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DRUGS & PILLS
Groß-Konzerne dominieren Pillen-Riesen wie BAYER beherrschen den
Pharma-Markt zunehmend und verdrängen die mittelständischen Betriebe. ”Der pharmazeutische Mittelstand hat wegen des enormen finanziellen Aufwandes bei der Entwicklung und Zulassung neuer Wirkstoffe, nämlich rund
500 Millionen Euro, praktisch kaum Möglichkeiten, sich an diesem Formel-1-Rennen zu beteiligen”, sagte der Geschäftsführer der ”Health Care”-Initiative zur Förderung der Bio-Technologie, Ralf Piotrowiak, auf dem
Kongress ”Pharma meets Business". Er fand im Lindner Hotel der Leverkusener BAYARENA statt.
Weniger Arznei-Entwicklungen Der BAYER-Konzern geht im Pharma-Bereich
immer mehr dazu über, Forschungserträge zu vermarkten statt sie selbst bis zur Produktreife zu bringen (siehe auch Ticker 2/02). Jüngstes Beispiel ist ein gemeinsam mit ForscherInnen von BOEHRINGER entwickeltes Gentech-Medika-
ment, das die DNA-Synthese eines für die Ausbreitung von Herpes wichtigen Enzymes stören soll. Für dieses, angeblich im Tierversuch erfolgreich erprobtes Pharmazeutikum sucht der Leverkusener Chemie-Multi nun
einen Lizenz-Nehmer. Auch für ein derzeit in der Test-Phase befindliches Anti-Allergikum auf Gentech-Basis, das Immun-Reaktionen unterdrücken soll, indem es den Botenstoff Interleukin 4 ausschaltet, sucht BAYER
einen Abnehmer und steht bereits in Verhandlungen.
ASPIRIN hilft jetzt auch bei ... ...Flugthrombosen. Andere
Pharma-Unternehmen erfinden neue Medikamente, BAYER erfindet in regelmäßigen Abständen neue Anwendungsgebiete für ASPIRIN. Jetzt soll das Mittel noch vorbeugend gegen Thrombosen wirken, die sich häufig auf langen
Flugreisen einstellen. Wie immer fand der Leverkusener Chemie-Multi auch diesmal wieder willfährige Mediziner, die mit einer entsprechenden Empfehlung der Marketing-Abteilung des Konzerns zuarbeiteten.
AVELOX jetzt auch intravenös Der Patentschutz für das BAYER-Antibiotikum
CIPROBAY läuft 2001 ab - und damit auch die Zeit der Super-Profite. Deshalb veränderte der Leverkusener Chemie-Multi die CIPROBAY-Rezeptur ein wenig, ersetzte den Inhaltsstoff Ciprofloxacin durch Moxifloxacin und
brachte es als AVELOX neu heraus. Schon war der Patentschutz wieder da. Die Bedenken bleiben auch. Der Arzneimittelverordnungsreport ’97 zählt Antibiotika mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Fluorchinole
aufgrund der vielen Nebenwirkungen zu den ”nicht primär empfehlenswerten Substanzen”. Die bundesdeutschen Genehmigungsbehörden schert das wenig. Sie ließen das Präparat im Mai auch in der intravenösen
Darreichungsform zu. BAYER erwartet von dem AVELOX zum Spritzen bis 2008 einen Umsatz von 250 Mio. Euro.
CIPROBAY-Resistenzen nehmen zu Als Folge der massenhaften Anwendung von
Antibiotika in der Human- und Tiermedizin bilden sich bei immer mehr Krankheitserregern Resistenzen gegen die Präparate aus. Schon sieben Jahre nach der 1983 erfolgten Markt-Einführung von CIPROBAY trotzten immer
mehr Staphylokokken, Koli-Bakterien, Pseudomonas und Enterokokken dem Mittel. Heutzutage ist das Antibiotikum mit dem Wirkstoff Ciprofloxacin gegen 30 Prozent aller Enterokokken und fünf Prozent aller Koli-Bakterien
machtlos.
Zulassung für CIPRO UTI beantragt BAYER will in den USA das Antibiotikum
CIPRO UTI mit dem Wirkstoff Ciprofloxacin als Mittel zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Harnwegsinfekten herausbringen und hat bei der US-Gesundheits- behörde FDA einen entsprechenden
Zulassungsantrag gestellt. Zu den Risiken und Nebenwirkungen von Ciprofloxacin siehe oben.
Aut-Idem tut Arznei-Preisen weh Ab Juli ist die Aut-Idem-Regelung für
die erste Gruppe von Medikamenten in Kraft getreten. Die ApothekerInnen sind durch sie gehalten, das von dem/der ÄrztIn aufgeschriebene Präparat durch ein billigeres mit dem selben Wirkstoff zu ersetzen. Nur wenn
das rezeptierte Mittel zum unteren Preis-Drittel gehört, bleibt es von der Substitution verschont. Um in ebendieses Drittel zu kommen, wollen viele Pharma- Hersteller ihre Preise senken. BAYER hat darüber noch
keine Entscheidung getroffen. Der vom Leverkusener Chemie-Multi gegründete ”Verband der Forschenden Arzneimittel-Hersteller” rechnet durch das Aut-Idem-Gesetz mit Verlusten von bis zu einer Milliarde Euro.
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