SWB 02/2002 - Ticker

DRUGS & PILLS

Gefährliche neue Pillen
Neue Pillen sind nicht nur weit teurer als bereits seit längerem erhältliche, sondern auch gefährlicher. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der „Harvard Medical School“ und der Verbraucherschutz- Organisation PUBLIC CITIZEN durchgeführte Untersuchung, deren Ergebnisse das Journal of the American Medical Association veröffentlichte. Demnach verursachen 20 Prozent aller neu zugelassenen Medikamente in den ersten Jahren ihrer Präsenz auf dem Pharma-Markt schwere, zum Teil sogar lebensbedrohliche Nebenwirkungen, die den Zulassungsbehörden nicht bekannt waren.

Mehr fremdnützige Pillen-Tests
Das bundesdeutsche Arzneimittel-Gesetz hat es bislang verboten, dass Kinder oder nicht einwilligsfähige Menschen an Arzneimittel-Tests teilnehmen, wenn mit diesen nicht unmittelbar den Versuch der Heilung oder zumindest Linderung ihrer Krankheit verbunden ist. Jetzt öffnet eine neue EU-Richtlinie das Tor für eine fremdnützige Pillen-Forschung - BAYER & Co. haben mal wieder ganze Lobby-Arbeit geleistet. Nach der auch für die Bundesrepublik verbindlichen Regelung der Europäischen Union reicht künftig die Einverständnis-Erklärung eines Angehörigen, um eine Erprobung von Medikamenten an den betreffenden Personen-
gruppen vornehmen zu können. Auch braucht diese nicht mehr direkte Therapie-Erfolge bei den ProbandInnen anzustreben; sie muss weit unverbindlicher für die Test-TeilnehmerInnen nur noch einen „Nutzen“ haben, „der die Risiken überwiegt“.

Teurer Vertrieb
Als Grund für die exorbitanten Arzneimittel-Preise nennt BAYER immer die hohe Aufwändungen für die Forschung. Diese haben aber keinesfalls den größten Anteil an den Kosten. Was wirklich ins Geld geht, sind die Ausgaben für die Vertriebsleute, welche die vielen bunten Pillen an den Arzt und die Ärztin bringen sollen. So kommen bei BAYER & Co. auf 100 ForscherInnen 181 Pharma-DrückerInnen.

Re-Importe erlaubt
Der BAYER-Konzern verkauft seine Arzneien in vielen Ländern weit billiger als in der Bundesrepublik. Gegen Re-Importe wehrte er sich stets mit Händen und Füßen. So weigerte der Pharma-Multi sich, einem spanischen Re-Importeur sein Herz-Präparat ADALAT zu verkaufen, wogegen dieser erfolgreich prozessierte (Ticker 2/00). Jetzt haben die bundesdeutschen  GesundheitspolitikerInnen die kostendämpfende Wirkung von re-importierten Arzneien erkannt. Ab April 2002 müssen die Apotheken 5,5 Prozent ihres Umsatzes mit wiedereingeführten Pharmazeutika erzielen, im Jahr 2003 soll dieser Anteil bereits sieben Prozent betragen. Der Preis für eine 20er-Packung des BAYER- Antibiotikums CIPROBAY sinkt dadurch von 124,12 Euro auf 111,59 Euro. Immer noch eine erkleckliche Summe, wenn man bedenkt, dass eine einzelne Pille in der Herstellung gerade mal ein paar Cent kostet.

Pillen-Ausgaben: plus 4 %
Und immer immer wieder steigen die Arzneimittel-Kosten. Im ersten Quartal 2002 erhöhten sich die Ausgaben der Krankenkassen für die Medikamente von BAYER & Co. im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum um 4 Prozent. Damit überschritten die ÄrztInnen das mit den Kassen vereinbarte Limit um eine halbe Milliarde Euro. 

Magengeschwüre durch ASPIRIN
Im Magen eines jeden zweiten Menschens nistet das Bakterium Helicobacter pylori. Es kann Magengeschwüre und sogar Magenkrebs auslösen. Bei regelmäßiger Einnahme von ASPIRIN oder anderer Schmerzmittel tritt eine Wechselwirkung zwischen den Präparaten und den Keimen ein. Das Krankheitsrisiko erhöht sich dadurch um den Faktor 3,5. Das ergab eine im Fachorgan Lancet (Bd. 359) veröffentlichte Untersuchung von chinesischen und kanadischen MedizinerInnen.

Tripper-Erreger CIPROBAY-resistent
Für Sex-Touristen gehört das BAYER-Antibiotikum CIPROBAY zum Standard-Handgepäck. Folge des massenhaften Pillen-Konsums: Immer mehr Krankheitserreger trotzen den Mitteln. In den USA ist jetzt ein CIPROBAY-resistenter Keim der Geschlechtskrankheit Gonorhöe (Tripper) aufgetaucht, der wahrscheinlich über Hawaii, wo schon 14 Prozent der Gonorhöe-PatientInnen nicht mehr auf das BAYER-Präparat ansprechen, oder Ostasien eingeschleppt wurde.

Neuer Allergie-Test
BAYER hat mit dem ADVIA CENTAUR ALLERGY einen neuen Allergie-Test entwickelt. Er bestimmt im Blut der PatientInnen eventuell vorhandene Antikörper und trifft so Aussagen über die allergie- auslösende Substanz. Es soll die bisher geläufigen PRICK-Tests ersetzen, die mit auf die Haut applizierten Allergenen arbeiteten und oft zu falschen Ergebnissen führten.

Kommt die Positiv-Liste?
Nach Meinung der Pharma-Kritiker Ulrich Schwabe und Dieter Paffrath ist jedes fünfte in der Bundesrepublik verschriebene Medikament wirkungslos. WissenschaftlerInnen wie sie fordern deshalb schon seit langem die Einführung einer Positiv-Liste. Sie sollte alle Arzneien mit nachweisbaren pharmazeutischen Effekten aufführen und alle übrigen von der Kosten-Erstattung durch die Krankenkassen ausschließen.
Das Gesundheitssystem wäre dadurch finanziell erheblich entlastet.
Jetzt haben ExpertInnen die Arbeit an einer entsprechenden Liste abgeschlossen, die Bundesregierung könnte sie also einführen.
Ob Schröder dies aber wirklich tut oder letztendlich doch den Einflüsterungen von BAYER & Co. sowie seines Freundes Hubertus Schmoldt von der IG BERGBAU, CHEMIE & ENERGIE erliegt, dürfte sich in den Sommer-Monaten zeigen.

Tests mit Schlaganfall-Mittel
BAYER testet in den USA und in Kanada den Wirkstoff Repinotan an 600 Hirnschlag-PatientInnen. Er soll angeblich das Absterben von Gehirn-Zellen nach dem Schlaganfall erheblich reduzieren.

Kampagne für EBASTEL
BAYER VITAL will die Werbetrommel für sein Anti-Allergikum EBASTEL auf Antihistamin-Basis rühren und hat der Agentur AMEND, SCHÜTZ & PARTNER einen entsprechenden Auftrag erteilt.