SWB 01/2002 -Ticker

IMPERIUM & WELTMARKT

AGFA: Seeger geht
Dass der Leverkusener Chemie-Multi seine Tochter-Gesellschaft AGFA an die Börse brachte, ist ihr nicht gut bekommen. Im ersten Halbjahr 2001 hatte das Unternehmen, an dem BAYER immer noch 30 Prozent des Aktien-Kapitals hält, einen Gewinn-Einbruch von 35 Prozent zu verzeichnen. Das schlechte Geschäft veranlasste den AGFA-Vorstands-
vorsitzenden Klaus Seeger schon im Juni zu Plänen, den Konzern in eine Holding mit selbstständigen Geschäftsbereichen zu verwandeln.
Er konnte sich damit allerdings nicht gegen den Verwaltungsrat durchsetzen, der die bisherige Struktur beibehalten wollte, und stellte daraufhin seinen Posten zur Verfügung. Sein Nachfolger wurde Ludo Verhoeven. Zu weiteren Arbeitsplatzvernichtungen wird es auch unter ihm kommen.

AGFA: Kein Foto-Verkauf
Die weit hinter ihren Umsatz-Zielen zurückbleibende ehemalige BAYER-Tochter AGFA (s. o.) wollte ihre Foto-Sparte an die britische Investoren-Gruppe SCHROEDER VENTURES verkaufen.
Die Verhandlungen scheiterten aber. AGFA war nicht bereit, Logo und Markennamen mitzuveräußern.

AGFA kauft PANTAK
AGFA hat das US-Unternehmen PANTAK gekauft. Es stellt Röntgen-
Ausrüstungen und -systeme für Material-Prüfungen sowie wissen-
schaftliche und medizinische Anwendungen her. Ob die ehemalige BAYER-Tochter auch die 65 Pantak-Beschäftigten übernehmen wird, gab der Konzern nicht bekannt.

Joint Venture mit AVENTIS BEHRING
Der Leverkusener Chemie-Multi legt sein Blutprodukte-Geschäft mit der entsprechenden Sparte von AVENTIS zusammen. Das neu gebildete Joint Venture kommt auf einen Marktanteil von 25 Prozent und nimmt damit die Spitzen-Position im Blutpräparate-Segment ein. BAYER hält die Mehrheitsanteile an dem Gemeinschaftsunternehmen und sicherte sich bei den Verhandlungen die Option, es gegebenenfalls ganz übernehmen zu können.

Beteiligung an PHARMANETICS erhöht
Der BAYER-Konzern hat seinen Aktien-Anteil an dem nordamerika-
nischen Diagnostika-Unternehmen PHARMANETICS von sieben auf 19,9 Prozent erhöht. Zusätzlich kaufte er noch ein PHARMANETICS-
Aktienpaket im Wert von 17,4 Mio. Dollar. Auch der Vertriebsvertrag für Apparaturen der Therapie-begleitenden Diagnostik wurde erweitert, womit der Chemie-Multi sein Sortiment an Produkten der Notfall- und Intensiv-Diagnostik ergänzt.

Neuer Vertrag mit PARADIGM
Der BAYER-Konzern hat den bestehenden Kooperationsvertrag mit dem nordamerikanischen Unternehmen PARADIGM GENETICS für die Entwicklung von Gentech-Herbiziden erweitert und um fünf Jahre verlängert (siehe auch GENE & KLONE). Der Chemie-Multi zahlt der Gentech-Firma in dem Vertragszeitraum bis zu 30 Mio. Dollar einschließlich Erfolgsprämien. Zusätzlich ist PARADIGM an den Erlösen der eventuell entwickelten Produkte beteiligt.

Thailand: Neues Herbizid-Werk
Für 1,4 Mio. Dollar baut BAYER im Thailändischen Bangpoo eine neue Anlage zur Herstellung von Anti-Unkrautmitteln. Vor allem die Reis-
Herbizide LECS und LECSPRO mit dem Wirkstoff Fentrazamide und das Gemüse- und Gras-Herbizid DRAGO mit dem Wirkstoff Flufenacet sollen dort produziert werden.

AGFA-Druckplatten aus China
Während die Nachfrage nach analogen Druckplatten in Europa wegen der digitalen Konkurrenz sinkt (siehe auch KAPITAL & ARBEIT), bleibt sie im asiatischen Raum konstant. Deshalb baut die ehemalige BAYER-Tochter AGFA in China ein neues Werk, das Mitte 2003 die Produktion aufnehmen soll.

Schneider berät DAIMLERCHRYSLER
Der Automobil-Konzern DAIMLERCHRYSLER hat ein Gremium mit dem Namen “Chairman’s Council” geschaffen, welches dem Unternehmen Ratschläge zur globalen Geschäftsstrategie erteilen soll. Neben den üblichen Verdächtigen wie Hilmar Koppel (DEUTSCHE BANK) und Mark Wössner (BERTELSMANN) darf auch BAYER-Chef Manfred Schneider “Chairman” spielen.

Holz“schutz” geht nach Spanien
Der BAYER-Konzern hat die Geschäftszentrale seiner Sparte “Wood Systems” nach Spanien verlegt. Sie umfasst vor allem Holz“schutz”mittel und Lacke, die in Ludwigshafen, Bitterfeld, im spanischen Zoma Franca sowie in Japan und den USA hergestellt werden. Obwohl der BAYER- Konzern in den 80er Jahren den Holzschutzmittel-Skandal auslöste, produziert er weiter Holz-Gifte. Im größten Umwelt-Strafverfahren der Bundesrepublik standen damals zwei Manager der BAYER-Tochterfirma DESOWAG vor Gericht. Ihnen wurde vorgeworfen, wissentlich 200.000 Menschen durch Holzgifte krank gemacht zu haben (SWB berichtete zuletzt in Heft 1/99). Aus Image-Gründen trennte sich der Leverkusener Chemie-Multi dann von der DESOWAG.

Beteiligung an INNOGENETICS
BAYER hat für einen Betrag von 10 Mio. Euro eine Aktien-Beteiligung an INNOGENETICS erworben. Das belgische Biotech-Unternehmen entwickelt Test-Verfahren für AIDS und Hepatitis C auf gentechnolo-
gischer Basis. Für zwei noch in der Entwicklung befindliche Diagnostika- Produkte von INNOGENETICS hat sich der Leverkusener Chemie-Multi zudem die Vermarktungsrechte gesichert.

Geld für E-Commerce-Firma
BAYER ist unter den Geldgebern des US-amerikanischen E-Commerce-Unternehmens YET2.COM., weil der Konzern im Internet eine neue Vermarktungsmöglichkeit sieht. Bei einer zweiten Finanzierungsrunde brachten der Leverkusener Chemie-Multi, SIEMENS und andere Global Player insgesamt 20 Mio. Dollar auf.