|
GENE & KLONE
Ja zum Stammzellen-Import Der Bundestag hat sich im Januar für den
Import von Stammzellen ausgesprochen. Damit ist der Masterplan des BAYER-Aufsichtsrats und Vorsitzenden der “Deutschen Forschungsgesellschaft” Ernst-Ludwig Winnacker aufgegangen. Er hat sich in der Öffentlichkeit
sukzessive den Posten des obersten Gentech-Experten erobert, flüsterte Bundeskanzler Schröder dessen Gentechnik-Rede ein und ließ sich von ihm mit dem “Nationalen Ethikrat” ein Bioindustrie-freundliches Gremium
schaffen, das die deutlich kritischere “Enquête-Kommission” des Bundestages entmachtete und wie erwartet dann auch eine Import-Empfehlung aussprach. Nach dieser richteten die Abgeordneten sich schließlich.
Forschung an Stammzellen In den USA arbeiten BAYER-ForscherInnen bereits
mit menschlichen Stammzellen (Ticker 3/01), mit embryonalen allerdings noch nicht. In der Bundesrepublik hält sich der Konzern bisher an tierische Zellen. Er entwickelt - finanziert vom
Bundesforschungsministerium! - einen Embryo-Toxizitätstest, wobei ihm Stammzellen von Mäusen als Forschungsobjekt dienen. Aber natürlich ist an Anwendungen im Bereich der Schwangerschaftsdiagnostik gedacht, wofür
die ForscherInnen dann folgerichtig menschliche embryonale Stammzellen zum Experimentieren bräuchten. Moralische Skrupel vor der Benutzung von Zellen, für deren Gewinnung Embryos getötet werden müssten, hätten sie
sicherlich keine.
Mehr Forschung mit MILLENNIUM Der BAYER-Konzern weitet seine Kooperation
mit dem Biotech- Unternehmen MILLENNIUM auf die Suche nach Medikamenten gegen Thrombose, Inkontinenz und gutartige Prostata-Vergrößerung aus. Die US-Firma untersucht dabei Gen-Abschnitte nach krankheitsrelevanten
Proteinen, so genannten Targets, die angeblich als Wirkorte für Arzneien dienen könnten. 140 dieser Ziel-Proteine haben die US-amerikanischen Bio-TechnikerInnen bereits gefunden - fast mehr als es Krankheiten gibt.
Das Handelsblatt spricht aufgrund solcher inflationärer “Entdeckungen” von MILLENNIUM & Co. deshalb auch schon von einem Überangebot an Targets, das die Preise sinken lässt.
Forschung an Gentech-Herbiziden Der BAYER-Konzern hat den bestehenden
Kooperationsvertrag mit dem nordamerikanischen Unternehmen PARADIGM GENETICS erweitert und um fünf Jahre verlängert. Die Gentech-Firma forscht für den Leverkusener Chemie-Multi an der Entwicklung
gentechnologisch hergestellter Anti-Unkrautmittel (siehe auch IMPERIUM & WELTMARKT).
Biotec-Zentrum: Bau-Beginn Seit Mitte Mai 2001 laufen die Bauarbeiten
für das Leverkusener Biotechnologie-Zentrum “Bioplex”. Da der BAYER-Konzern sich von der Ansiedelung junger Biotech-Firmen an seinem Stammsitz Synergie- Effekte erhofft, hat er sich stark für das Zentrum eingesetzt.
Die Bau-Abteilung des Konzerns war sogar direkt an den Planungen beteiligt. Den/die SteuerzahlerIn kommt diese Zukunftsinvestition in die Profite von BAYER & Co. teuer zu stehen. 14 Mio. Mark stellte die
WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG LEVERKUSEN GmbH bereit. 3,5 Mio. davon bringt die Stadt auf, 0,5 Mio. die STADTSPARKASSE, der Rest wird über Kredite finanziert. Überdies will sich die Stadt zwei Jahre lang mit einer Summe von
375.000 Mark an den Betriebskosten des Komplexes beteiligen.
BAYER Gentech-Nr.1 Nach Einschätzung der Investment-Bank HSBC ist BAYER
durch den Kauf von AVENTIS CROP SCIENCE (ACS) zum weltweit führenden Konzern in der “grünen Gentechnik” geworden. “Weder MONSANTO, noch SYNGENTA oder DUPONT haben das Potenzial von AVENTIS CROP SCIENCE, den Markt
für wichtige Kultur-Pflanzen zu dominieren”, so ein Finanz-Analyst. Dabei hat es ihm besonders die Produkt-Linie LIBERTY LINK, die das Anti-Unkrautmittel LIBERTY in Kombination mit LIBERTY-resistentem Saatgut
vertreibt, angetan. Aber auch das nach einmaligem Gebrauch nicht wieder aussähbare Hybrid-Saatgut SEEDLINK, das in den USA und Kanada im Mais- und Raps-Anbau zugelassen ist, dominiert ihm zufolge die Märkte. Zudem
verweist die Bank auf die vielen Forschungskooperationen von ACS. Geschäftsverbindungen bestehen unter anderem zu dem Potsdamer Unternehmen PLANT TECH sowie zu RHOBIO und GÉNOPLANTE.
Ab 2006 Gentech-AAT BAYER kündigte an, das in Kooperation mit PPL
THERAPEUTICS - den berühmt-berüchtigten “Urvätern” des Klonschafs Dolly - produzierte Gentech-Medikament gegen Lungenemphyseme AAT 2006 auf den Markt bringen zu wollen. Zur Herstellung der Arznei werden Schafe zu
Pharma-Fabriken umfunktioniert. Bio-TechnikerInnen schleusen ihnen ein Gen in den Euter, das dort die Herstellung des pharmakologischen Grundstoffs anregt (Über Risiken und Nebenwirkungen: SWB 4/00). Eine
medizinische Notwendigkeit für diese Herstellungsart besteht nicht, denn BAYER vertreibt mit PROLASTIN bereits ein AAT-Präparat, aber eine ökonomische: Die Schafe machen’s billiger. Reibungslos verlief die Forschung
& Entwicklung des Gen-Präparats keineswegs. Nachdem sich in den USA die Bewilligung weiterer klinischer Test-Phasen verzögerte, weil der US-Gesundheitsbehörde FDA die eingereichten Informationen nicht genügten,
standen eine Zeit lang dicke Fragezeichen hinter der Zukunft des Gentech-AATs.
3.700 Patente auf Leben Das Europäische Patentamt in München hat bereits
3.700 Patente auf Leben erteilt. “Viele der Anträge sind ein echter Alptraum”, sagt Christoph Then von GREENPEACE und nennt solche, die geistiges Eigentum auf bestimmte Klonierungsverfahren erheben. Skandalöserweise
steht einer Bewilligung nichts im Wege, obwohl das Klonen von Menschen - noch - verboten ist. Selbstverständlich ist der BAYER-Konzern ein fleißiger Antragsteller in München. Aufsehen erregte 1991 das Patent auf
eine gen-manipulierte Maus, die als Alzheimer- Studienobjekt dienen sollte. Aber auch menschliche Proteine und 22 gen-manipulierte (Ab-)Arten des Bazillus thuringiensis nennt das Unternehmen sein Eigen.
|