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STANDORTE & PRODUKTION
Kleinmengen-Betrieb in Bitterfeld BAYER errichtet in Bitterfeld für 22
Mio. Euro einen Kleinmengen- Betrieb für die Tabletten-Fabrikation. Dieser dient dazu, Pillen in geringeren Größenordnungen fertigen, wie es für Studien, die zahl- reichen Variationen eines Medikamenten-Typs wie
ALKASELTZER oder während der Umstellung von der Labor- zur Produktionsphase nötig ist. Zusätzlich will der Chemie-Multi einen Bereich ”Verfahrensentwick- lung” schaffen. Bislang war die BAYER-Niederlassung ein
reiner Produktionsort ohne Forschungsabteilungen. Das brachte dem Chemie- Multi den Vorwurf ein, den Osten nur als eine verlängerte Werkbank des Westen zu betrachten. Georg Frank, der Geschäftsführer des
Bitterfelder Werkes, meint diese Kritik nun mit der Einrichtung einer kleinen Abteilung für Verfahrensentwicklung entkräften zu können.
Bisphenol-Joint Venture in Bitterfeld BAYER und die japanischen
Unternehmen HONSHU und MITSU haben ein Joint-Venture zur Herstellung von Bisphenol TMC gegründet. Der Leverkusener Chemie-Multi hält an HI-BIS GmbH einen Anteil von zehn Prozent, MITSU einen von 35 und HONSHU
einen von 55. Im Standort-Wettbewerb um die Ansiedlung der Produktionsstätte machte der Chemie-Park Bitterfeld das beste Subventionsangebot und erhielt den Zuschlag. Die sachsen-anhaltinische Wirtschaftsministerin
Katrin Budde (SPD) sicherte HI-BIS auch weiterhin Unterstützung zu. ”Für die Landesregierung hat die Entwicklung der Chemie oberste Priorität”, erklärte sie. Dabei stört es die Politikerin offensichtlich nicht, dass
es sich bei Bisphenol um eine äußerst gefährliche Chemikalie handelt (siehe auch SWB 3/01). Sie wirkt hormon-ähnlich, stört deshalb Stoffwechsel-Prozesse und erhöht das Krebs-Risiko.
Chemie-”Park” in Wuppertal Durch Stilllegungen, Verlagerungen von
Produktionsstätten und die Errichtung neuer, weniger raumgreifender Fabrikationshallen gibt es auf den Arealen der BAYER-Niederlassungen viele Freiflächen. Der Konzern versucht darum seit geraumer Zeit, aus der Not
eine Tugend zu machen und Fremd-Firmen mit dem Chemie- ”Park”-Konzept zu einer Ansiedelung zu bewegen. Obwohl der Chemie-Multi mit Netzwerk- Lösungen bei der Energie-Versorgung, Logistik, Entwässerung,
Abfall-Entsorgung und beim Katastrophen-Schutz wirbt, stehen die Unternehmen nicht gerade Schlange. In Wuppertal, wo der Umzug des Pestizid-Betriebs nach Dormagen Leerstände verursacht hat, soll nach den Worten des
neuen Werksleiters Dr. Bernd von der Linden nun auch ein Chemie-”Park” entstehen.
BAYER ”Unter den Linden”? Der BAYER-Pensionsfonds hat Interesse an dem
Kauf des Gebäudes der ehemaligen Britischen Botschaft, gelegen an der ehemaligen Ostberliner Prachtallee ”Unter den Linden”. Der Leverkusener Chemie-Multi will es abreißen lassen, umbauen und dann entweder als
Unternehmensrepräsentanz in der Hauptstadt nutzen oder aber weitervermieten. Die Sache hat nur einen Haken: Das Haus steht unter Denkmalsschutz. Es gilt als ein Beispiel für eine DDR-Architektur, die eine Verbindung
zu den älteren Bau-Stilen der Straße sucht und sich deshalb harmonisch in das ganze Ensemble einfügt. Der Konzern war aber auch nach anderthalbjährigen Verhandlungen nicht von einem Erhalt zu überzeugen. Wie es
jetzt mit der Britischen Botschaft weitergeht, ist ungewiss.
BORCHERS geht nach Langenfeld Das zum BAYER-Konzern gehörende
Unternehmen BORCHERS siedelt sich in Langenfeld an. Zusätzlich zieht noch eine weitere Unternehmens- tochter, die ihren Standort bisher in Monheim hatte, in die Stadt um.
Biotech-Paradies Cambridge Cambridge entwickelt sich immer mehr zum
Biotechnologie-Zentrum der USA. Um das Massachusetts Institute of Technology (MIT) herum siedeln sich immer mehr kleine und große Unternehmen der Branche an. Der BAYER-Konzern ist mit seiner Tochter-Gesellschaft
ONCOGENE SCIENCE vertreten. Dem ForscherInnen-Drang scheinen in der Universitätsstadt kaum Grenzen gesetzt. ONCOGENE-Leiter Walter Carney schwärmt über die unbürokratisch erteilten Forschungs- genehmigungen und
die Risiko-Bereitschaft von MedizinerInnen bei klinischen Tests. ”Sie finden leichter Ärzte, die etwas Neues ausprobieren wollen”, lobt er. Über die möglichen Nebenwirkungen dieser Wagnisse, welche nur die
ProbandInnen zu spüren bekommen, verliert Carney dabei kein Wort.
Schneider macht Kommunalpolitik In einem Interview zur Bilanz seiner
Zeit als BAYER-Vorstandschef macht der um politische Ideen nie verlegene Manfred Schneider auch einige Vorschläge zur Erhöhung der Attraktivität Leverkusens. Er fragt sich, warum die KommunalpolitikerInnen die Stadt
nicht ein wenig aufpeppen, damit das dort verdiente Geld nicht in Köln oder Düsseldorf ausgegeben wird. Die Journalistin hat darauf die passende Antwort parat: ”Weil es an Geld mangelt” und denkt dabei besonders an
die ausgebliebenen Gewerbesteuer-Zahlungen des Chemie-Multis. Das bremst den Elan Schneiders etwas. ”Der finanzielle Einbruch im letzten Jahr war in der Art sicherlich ungewöhnlich”, sagt er, als ob es sich dabei um
eine Naturkatastrophe und nicht um eine gezielte Konzern-Politik gehandelt hätte. Jedoch ist er schnell wieder ganz der Alte: ”Aber es gab auch Jahre, in denen viel Geld floss. Ist es immer mit dem höchsten Nutzen
eingesetzt worden?
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