SWB 03/2002 - Ticker

SPORT & MEDAILLEN

Image-Pflege durch Sport-Werbung
Eine eigene Abteilung ist innerhalb des BAYER-Konzerns damit beschäftigt, den Sport mit dem Aushängeschild des Fußball-Clubs BAYER Leverkusen möglichst umfassend als Image-Faktor zu nutzen. So dient ein Stadion-Besuch mit AnalystInnen und/oder GroßkundInnen der Pflege guter Geschäftsbeziehungen. Auch die ApothekerInnen aus dem Umkreis dürfen sich zur Belohnung für den Verkauf von BAYER-
Medikamenten schon mal gratis Spiele ansehen. Fußball-Manager Reiner Calmund findet diese Verquickung völlig in Ordnung: ”Wir versuchen, immer guten Fußball zu spielen, und die AG versucht, ihr Hauptgeschäft gut zu erledigen, also so viele Pillen wie möglich zu verkaufen.”

Bezahlte BAYER Daum mit Schwarzgeld?
Als der damalige BAYER LEVERKUSEN-Trainer Christoph Daum Bundestrainer werden sollte, betraute er den Anwalt Matthias Prinz mit den Vertragsverhandlungen. Der Sportlehrer machte ihm die Vorgabe, nicht weniger als bei BAYER verdienen zu wollen. Dafür offenbarte er ihm nicht nur die Höhe seines offiziellen Gehaltes, sondern auch die seines noch dazukommenden “inoffiziellen”. Prinz notierte, Daum “erklärte, dass er bei BAYER LEVERKUSEN einerseits offizielle Zahlungen erhalte, die ordnungsgemäß versteuert würden. Außerdem erhalte er über Auslandskonten Schwarzgeld, dass nicht versteuert würde. Wenn man das Schwarzgeld auf einen zu versteuernden Brutto-Betrag hochrechnen und zu dem offiziellen Gehalt addieren würde, käme man inklusive Prämien auf Gesamt-Bruttobezüge von neun Millionen Mark. Es gebe keine Möglichkeit, beim DFB Schwarzgeld zu zahlen, so dass dieser Brutto-Betrag bei den Vertragsverhandlungen als Jahres-Gehalt zugrunde zu legen sei.” Bekanntlich bekam Daum den Job nicht. Deshalb wollte er auch den Rechtsanwalt nicht bezahlen. Dieser verklagte ihn und verlangte die Summe von 320.000 Mark. Dieses Honorar berechnete sich nach Daums BAYER-Gage, weshalb der Schwarzgeld-Skandal aufflog. Der Leverkusener Chemie-Multi weist die Vorwürfe wie zu erwarten weit von sich

Bezahlte BAYER Nowotny mit Schwarzgeld?
Bei der Verpflichtung von Jens Nowotny durch BAYER LEVERKUSEN ist möglicherweise Schwarzgeld geflossen. 10 Millionen Mark sollen über Konten von Freunden und Bekannten an der Steuer vorbei bei dem Fußballer gelandet sein. Das Finanzamt Rastatt war bei einer Routine-Überprüfung auf merkwürdige Geld-Transaktionen aufmerksam geworden. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln wegen eines Anfangsverdachts auf Steuerhinterziehung. Nowotny wäre nicht der erste, dem man auf die Schliche käme. In der Vergangenheit sind bereits die Fälle Anthony Yeboah und Stefan Kuntz aktenkundig geworden, die nach Meinung der “Deutschen Steuer-Gewerkschaft” nur die Spitze des Eisberges darstellen. Inzwischen ist die ganze Bundesliga ins Visier der Finanzämter geraten. “Die Versuchung, Teile der Gehälter nicht zu versteuern, ist sehr groß”, hieß es auf einer Tagung von BetriebsprüferInnen in Bochum. Einige Clubs seien zudem in Bilanzierungstricks geübt, wussten die FahnderInnen. Und wer sollte darin geübter sein als der Leverkusener Chemie-Multi, der gerade im Hauptgeschäft sein Meisterstück hinlegte und sich so arm rechnete, dass er für das Jahr 2000 keinen Pfennig Gewerbesteuer zahlen musste?