SWB 03/2002

Freisetzungsversuch in Swisstal

BAYER-Genraps gefährdet Naturschutzgebiet.

Von Philipp Mimkes

Die Gemeinde Swisstal bei Bonn wird in den nächsten Tagen um eine zweifelhafte Attraktion reicher sein: BAYER hat sie zum Freisetzungsstandort für genetisch manipulierten Raps auserkoren.

Zwar gibt es bundesweit über 600 Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen, doch das Vorhaben im Rheinland hat eine besondere Qualität: Die Frei-
setzungsflächen liegen in unmittelbarer Nähe zu wertvollen Naturschutzgebieten, die zum Teil von der EU als Flora-Fauna-
Habitat (FFH) geschützt sind. Umwelt-
verbände befürchten, dass mit dem Versuchsfeld ein Präzedenz-Fall für die Umgehung des europäischen Naturschutz-
rechtes geschaffen werden soll. Beantragt wurde die Aussaat von der BAYER CROPSCIENCE GmbH, die erst vor wenigen Wochen nach der Übernahme der AVENTIS CROPSCIENCE durch die BAYER AG entstand. Der BAYER-Konzern

Frisch aus dem BAYER-Labor: Raps-Keime in einer Nährlösung

wurde durch die Akquisition zum größten Anbieter gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa und zum zweitgrößten Pestizid-Hersteller der Welt. BAYER hat zahlreiche Pflanzen im Angebot, die gegen hauseigene Herbizide resistent sind und die künftig im Paket vermarktet werden sollen. Da die Pflanzen patentiert sind, dürfen LandwirtInnen die Pflanzen künftig nicht selbst wieder anbauen und müssen sie für jede Aussaat neu kaufen. DER BUND FÜR UMWELT UND NATURSCHUTZ DEUTSCHLAND (BUND) und die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN (CBG) forderten auf einer Presse-Konferenz in Swisstal das Robert-Koch-Institut auf, Einspruch gegen die Genehmigung einzulegen. Falls das Veto unterbleibt, kann BAYER noch in dieser Woche mit der Aussaat beginnen. Eckehardt Ehrenberg vom BUND: "Es ist unverantwortbar, ein Versuchsfeld für gen-veränderten Raps nach einem vereinfachten Verfahren ausgerechnet neben einem FFH-Schutz-
gebiet zu genehmigen. Die Risiken von Freiland-Versuchen mit gen-
manipulierten Pflanzen sind zur Zeit nicht absehbar." Axel Köhler-
Schnura von der CBG: "Gerade vor dem Hintergrund des besonders sensiblen Naturraumes in der Umgebung dieses Freisetzungsstandortes wäre eine gründliche Untersuchung der Risiken erforderlich gewesen. Stattdessen bedient sich die Firma BAYER einer bloßen Nachmeldung im Rahmen eines 'vereinfachten Genehmigungsverfahrens' und verhindert damit jegliche öffentliche Diskussion." Köhler-Schnura kritisiert, dass allein in Nordrhein-Westfalen 58 Freisetzungsversuche genehmigt wurden, obwohl die Mehrheit der VerbraucherInnen Gentech- Nahrung ablehnt. Raps als in Mitteleuropa heimische Pflanze hat eine Reihe verwandter Arten, wodurch sich die Gefahr der Auskreuzung erhöht. Der gegen das Totalherbizid BASTA resistente Winter-Raps, der in Swisstal zum Einsatz kommen soll, enthält gleich einen ganzen Gen-Cocktail von Bakterien, Pilzen und einer Raps-Verwandten und gefährdet damit eine Vielzahl anderer Organismen. Raps-Pollen können über mehrere Kilometer verteilt werden, was insbesondere eine Gefahr für benachbarte Bio-Höfe darstellt. Nur breiter Widerstand kann den Start in eine "geniale" Zukunft verhindern!