SWB 02/2002

Liebe Leserinnen und Leser,

Eine Untersuchung der Stadt Oslo hat gezeigt, dass der Hafen von Oslo stark mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) verseucht ist. Mit Hilfe eines neues Verfahrens wurden PCB von insgesamt drei Herstellern nachgewiesen. Den größten Teil der untersuchten Gifte hat der BAYER- Konzern hergestellt.

Die in Oslo gefundenen PCB stammen von Schiffs-Anstrichen.
Die norwegische Umweltbehörde hat nachgewiesen, dass PCB von BAYER in Schiffslacken verwendet wurden, die in Norwegen verkauft wurden. Etwa die Hälfte der PCB aus dem Hafenbecken stammen vom BAYER-Produkt CLOPHEN. Ganze Fisch-Populationen haben die Chemikalien vergiftet.

FRIENDS OF THE EARTH NORWEGEN und die Stadt Oslo erwägen nun eine Klage gegen BAYER und andere PCB-Hersteller.
Die Entgiftung des Hafens von Oslo wird etwa 26 Millionen Euro kosten. Wir fordern eine Beteiligung von BAYER an diesen Kosten! In einem möglichen Gerichtsverfahren müsste zunächst geklärt werden, warum BAYER keine Informationen über die Giftigkeit und die Persistenz von PCB veröffentlicht hat. Denn bereits Mitte der sechziger Jahre war die Gefährdung für die Umwelt bekannt. Und die akute Giftigkeit und die Persistenz von PCB haben WissenschaftlerInnen noch früher entdeckt. Trotzdem wurden die PCB bis Mitte der siebziger Jahre an Hersteller von Schiffsfarben geliefert. Ohne Informationen über die Gefahren für die Umwelt und für die Gesundheit der Arbeiter!

Wir fragen uns, warum die BAYER AG nicht sofort reagiert hat, als die Gefahren von PCB entdeckt wurden? Warum hat das Unternehmen PCB nicht direkt aus dem Handel genommen? Und warum hat es die Käufer von PCB nicht über die Risiken informiert? PCB sind völlig ungeeignet für das Anstreichen von Schiffen. PCB wurden in Norwegen vor 20 Jahren vom Markt genommen, doch erst in den neunziger Jahren wurden alle Gefahren von PCB bekannt. Daher beginnen die Behörden erst jetzt mit der Reinigung der norwegischen Häfen und Fjorde. Wenn die norwegischen Hersteller von Schiffsfarben früher Informationen über die Gefahren von PCB erhalten hätten, hätte die Kontaminierung weiter Teile der norwegischen Küste verhindert werden können.

Zusätzlich wurden durch das Sandstrahlen alter Schiffe zahlreiche Werften und Arbeiter vergiftet. Durch eine rechtzeitige Information der Kunden hätte auch diese Form von Vergiftung verhindert werden können. Dieser Verantwortung ist BAYER als Hersteller nicht gerecht geworden!

Nach Meinung von FRIENDS OF THE EARTH NORWEGEN ist das Verursacherprinzip der beste Weg, um die Produktion und die Verbreitung von toxischen Substanzen zu stoppen oder zu vermeiden. Wir fordern, dass sich auch BAYER generell an das Verursacherprinzip hält. Daher muss sich auch BAYER an der Entgiftung des Hafens von Oslo beteiligen!
 

Tom Erik Ökland

T. Ökland arbeitet als Chemie-Experte für NATURVERN, die norwegische Sektion von FRIENDS OF THE EARTH.