SWB 01/2002 -Ticker

ÖKONOMIE & PROFIT

BAYER wird zur Holding
Im Zuge des US-Börsengangs gab BAYER die Umwandlung des Konzerns in eine Holding bekannt (s. SWB 1/02). Nicht nur wie zuvor schon beschlossen der Pharma- und Pestizid-Bereich, sondern auch die Chemie- und Kunststoff-Sparte sollen ab 2003 als selbstständige Aktiengesellschaften operieren, möglicherweise von einer Dienstleistungs-AG für die Service-Dienste wie Werksschutz und Feuerwehr ergänzt. Nurmehr das dünne Dach eines verkleinerten und bloß noch für die längerfristige Unternehmensstrategie sowie für die Finanzen zuständigen Vorstands wird die vier Säulen nach den Vorstellungen der Umbauer noch abdecken. Einen “Umbruch, tief greifender als jeder andere in der BAYER-Geschichte” nannte der designierte Schneider-Nachfolger Werner Wenning die neue Unternehmensform laut Faz. Die Belegschaft wird die Folgen zuerst zu spüren bekommen.

Kredit für AVENTIS-Kauf
BAYER nimmt zur Zahlung der 7,25 Mrd. Euro teuren Übernahme von AVENTIS CROPSCIENCE einen Kredit auf. Ein Banken-Konsortium, bestehend aus DEUTSCHE BANK, JP MORGAN und BANC OF AMERICA SECURITIES, stellen dem Chemie-Multi kurzfristig 6 Mrd. Euro zur Verfügung und platzieren im Frühjahr 2002 eine BAYER- Anleihe am Finanzmarkt, um den Kredit zu refinanzieren. Solche Teilschuld-Verschreibungen haben in der Regel eine Laufzeit über 12 Monate oder mehr und werden mit über 10 Prozent verzinst. Einige AnalystInnen äußerten sich skeptisch über den eingeschlagenen Weg zum Abbau der Belastungen. Die BAYER-Schulden betragen nun insgesamt 15 Mrd. Euro; die Eigenkapital-Quote sinkt um 5 Prozent auf 35 Prozent. Deshalb stuften Rating-Agenturen die Kreditwürdigkeit von BAYER herab. Mindestens drei Jahre lang wird der Konzern keine größeren Geschäfte oder Investitionen mehr tätigen können. Schneider-Nachfolger Werner Wenning kündigte zur Tilgung der Schulden sogar den Verkauf von einzelnen Geschäftsteilen an. Es ist also eine weitere Arbeitsplatzvernichtung zu befürchten.