SWB 01/2002 -Ticker

PLASTE & ELASTE

Kunststoff-Produktion goes east
Nach einer Analyse der Fachzeitschrift Kunststoffe Synthetics verlagert sich die Kunststoff-Herstellung mehr und mehr in Richtung Asien, besonders nach China. Im EU-Raum stellen BAYER & Co. gerade noch ein Viertel der Weltjahres-Produktion von 160 Mio. Tonnen Polymer- Kunststoffe her. Als Ursache für diese Tendenz nennt die Expertin Marianne Flury die entgegen früheren Prognosen gestiegenen Markt- Chancen für Massen-Kunststoffe gegenüber den zunächst als zukunftsträchtiger eingeschätzten Spezial-Kunststoffen und Technischen Kunststoffen.  Für die Produktion der Standard-Kunststoffe sind teure Großanlagen nötig, die der BAYER-Konzern in China oder Thailand nicht nur billiger, sondern auch schneller bauen kann, da er Umweltauflagen in weit geringerem Maße genügen muss. Zudem kostet die Arbeitskraft in den asiatischen Ländern weniger. Die gestiegene Nachfrage nach Standard-Kunststoffen führte jedoch schon bald zu einer Überproduktion, die auf die Preise drückte und die Gewinn-Erwartungen reduzierte, so Flury.

Öko-Flammschutzmittel?
Fast allen Kunststoffen wie PVC und Polyurethanen sind Flammschutzmittel beigemischt. Einer der größten Anbieter dieser Substanzen ist der Leverkusener Chemie-Multi, er kommt auf einen Marktanteil von 15 Prozent. Neuerdings rühmt sich das Unternehmen der ökologischen Eigenschaften seiner Produkte, da in ihnen keine leicht flüchtigen, organischen Halogen - Verbindungen ausgasen und so Gesundheit und Umwelt schädigen können - verarbeitet sind.
Die Grundsubstanz Phosphorsäureester hat es aber trotzdem in sich, im Ersten Weltkrieg fabrizierte der BAYER-Konzern daraus chemische Kampfstoffe. Phosphorsäureester bauen sich zwar biologisch ab, dafür zeichnen sie sich laut “Öko-Lexikon” aber durch eine hohe akute Toxizität aus. Zudem produziert BAYER für einige Anwendungen wie elektronische Leiterplatten auch noch Flammschutzmittel auf der Grundlage des Halogens Brom. Mit dem Nachweis von Rückständen bromierter Flammschutzmittel in der Muttermilch haben schwedische WissenschaftlerInnen erst Anfang des Jahres auf die Gefahren dieser Produkte aufmerksam gemacht.