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KAPITAL & ARBEIT
Produktionsverlagerung nach Polen BAYER lässt Kunstdärme künftig in Polen veredeln. Die Konfektionie-
rung von endlosen Kunstdarm-Rollen ist sehr arbeits- und daher lohn- intensiv, und der Konzern will durch die Produktion im Billiglohnland Polen Kosten sparen. Bei der Benefelder BAYER-Tochter PETER GmbH,
die eng mit dem ebenfalls zum Imperium des Chemie-Multi gehörigen Unternehmen WOLFF WALSRODE kooperiert, vernichtet diese Maßnahme viele Arbeitsplätze. Die Angaben schwanken zwischen 25 Vollzeit- und 45
Teilzeit-Jobs.
Arbeitsplatzvernichtung in Gendorf Der Leverkusener Chemie-Multi
schließt ein Werk im bayerischen Gendorf, das vormals zu der jetzt in die BAYER CROPSCIENCE integrierten Landwirtschaftssparte von AVENTIS gehörte. Der Konzern begründete diesen Schritt mit sinkenden
Absatz-Erwartungen für das dort hergestellte Anti-Pilzmittel BRESTAN. Dass die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft BRESTAN in flüssiger Formulierung wegen seiner Giftigkeit verboten hat (Ticker 3/01), verschwieg der Pharma-Riese dabei wohlweislich. Nach Angaben des Konzerns sollen Kündigungen weitgehend vermieden werden. Das Unternehmen will die
MitarbeiterInnen versetzen oder ihnen die Altersteilzeit schmackhaft machen.
Big Brother bei BAYER Der Leverkusener Chemie-Multi will seine
Beschäftigten künftig bespitzeln. Der Diebstahl von ein paar Exemplaren der Potenz-Pille NUVIVA im letzten Jahr diente ihm als willkommener Anlass, Persönlichkeitsrechte außer Kraft zu setzen und die in der NUVIVA-
Produktion beschäftigten MitarbeiterInnen von Video-Kameras überwachen zu lassen.
Chemie-Zweig an DOW CHEMICAL? Im Zuge der Umstrukturierungsmaßnahmen
hatte BAYER angekündigt, sich auch vom Chemie-Geschäft trennen zu wollen oder zumindest Partner für es zu suchen. Ein Konzern, der sich in der Bundesrepublik nach möglichen Zukäufen in diesem Bereich umschaut, ist
der US-Multi DOW CHEMICAL. Direkte Verhandlungen mochte der Mitteleuropa- Chef Bart Groot nicht bestätigen, aber die salomonische Formulierung ”Ich weiß, dass das Management von DOW und das Management von BAYER
gute Beziehungen haben” ließ genau das vermuten. Sollte sich der Verkauf vollziehen, so würde BAYER innerhalb des Unternehmens zahlreiche Arbeitsplätze vernichten.
Leistungsbezogene Löhne Die Deregulierung schreitet auch auf dem
Lohn-Sektor voran. Im Zuge der diesjährigen Tarif-Verhandlungen einigten sich Vertreter der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE und der Unternehmen darauf, Gespräche über ”optionale, leistungsbezogene Entgelt-Systeme”
aufzunehmen. ”Dies wäre der Einstieg in eine völlig neue Logik und würde den Druck untereinander und die Aufspaltung der Belegschaften weiter vorantreiben”, schreiben die KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE
DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT, eine oppositionelle Gewerkschaftsgruppe im Leverkusener BAYER-Werk, dazu in ihrer Publikation vom Mai 2002.
Uerdingen: 390 Beschäftigte weniger Im Uerdinger BAYER-Werk waren 2001
390 MitarbeiterInnen weniger beschäftigt als im Vorjahr. 90 Arbeitsplätze vernichtete der Chemie- Multi; die übrigen 300 gliederte er in Tochter-Gesellschaften aus. Dort arbeiten die Belegschaftsangehörigen
unter deutlich schlechteren Bedingungen. So mussten die bei der CHEMION LOGISTIK GmbH Angestellten Entgelt-Einbußen von sechs Prozent durch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 37,5 auf 40 Stunden bei gleichem
Lohn akzeptieren (siehe auch Ticker 3/01).
E-Business-Umsatz: 1 Mrd. Euro Für das Geschäftsjahr 2002 rechnet der
Leverkusener Chemie-Multi im E-Business-Bereich mit einem Umsatz von 1 Mrd. Euro. Bei fünf Milliarden soll er im Jahr 2004 liegen. Um dieses Ziel zu erreichen, beteiligt sich der Konzern an immer mehr elektronischen
Handels- plattformen der Chemie-Industrie, so gehörte er zu den Mitbegründern von ELEMICA. Das Ein- und Verkaufen per Maus-Click eröffnet dem Unternehmen ein großes Rationalisierungspotenzial, weshalb die IG
BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE Arbeitsplatzvernichtung befürchtet. ”Die Möglichkeiten des E-Commerce und was damit zusammenhängt, dies beunruhigt mich. Da hängen viele hundert Arbeitsplätze dran”, sagte der
BAYER-Betriebsratsvorsitzende Erhard Gipperich 2001 in einem Interview mit der Rheinischen Post.
Informationspflicht bei Ausgliederungen Ein neuer Passus im Arbeitsrecht
schreibt BAYER & Co. vor, die Beschäftigten bei geplanten Fusionen oder Ausgliederungen umfassend über die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen aufzuklären. Wähnt sich ein/e MitarbeiterIn
unzureichend informiert, kann er oder sie Widerspruch einlegen. Dem Leverkusener Chemie-Multi passt das gar nicht. ”Sie bekämen einen Riesenschreck,wenn Sie meinen Schreibtisch sehen könnten”, klagt BAYERs
Arbeitsrechts- experte Heinrich Meinhard Stindt einer Wirtschaftswoche-Journalistin sein Leid, ”Der quillt über mit all den Vorschriften, die gleichzeitig und einschlägig die Konsultations- und
Informationspflichten regeln”.
Noch 4.000 Arbeitsplätze weniger Der Mega-Fusion BAYERs mit AVENTIS
CROPSCIENCE fallen zusätzlich 4.000 Arbeitsplätze zum Opfer. 4.000 MitarbeiterInnen hatten dadurch schon ihre Stellen verloren. Zudem kostete die LIPOBAY-Krise 1.300 im Pharma-Bereich beschäftigte ihren Job und die
“allgemein schlechte Konjunktur-Lage” 4.000 Belegschaftsmitglieder. Ein Ende der Fahnenstange ist damit noch nicht erreicht. Wie eine Unternehmens- sprecherin der Presse mitteilte, will der Konzern im Zuge der
Umstruktierung zu einer Holding noch einmal Arbeitsplätze vernichten. So umfasst das Streich-Paket bislang ca. 14.000 Stellen.
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