SWB 03/2003

Fotopreis für engagierte Dokumentation

Stumme Anklage gegen Pestizidvergiftungen

Der behinderte Siviani (9) aus Costa Rica hält schützend die Hand vor Augen

Die amerikanische Fotografin Meredith Davenport hat für ihre engagierte Reportage über pestizidgeschädigte Kinder den "UNICEF- Fotopreis des Jahres" erhalten. Mit der Auszeichnung werden Bilder prämiert, die "die Lebensumstände und Persönlichkeit von Kindern in besonders eindringlicher Weise illustrieren".

Mit dem Foto setzt Frau Davenport ihre Begegnung mit dem mehrfach behinderten Siviani Rodriguez (9) aus Bataan/Costa Rica ins Bild. Siviani ist geistig zurück geblieben und leidet zudem an einem Herzfehler. Seine Mutter Juana arbeitete als Verpackerin in einer Bananenplantage und war einem "cocktail" verschiedener Pestizide, besonders Herbiziden und Nematiziden, ausgesetzt. Sie kündigte ihre Arbeit und zieht den Jungen alleine auf - der Betreiber der Plantage leistet nur minimale Unterstützung, die zum Überleben nicht ausreicht.

"Dies soll kein mitleiderregendes Porträt sein. Das Bild soll vielmehr die eigenständige Persönlichkeit von Siviani reflektieren. Ich habe Siviani als einen Menschen erlebt, der seinen Vorstellungen und Wünschen auf seine Weise Ausdruck verleiht", erklärte die Fotografin. In den 80er Jahren wurden in Costa Rica Tausende Plantagenarbeiter durch hohe Pestizidbelastungen unfruchtbar, zahlreiche Personen starben. In den Bananenplantagen des zentralamerikanischen Lands wird unter anderem das BAYER-Pestizid Nemacur eingesetzt.

Die 1966 geborene Meredith Davenport ist freie Fotojournalistin. Sie verbrachte sechs Jahre in Lateinamerika, zuletzt in Costa Rica, wo sie bei der Agentur Agence France Presse angestellt war. Arbeiten von Meredith Davenport waren auf der Titelseite von "Newsweek" und anderen Magazinen zu sehen. Zur Zeit lebt die Fotografin in New York. Das preisgekrönte Bild stellte sie STICHWORT BAYER kostenlos zur Verfügung.