SWB 03/2002

125 Jahre Uerdinger BAYER-Werk:

Kein Grund zum Feiern

Mit einem Nachbarschaftsfest beging BAYER die Feier zum 125-jährigen Bestehen des Uerdinger Werkes. Krefelder AktivistInnen und die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN (CBG) nahmen das Jubiläum zum Anlass, auf die lange Geschichte von Umweltverschmutzung, Störfällen und skrupelloser Profit-Jagd aufmerksam zu machen.

Von Udo Hörster

Es war die alte BAYER-Feier-Leier: Luftballons, Schminktische und eine Hüpfburg zur Kinder-Belustigung, Bratwürste, eine Tombola und eine Grufti-Kapelle aus den 70ern für die Alten. Dass die Polizei einen Großteil des Unterhaltungsprogramms bestritt, sagt schon viel über den Spaß-Faktor der Veranstaltung aus. Die Ordnungshüter warteten mit einer „gläsernen Wache“ auf, zeigten Karate-Schaukämpfe und turnten dem Publikum etwas vor. Ganz bewusst wollte der Chemie-Multi das Ganze als Nachbarschaftsfest verstanden wissen. Die Beziehung der Nachbarn zu BAYER sei zwar schon öfter auf die Probe gestellt worden, wie etwa beim Schiffsunglück im vergangenen Jahr, aber das gehöre dazu, sagte Werksleiter Hartmut Fuhr der Rheinischen Post. So nonchalant er mit dieser Aussage Umwelt- Katastrophen zum Produktionsalltag zählte, müssen sich die Krefelder in Zukunft wohl noch auf so manches gefasst machen. Von dem Schiffsbrand, in dessen Folge die Feuerwehr 1.800 Tonnen Salpetersäure in den Rhein leiten musste (SWB 1/02) war in der Ausstellung zur Werksgeschichte auf der Krefelder Galopp-Rennbahn ebenso wenig zu sehen wie von anderen „Geduldsproben“. Das fiel auch einer Journalistin der WZ auf. „Dunkle Punkte sind allerdings ausgeklammert. Auf die verweist eine kleine Gruppe vor dem Haupteingang“ schreibt sie und meint Krefelder AktivistInnen und die CBG. An ihnen war es, die BesucherInnen auf die lange Geschichte der Umweltverschmu-
tzung, der Störfälle wie dem am 8. Februar, als in einer Halle giftige Salzsäure-Dämpfe austraten und der hoch gefährlichen Produktion von Stoffe wie Phosgen aufmerksam zu machen. Zudem wiesen sie auf ein besonders düsteres Kapitel hin:
Die Mittäterschaft BAYERs bei der Arisierung jüdischen Besitzes durch den „Kauf“ eines jüdischen Friedhofs zur Werkserwei-
terung. Von der WZ-Vertreterin auf die Protestler angesprochen, gab BAYER-Sprecher Markus Pannenberg nur ein knappes „Kein Kommentar“ zur Antwort, bevor er pflichtschuldig und - fälschlicherweise - behauptete, die dunkle Seite der Geschichte werde schließlich auch bei BAYER thematisiert. Darüber wollte er sich aber an dem Geburtstag ebenso wenig weiter auslassen wie sein Chef Hartmut Fuhr. „Heute (...) soll gefeiert werden!“, dekretierte dieser.