 |
festgestellt werden, welche Tierart dem Menschen in einigen wenigen Aspekten vergleichbar erscheint.
Die jüngste Vergangenheit hat am Beispiel des Wirkstoffs Cerivastatin (bekannt unter dem Produkt-Namen LIPOBAY) deutlich gemacht, dass schwerwiegende
Nebenwirkungen durch Tier-Experimente eben nicht vorhersehbar sind. Trotz der vom Hersteller nach zahlreichen Tierver- suchen vorhergesagten "ausgezeichneten Gesamtverträglichkeit" kam es bei
zahlreichen PatientInnen zu Muskelzerfall mit Todesfolge. Auch hier kann man einer Veröffentlichung des Herstellers** entnehmen, wie viele Tiere für die ausgiebige Sicherheitstestung dieser Substanz
"verbraucht" wurden: Ratten, Mäuse, Kaninchen, Hunde, Mini-Schweine und Affen mussten das neue Präparat über Schlundsonde, als Kapsel oder als Futter-Beimischung einnehmen. Ratten und Mäusen verab-
reichten die BAYER-ForscherInnen es außerdem intravenös. Doch diese ausgiebigen Experimente konnten scheinbar trotz des hohen Tier- "Verbrauchs" die katastrophalen Folgen für den Menschen nicht einmal
erahnen lassen, so dass der Leverkusener Chemie-Multi es nach dem Bekanntwerden von 31 Todesfällen im September 2001 vom Markt nehmen musste; mittlerweile hat sich die Zahl der Opfer auf über 100 erhöht.
Um auch im Bereich der Tiergesundheit Profite zu machen, müssen zunächst einmal andere Tiere während der pharmakologischen Forschung leiden. So testeten
Veterinär-MedizinerInnen von BAYER beispielsweise ein neues Wurmmittel an Ratten, Hunden, Schafen und Rindern, nachdem diese mit Würmern infiziert wurden. Doch nicht alle Tiere erhielten das Anti-Parasitenmittel
verabreicht. Die Gruppe der "Kontroll-Tiere" blieb unbehandelt und erlitt deshalb stärkste Qualen: Die Lungen der Kreaturen waren voller Würmer, Schleim und Eiter, so dass die Tiere unter erheblicher
Luftnot litten***.
Die genannten Beispiele verdeutlichen den Unsinn tier-experimenteller Forschung. Zudem existieren alternative Methoden. Zahlreiche so genannte
Reagenzglas-Verfahren bieten die Möglichkeit, mit schmerzfreier Materie, Zell-Kulturen und Computer-Modellen zuverlässige Aussagen zu treffen. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, am Computer anhand der
Molekül-Struktur abzuschätzen, wie sich eine Substanz verhalten wird. In Zell-Kulturen können dann die Auswirkungen auf verschiedene Gewebe beobachtet und näher untersucht werden. Einen guten,
allgemeinverständlichen Überblick dieser Reagenzglas-Verfahren gibt die "Datenbank Tierversuche" im Internet****
Vielfach nimmt die wissenschaftliche Welt den Tierversuch als notwen- diges Übel hin und sieht ihn als unverzichtbar an. Diese Einstellung wird an vielen
Hochschulen bereits während des Medizinstudiums geprägt, wenn z. B. die StudentInnen während des Physiologie-Praktikums Experimente mit Fröschen durchführen, um die Nerven-Funktionen zu studieren. Dass diese
Demonstration mit entsprechenden Mess- Geräten an StudentInnen viel eindrucksvoller und praxis-näher möglich ist, bleibt vollkommen unberücksichtigt. Das Festhalten am Tier- Experiment ist in diesem Bereich vielfach
einfach nur Routine und Gewohnheit.
Diese Haltung setzt sich dann in der Forschung weiter fort. Da bereits seit vielen Jahren Tier-Versuche durchgeführt werden, hält man an diesem System
ebenfalls aus Gewohnheit und Bequemlichkeit fest. Doch mit etwas Abstand zu dieser Routine und unter Berücksichtigung der oben genannten Beispiele sind mittlerweile viele MedizinerInnen und andere
WissenschaftlerInnen zu dem Schluss gekommen, dass Tier- Experimente nicht aussagekräftig und u. U. sogar gefährlich für die PatientInnen sind. Deshalb wird an den so genannten Reagenzglas- Verfahren weiter
geforscht, ständig entwickeln die beteiligten WissenschaftlerInnen neue Methoden. Nur dies kann der Weg in eine wissenschaftlich fundierte Pharma-Forschung sein. Medizinischer Fortschritt ist wichtig, Tierversuche
sind der falsche Weg.
* Siefert HM, Domdey-Bette A, Henninger K, Hucke F, Kohlsdorfer C, Stass H (Bayer AG, Pharma Research Center, Wuppertal; 1999) Pharmacokinetics of
the 8-methoxyquinolone, moxifloxacine: a comparison in humans and other mammalian species. Journal of Antimicrobial Chemotherapy 43 (Suppl B): 69-76
** von Keutz E, Schlüter G (Institut für Toxikologie,
PH-Produktentwicklung, Bayer AG, Wuppertal; 1998) Preclinical safety evaluation of Cerivastatin, a novel HMG-CoA reductase inhibitor. American Journal of Cardiology 82: 11J-17J
*** von Samson-Himmelstjerna G,
Harder A, Schnieder Th, Kalbe J, Mencke N (BAYER AG, Geschäftsgruppe Tiergesundheit, Landwirtschaftliches Zentrum Monheim, Leverkusen; Institut für Parasitologie, Tierärztliche Hochschule Hannover; 2000) In vivo
activities of the new anthelmintic depsipeptide PF 1022A. Parasitology Research 86: 194-199
**** (" http://www.datenbank-tierversuche.de ". Zudem sind hier rund 2800 Tierversuche verständlich beschrieben, die an deutschen Universitäten und Forschungsinstituten durchgeführt werden.
Weitere Informationen zum Thema "Tierversuche" bietet die Homepage der Vereinigung ÄRZTE GEGEN TIERVERSUCHE e.V. http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de . Diese Vereinigung besteht aus rund 300 Human- und Veterinär-MedizinerInnen, Naturwissen-
schaftlerInnen und PsychologInnen, die Tierversuche aus medizinischen, methodischen und moralischen Gründen ablehnen.
|