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PROPAGANDA & MEDIEN
Schlechteres Image Die Werbe-Abteilung des Leverkusener Chemie-Multis
arbeitet hart daran, den Konzern-Namen als Marken-Namen zu etablieren. Die Münchner Firma SEMION hat in einer Studie bundesdeutschen Marken nach den Kriterien Marken-Image, Markt-Anteil, Schutzumfang und
Marketing-Aktivitäten bewertet. BAYER kam dabei auf Platz vier, das LIPOBAY-Desaster hatte einen Wert-Verlust gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent zur Folge.
Bush ehrt BAYER Es gibt wohl kaum einen Politiker, der weniger geeignet
ist, ein Umwelt-Preis zu vergeben als der industrie-hörige George W. Bush. Und es gibt wohl kaum ein Unternehmen, das eine solche Auszeichnung weniger verdient hätte als BAYER. Eben deshalb hat die US-Umwelt-
behörde EPA dem Leverkusener Chemie-Multi im Namen des US-Präsidenten einen Umwelt-Award verliehen. Geehrt wurde der Konzern für die Entwicklung des angeblich biologisch gut abbaubaren Produkts BAYPURE CX. Es
kommt in der Wasch- und Reinigungsmittel- Herstellung sowie in der Textil-Fertigung zum Einsatz.
BAYER im Ethik-Index Es gibt wohl kaum eine Institution, die weniger
geeignet ist, Konzerne nach ethischen Kriterien zu beurteilen als ein privater Index-Anbieter wie FTSE, welcher der Londoner Börse und der Financial Times gehört. Genau deshalb findet sich auch BAYER im so genannten
Good Global 100-Index wieder, für besondere Leistungen auf den Gebieten “Menschenrechte”, “Sozialstandards” und “Umweltschutz”. “Im Hinblick auf die wachsende Zahl ethisch orientierter institutioneller und privater
Aktien-Anleger ist eine solche Beurteilung auch für die mittelfristige Steigerung des Unternehmenswertes von Bedeutung”, freut sich ein Konzern-Sprecher ganz un-ethisch. Eine andere Bedeutung ist auch nicht
auszumachen. Spekulieren mit gutem Gewissen - billiger und folgenloser als nach den Maßstäben des Good-Global-Indexes war es nie zu haben.
Schlechte Noten für BAYER-PR Der Autor Roland Schatz hat in einem
Beitrag für das Fach-Magazin Wirtschaftsjournalist das Bild von BAYER in den Medien analysiert und kommt zu wenig schmeichelhaften Ergebnissen. Die Schuld daran gibt er den ÖffentlichkeitsarbeiterInnen des Konzerns.
Während andere Global Player es in den einflussreichsten Presse-Organen auf mindestens zwei Erwähnungen pro Woche bringen, schafft der Leverkusener Chemie-Multi gerade mal zwei im Monat. Und die haben zudem
noch meistens einen negativen Grundtenor. Selbst zu Wort zu kommen, gelingt dem Unternehmen auch nicht in ausreichendem Maß. Für den PR-Profi wären diese O-Töne unerlässlich, denn: “Wer auf Dauer nicht einen Anteil
von mindestens 35 Prozent in der Berichterstattung einnimmt, hat kaum eine Chance, die eigene Sicht ausreichend zu vermitteln. Dies gelingt aber nur demjenigen, der bereit und offen ist, Interviews auch dann zu
geben, wenn es mal keine Rekord-Ergebnisse zu vermelden gibt.” Diese schlechte Medien-Arbeit führte nach Schatz’ Sicht beim LIPOBAY-Skandal dann zum kommunikativen Super-GAU. Den in allen großen Tageszeitungen
veröffentlichten “Offenen Brief” bezeichnet er als “Offenbarungseid”, der beim dem/der LeserIn nur zwei Reaktionen auslöste: “Die scheinen es nötig zu haben” und “Warum lese ich das nicht in einem Artikel?”. Wobei
sie im Zweifelsfall eher der Darstellung der JournalistInnen vertrauen als der BAYER-Version.
Schlechte Noten für Pharma-Firmen Der “Bundesverband der
Pharmazeutischen Industrie” wollte per Meinungsumfrage die Einstellung der Bevölkerung zu “Arzneimittel, Arzneimittel-Politik und Arzneimittel-Industrie” in Erfahrung bringen. Besonders die Bewertung von BAYER &
Co. fiel niederschmetternd aus. 31 Prozent der Befragten äußerten sich “eher negativ” über die Pharma-Industrie, nur 19 Prozent konnten ihr etwas Positives abgewinnen, der Rest nahm eine neutrale Haltung ein.
Kultur baut Wirtschaftsbrücken “Bis 2003 widmet die
BAYER-Kulturabteilung ihre Spielzeiten in einer thematischen Trilogie den Künsten nachbarschaftlicher Wirtschaftsräume”, sagt BAYERs Kulturchef Nikolas Kerkenrath und kündigt Kultur aus den Ländern der
EU-Beitrittskandidaten Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn an. Die Kultur soll also schon einmal das Terrain sondieren, in das die Wirtschaftsmacht von BAYER nach der vollzogenen Aufnahme dieser Staaten in die
Europäische Union dann vorstoßen wird.
Öko-Perspektive 2000” präsentiert “Nur wer wirtschaftlich erfolgreich
ist und Geld verdient, kann auch Geld für die Ökologie ausgeben”, meint BAYER-Chef Manfred Schneider. Was bei einem nach dieser Devise betriebenen Umweltschutz herauskommen kann, präsentierte der Leverkusener
Chemie-Multi Anfang September 2001 einem Fach-Publikum aus 18 Ländern. Natürlich setzte sich der Konzern dabei wieder einmal als ein der “Kompetenz und Verantwortung” verpflichtetes Unternehmen in Szene. Vom
erbitterten Widerstand gegen die von der EU geplante Risiko- Bewertung der gebräuchlichsten Chemikalien war an dem Tag deshalb ebenso wenig die Rede wie von der Weigerung, Einblick in Emissionsdaten zu gewähren oder
der Gepflogenheit, in der Bundesrepublik längst nicht mehr zugelassene, hoch giftige Pestizide weiterhin in den Ländern des Südens zu vermarkten.
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