SWB 03/2002 - Ticker

PROPAGANDA & MEDIEN

Neues Chemie-Labor in Wuppertal
BAYER hat in Wuppertal auf dem Gelände des Konzern-Klärwerks am Ruthenbecker Weg das ”Schüler-Labor Chemie und Natur” für PennälerInnen der Sekundarstufe 1 eröffnet. Der Name ist Programm.
Er soll suggerieren, dass Chemie und Natur blendend miteinander harmonieren. Deshalb stehen auch nicht so dissonante Dinge wie der Nachweis von Pestizid-Rückständen im Rhein auf dem Stundenplan, sondern nur ”allgemeine Versuche zur Stofftrennung”.

BAYER & Co.: mehr Selbstbeteiligung
Die ständig steigenden Arznei-Preise stellen den Hauptgrund für die Kosten-Explosion im Gesundheitswesen dar. Obwohl BAYER & Co. also das Problem sind, erdreisten sie sich, Lösungsvorschläge zur Reform der medizinischen Versorgung zu machen. Entsprechend sehen diese dann auch aus. Unisono fordern sie eine Ausdünnung des Leistungs-
katalogs. Am weitesten geht dabei der Prädident des Welt-Pharma-
verbandes und BOEHRINGER-Geschäftsführer Rolf Krebs. Gegenüber dem managermagazin (4/02) sagte er: ”Die Solidargemeinschaft sollte nur einspringen, wenn akute Lebensgefährdung besteht.” Aber auch der BAYER-VITAL-Geschäftsführer Hans-Joachim Rothe gibt sich nicht viel unbescheidener. Eine ”Entschlackung und Entrümpelung”  der Krankenkassen-Leistungen mahnte er an. Den Pharma-ManagerInnen gelten die USA als leuchtendes Beispiel. In diesem Land geht ihre Rechnung nämlich am besten auf: Weniger Staat = weniger Preis-Regulierung = höhere Gewinn-Spanne. Bis zu 30 Prozent Rendite streichen BAYER & Co. dort für neu auf den Markt gebrachte Medikamente ein.

Betriebskrankenkasse will Junge
BAYERs Betriebskrankenkasse BKK setzt ihre Ankündigung, der ”ungünstiger werdenen Altersstruktur” entgegenzuwirken, in die Tat um und versucht gezielt, Jüngere anzuwerben. Zu diesem Zweck hat sie die Kölner Agentur BRANDIT beauftragt, Werbe-Motive zu entwerfen, welche die Zielgruppe der 16- bis 40-Jährigen ansprechen sollen. Damit ist die BAYER-Betriebskrankenkasse nach ihrer Ausgliederung zu einem derjenigen Akteure auf dem neoliberalen Gesundheitsmarkt geworden, die um die ”guten Risiken” konkurrieren und die ”teuren” alten Menschen mit einer höheren Krankheitsanfälligkeit gnadenlos den anderen Kassen überlassen möchten.

”Woche der Umwelt” mit BAYER
BAYER nutzte am 3. und 4. Juni die ”Woche der Umwelt” in Berlin, um sich mal wieder als Umweltengel darzustellen. Viel hatte der Lever-
kusener Chemie-Multi im Garten des Schlosses Bellevue aber nicht aufzubieten: mit BAYPURE einen Kunststoff, der die Umwelt mal nicht noch nach Jahrzehnten belastet, eine Salz-Rohrleitung, die LKW- Transporte überflüssig macht und die Therban-Anlage mit reduzierterem Dampf-, Stickstoff- und Lösemittel-Ausstoß, die er sich überdies noch mit Steuermitteln in Höhe von 0,7 Mio. Euro subventionieren ließ. 

VFA für freie Pillen-Werbung
In Ländern, in denen BAYER & Co. nach Lust und Laune die Werbe-
trommel für ihre Medikamente rühren dürfen, sind ihre Umsätze rasant gestiegen. Jetzt will auch die EU ihnen entgegenkommen und das Werbe-Verbot für Arzneien zur Behandlung von AIDS, Asthma und Diabetes aufheben. Den Pillen-Riesen geht diese Deregulierung allerdings nicht weit genug. Sie wollen eine völlige Liberalisierung erreichen und gehen zur Durchsetzung ihrer Interessen nach einem Strategie-Papier das britischen Pharma-Verbandes ABPI vor. Darin heißt es laut Pharma-Brief Mai/Juni 2002: ”Die ABPI hat angekündigt, dass sie nun die Schlussphase ihrer Kampagne einleitet, bevor sie die Regierung und die EU frontal angreift. (...) Es ist die Speerspitze einer sorgfältig durchdachten Kampagne. Der Schlachtplan der ABPI sieht vor, Fußtruppen in Form von Patienten-Selbsthilfegruppen, wohl-
gesonnener medizinischer Öffentlichkeit und Gesundheitsberufen - auch ‘Stakeholder’ genannt - einzusetzen. Sie sollen eine Kampagne über den informierten Patienten anführen. Der Effekt wird eine Schwächung der  politischen, ideologischen und professionellen Widerstände sein. (...) Dann wird die ABPI mit Präzisionsschlägen gegen Regulierungs-
behörden in Whitehall und Brüssel durchmarschieren.” Der von BAYER gegründete ”Verband der Forschenden Arzneimittel-Hersteller” (VFA) hielt sich genau an diese kriegerischen Vorgaben und lud in Berlin Selbsthilfegruppen zu einem Gespräch über das Thema ”Der informierte Patient” ein. Kommandierender General war die ehemalige BAYER- Angestellte und jetzige VFA-Geschäftsführerin Cornelia Yzer. Aber kritische Patienten-Gruppen veröffentlichten den ABPI-Schlachtplan und vereitelten so das niederträchtige Manöver.

BAYER wäscht sich grün
Kaum ein Monat vergeht, ohne dass irgendein ominöses Institut BAYER besondere ökologische, soziale und ethische Kompetenz bescheinigt. Das Münchner OEKOM-Institut bewertete 22 Pharma-Multis nach ebendiesen Kriterien und setzte den Leverkusener Chemie-Riesen im Ranking auf Platz drei. Die Konzern-Aktie ist nach Meinung von OEKOM deshalb geeignet für die Depots ”ethisch orientierter Anleger und Fonds”. Wenn ein Unternehmen, dessen Cholesterin-Senker LIPOBAY über 100 Menschen das Leben gekostet hat, eine solche Benotung erfährt, müssen die Medikamente der schlechter Platzierten ja eine kaum noch vorstellbarere Zahl von Opfern gefordert haben.

ReferendarInnen bei BAYER
Bildung ist BAYER-Sache: Im Rahmen der ”praxis- und projekt- orientierten Lehrer-Ausbildung” mussten sich 20 angehende LehrerInnen im Brunsbütteler Werk drei Tage lang anhören ”welche Fähigkeiten von Auszubildenden erwartet werden”, damit die PädagogInnen den SchülerInnen ”das nötige Rüstzeug vermitteln” und die Schul-Absolven-
tInnen später fabrik-fertig zur Lehre beim Konzern abliefern können.