Präparat unterscheidet es sich durch eine geringere Wirkstoff-Konzentration. Aber selbst diese Reduktion wird die notorischen
Nebenwirkungen des Tausendsassas (siehe oben) nicht verhindern können. Bei einem erwarteten jährlichen Umsatz von 500 Mio. Euro dürften auch diese Gegenanzeigen boomen.
AVELOX jetzt auch per Spritze US-amerikanische MedizinerInnen dürfen das
“neue” BAYER- Antibiotikum AVELOX zur Behandlung von Lungenentzündungen jetzt auch spritzen. Ende 2000 hat der Leverkusener Chemie-Multi die Zulassung für diese Darreichungsform erhalten. PharmazeutInnen beurteilen
das Mittel mit dem Wirkstoff aus der Gruppe der Fluorchinole kritisch. So zählt es für den Arzneimittelverordnungsreport ’97 nicht zu den primär empfehlenswerten Substanzen. “Aufgrund der unerwünschten
Wirkungen” rät das Fachbuch zu einer “sorgfältigen Indikationsstellung”. Bei AVELOX, das auch unter dem Namen MOXIFLOXACIN vermarktet wird, handelt es sich zudem nur in einem eingeschränkten Sinn um eine neue
Arznei. Es basiert auf einer geringfügig veränderten CIPROBAY- Rezeptur. Da für diesen Umsatz-Garanten in immer mehr Ländern der Patentschutz ausläuft und somit der Weg für billigere Nachahmer- Präparate frei ist,
braucht BAYER in dem Segment unbedingt ein wiederum Patent-geschütztes, und deshalb teuer vermarktbares Nachfolge-Medikament.
Immunglobin gegen MS? BAYER hat beim niederländischen
Multiple-Sklerose-Zentrum in Nijmegen eine Studie in Auftrag gegeben, die den Einsatz von Immunglobin in der Behandlung von Multipler Sklerose, einer Entzündungserkrankung des Zentralen Nervensystems, testet. Das
Ergebnis scheint schon festzustehen. Der Leiter der Untersuchung, Professor Otto Hommes, bezeichnet den Einsatz von Immunglobin nämlich bereits als “innovative Therapie-Option, die den größten Erfolg verspricht”.
Bislang weigern sich die Krankenkassen, die Kosten für eine Immunglobin-Therapie MS-Kranker zu übernehmen.
KOGENATE-Schlampereien Ein im Tagesspiegel erschienener Artikel der
US-Journalistin Vanessa Fuhrmans informierte jetzt erstmals genauer über die wg. Bakterien- Verunreinigungen lange Zeit stillliegende Produktion des Blutgerinnungs-
mittels KOGENATE. Zunächst hatte der Chemie-Multi die US-Gesund- heitsbehörde FDA über eine “kleine Panne” unterrichtet. Die Behörde sandte dann KontrolleurInnen nach Berkeley aus. Was die dann vor Augen
bekamen, war alles andere als eine “kleine Panne”. BAYER wandte Test-Verfahren zur Untersuchung bakterieller Verschmutzung nur in ungenügendem Maße an. Die FDA-EmissärInnen monierten auch die nur unzureichende
Dokumentation der Produktionsprozesse. Zudem beanstandeten sie die unzureichende Qualifikation vieler MitarbeiterInnen. 30 Seiten umfasste ihr Mängel-Report. Am Ende musste der Konzern zusätzliche
Sterilisationsverfahren einführen und für die Qualitätskontrolle 150 Beschäftigte neu einstellen. Werksleiter Jan Turek wurde entlassen. Der KOGENATE-Skandal hat wieder einmal gezeigt, wie risiko-behaftet eine
ausschließlich vom Gedanken an Profit-Maximierung getragene Pharma-Produktion ist.
Kampagne für BAYMYCARD BAYER plant mit dem Bluthochdruckmittel BAYMYCARD
aus der Gruppe der Kalzium-Antagonisten die Eroberung der Wartezimmer. Der Konzern verpflichtete für eine neue, sich ausschließlich an MedizinerInnen richtende Werbe-Kampagne die Kölner Agentur WESTAG.
Neues Migräne-Mittel: ALMOGRAN BAYER bringt mit ALMOGRAN ein neues
Migräne-Präparat auf den Markt. Das Mittel mit dem Wirkstoff Almotriptan soll angeblich die Anzahl wiederkehrender Migräne-Attacken reduzieren.
Neue Anti-Fettpille? Sich krank essen und anschließend wieder gesund
schlucken - dieser Utopie der Lifestyle-Medizin will BAYER jetzt ein Stückchen näher gekommen sein. Der Leverkusener Chemie-Multi kaufte das Patent für eine Salz-Art, die Genuß ohne Reue verspricht. Es verhindert
angeblich, dass sich ausgiebiges Speisen in ausgiebigen Körperformen niederschlägt - jedenfalls bei den Labor-Ratten, die für diese fixe Idee der westlichen Zivilisation in den Laboren gequält wurden.
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