SWB 03/2002 - Ticker

IMPERIUM & WELTMARKT

Lukrative Aufsichtsratsposten
So ein Aufsichtsratsvorsitzender hat es nicht leicht: ständige Abstimmungen mit dem Vorstand, die zeitraubende Vorbereitung von jährlich vier bis fünf Sitzungen und einer Hauptversammlung sowie die Prüfung von Zukäufen. Da gehen nach Angaben der Rheinischen Post schon mal gut und gerne so zwei, drei Tage in der Woche drauf. BAYER-Aufsichtsratschef Hermann Strenger strich für diesen Knochen- Job das nette Sümmchen von 172.000 Euro ein. Und sein Nachfolger Manfred Schneider wird es nicht für weniger machen.

Mieser Aufsichtsrat
Der BAYER-Aufsichtsrat sieht nicht viel und nimmt seine Kontroll-
Funktion nur in ungenügendem Maße wahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom managermagazin zitierte Umfrage unter Groß-Investoren. Sie sollten die Arbeit der Gremien von 50 im europäischen Aktien-Index ”EuroStoxx” notierten Unternehmen beurteilen und setzen die BAYER- Riege nur auf Platz 36. Wie sollte es auch besser sein, gilt der Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden nach dem ”System BAYER” doch lediglich als Altersruhesitz des jeweils ausscheidenden Vorstandschefs. Aus Verbundenheit mit dem Konzern und Dankbarkeit für den lukrativen Job schaut er dann seinem Nachfolger, den er zumeist noch selbst inthronisiert hat, nicht allzusehr auf die Finger.

BAYER verkauft AFGA ganz
BAYER hat seine 30-prozentige Aktien-Beteiligung an AGFA für 200 Millionen Euro verkauft. Neuer Besitzer ist die Investmentbank GOLDMAN SACHS. Sie plant, die Anteile an Finanz-InvestorInnen weiterzuveräußern. Das Finanzamt geht bei dem Deal leer aus. Der frühere Steuer-Chef des Unternehmens, Heribert Zitzelsberger, hat in seiner Eigenschaft als Finanzstaatssekretär dafür gesorgt, dass Erlöse aus dem Verkauf von Unternehmensteilen nicht mehr der Steuer-Pflicht unterliegen. Der Leverkusener Chemie-Multi will die Einnahme zur Tilgung seiner Schulden nutzen, die sich auf 14 Milliarden Euro belaufen.

HAARMANN & REIMER verkauft
Der Leverkusener Chemie-Multi hat seine Tochter-Gesellschaft HAARMANN & REIMER für 1,66 Milliarden Euro an die internationale Investoren-Gruppe EQT NORTHERN EUROPE LIMITED veräußert. EQT hat auch Anteile an der DRAGOCO, dem anderen Holzmindener Aroma-, Geschmacks- und Duftstoff-Hersteller, erworben und plant nun eine Fusion. ”Natürlich wird es bei diesem langfristig ausgesprochen gutem Konzept Synergie-Effekte geben”, das sagt kein Unternehmer, sondern der Vorsitzende der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE, Hubertus Schmoldt, und umschreibt damit die Arbeitsplatzvernichtung. Viele der weltweit 5.600 MitarbeiterInnen der beiden Konzerne dürften ihren Job verlieren.

BAYER stößt Generika ab
Der Leverkusener Chemie-Multi will sich von seinem gesamten Geschäft mit Nachahmer-Arzneien (Generika) trennen. Nach dem Verkauf der Sparte in Frankreich (siehe oben) veräußerte er jetzt den entsprechen-
den spanischen Bereich an das Unternehmen STADA. Generika vertreibt der Pharma-Riese einstweilen nur noch in Südafrika und El Salvador, aber auch dort stehen sie auf der Verkaufsliste des Konzerns. Wieviele Arbeitsplätze durch diese ”Desinvestion” vernichtet werden, gab BAYER nicht bekannt.

Kooperationsvertrag mit STRATEC
Die Birkenfelder STRATEC BIOMEDICAL SYSTEMS AG entwickelt für die Diagnostik-Sparte von BAYER ein Analyse-System. Genauere Angaben zur Technologie der Apparatur und zu den Kosten machten die beiden Unternehmen aus Wettbewerbsgründen nicht.

Französische Generika an TEVA verkauft
Die französische BAYER-Niederlassung, die ihren Hauptsitz in Puteaux Cedéx hat, hat ihre Sparte mit Nachahmer-Medikamenten (Generika) für 97 Mio. Euro an den israelische Konzern TEVA verkauft. Ob der neue Besitzer alle Beschäftigten der Generika-Produktionsstätte in Sens übernehmen wird, gab er nicht bekannt.

BAYER kauft TECTRADE
Der BAYER-Konzern hat den dänischen Schaumstoff-Hersteller TECTRADE A/S mit Sitz in Kopenhagen erworben, um seine Präsenz auf dem nordeuropäischen Markt zu stärken. Keine Angaben machte Leverkusener Chemie-Multi darüber, ob er auch alle 15 TECTRADE-
Beschäftigten übernehmen wird.  

BAYER legt Kapital-Fonds auf
Über die BAYER INNOVATION BETEILIGUNGSGESELLSCHAFT mbH hat der Leverkusener Chemie-Multi einen Kapital-Fonds mit einem Etat von 50 Mio. Dollar aufgelegt. Er soll Biotech-Unternehmen fördern, deren Arbeitsgebiet die Entwicklung von Diagnostika-Systemen auf Gentechnik-Basis ist (siehe auch GENE & KLONE).

Keine BAYER-Haushaltsinsektizide mehr
Der BAYER-Konzern will bis Ende 2002 die Sparte ”Haushaltsinsekti-
zide” auflösen, zu der unter anderem die beiden Produkte AUTAN und BAYGON zählen, und sucht dafür einen Kauf-Interessenten. Nur vom Geschäft mit den Wirkstoffen trennt sich der Pharma-Riese nicht. Der Bereich besäße in Europa und Nordamerika nicht die kritische Masse und gehöre daher nicht mehr zum ”Kerngeschäft”, hieß es aus der Leverkusener Zentrale. Mit diesem Schritt vernichtet der Chemie-Multi 2.200 Arbeitsplätze innerhalb des Unternehmens, vor allem Beschäftigte in Südost-Asien sind betroffen.

VISIBLE GENETICS übernommen
Der BAYER-Konzern hat für 61,4 Millionen Dollar das kanadische Unternehmen VISIBLE GENETICS erworben und baut damit seine Diagnostika-Sparte weiter aus.

Bigger in Japan
Der BAYER-Konzern will künftig ein Viertel des Gesamt-Umsatzes in Asien machen (bisheriger Anteil: 16 Prozent). Dazu verhandelt er derzeit in Japan über Kooperationen, Übernahmen oder Fusionen. Speziell im Pharma-Bereich dürfte es zu ”Stärkungen des Portfolios” kommen, wie es im ManagerInnen-Jargon heißt. Dort hatte der Leverkusener Chemie-Multi einen Rückgang des Ertrages um zwei und des operativen Gewinns um 34 Prozent hinnehmen müssen. Die Gründe dafür waren neben der schlechten Konjunktur der LIPOBAY-Rückruf, die verstärkte Konkurrenz und die staatlich verordnete Senkung der Pillen-Preise.