SWB 03/2002 - Ticker

WASSER, BODEN & LUFT

Hochwasser in Bitterfeld
Überschwemmung in Bitterfeld. Um Haaresbreite hätte das Hochwasser im Chemie-“Park” Bitterfeld, wo auch BAYER ein Werk betreibt, zu einer Umwelt-Katastrophe geführt. Bis an eine unmittelbar neben der Anlage gelegene Straße drang die Elbe vor. Nur dem unermüdlichen Einsatz der vielen HelferInnen war es zu verdanken, das der den Chemie-“Park” umgebene Damm hielt. An anderer Stelle fehlten diese Menschen. Hätte die Sicherung des Chemie-Parks nicht alle Arbeitskraft gefordert, so wäre es vielleicht nicht zu dem Dammbruch am anderen Ufer und damit auch nicht zur Überflutung Bitterfelds gekommen. Selbst dann war die Gefahr für den Chemie-“Park” noch nicht gebannt. Die Wassermassen hätten nach Ansicht des GREENPEACE-Experten Manfred Krautter leicht von der Stadt aus in das Chemie-Areal einbrechen können. Bei BAYER rührte sich lange Zeit nichts. “Business as usual” hieß die Devise. Ein Runterfahren der Produktion aus Sicherheitsgründen hielt das Unternehmen zunächst unnötig, weil es ans Geld gegangen wäre. Darüber hinaus war der Global Player erst auf eindringliche Ermahnungen von GREENPEACE hin bereit, draußen auf dem Werksgelände lagernde Chemikalien vor den Fluten in Sicherheit zu bringen. Hätten die Wassermassen sie erfasst, wäre eine ähnliche Giftfracht wie auf der Höhe des tschechischen Chemie-Werkes SPOLANA in den Fluss gelangt. Auch der verseuchte Boden eines auf dem Chemie-“Park” gelegenen Altlasten-Gebietes wäre mit in die Elbe gespült worden. Hätte die Überschwemmung die Anlagen selbst erreicht und einen Kurzschluss verursacht, wäre alles zu spät gewesen. Den größten Gefahrenherd stellte aber die Strom-Versorgung dar. Hätte der Katastrophenschutz sie kappen müssen, hätte das ein hohes Explosionsrisiko bedeutet, weil zur Produktion benötigtes Wasser, Substanzen-Lager und Chemikalien auf eine bestimmte Temperatur angewiesen sind. BAYER-Mitarbeiter haben deshalb permanent die Pegelstände beobachtet. Nur glücklichen Umständen war es schließlich zu verdanken, dass nichts passiert ist. Aber der Leverkusener Chemie-Multi ist nicht nur das unschuldige Opfer einer Natur- Katastrophe geworden, der sich nur mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, nicht rechtzeitig Vorsorge getroffen zu haben. Die Überschwemmungen waren keine Natur-Katastrophe, sondern ein von von den Industrie- Ländern mit ihrem hohen Energie-Verbrauch verursachtes ökologisches Desaster. BAYER hat einen gehörigen Anteil daran. 9,2 Millionen Tonnen des klima-schädigenden Kohlendioxids bläst er jährlich in die Atmosphäre. In Bitterfeld hat er nun die Folgen davon zu spüren bekommen. Aber nicht einmal das veranlasst den Konzern zur Umkehr. Auf der Umwelt-Konferenz in Johannesburg warnte der bei BAYER für den Umweltschutz zuständige Udo Oels vor staatlichen Vorgaben zum Klimaschutz und forderte, die Unternehmen müssten selbst über die Umsetzung entscheiden können.

Öko-Kuhhandel mit Köln
Der BAYER-Konzern darf rund um Köln herum künftig weit unbeherzter in die Landschaft hineinbauen. Der Leverkusener Chemie-Multi muss einen Eingriff in die Natur nicht mehr umgehend mit eine Ausgleichs-
maßnahme vergelten, wie es das Naturschutz-Gesetz vorschreibt, sondern kann sich dabei Zeit lassen. Er einigte sich mit der Stadt Köln über die Einrichtung eines ”Öko-Kontos”, das Landschaftsverschan-
delung und Kompensation zeitlich voneinander trennt. Die Regelung ermöglicht es dem Unternehmen, umgehend Werke zu erweitern, ohne auf langwierige Genehmigungsverfahren angewiesen zu sein. Es belastet damit lediglich sein Öko-Konto, der Ausgleich kann dann später erfolgen. Im Moment ist der Pharma-Riese sogar mit 39.000 Punkten im Plus: Sein Angler-Verein hatte einen Kölner Bach-Lauf renaturiert. Billiger geht’s kaum. Darum gefällt die Lösung den BAYER-Managern auch so sehr. Der Leverkusener Werksleiter Heinz Bahnmüller betrachtet sie etwa als ”sinnvolle Flexibilisierung” und würde solchen Öko- Kuhhandel auch gerne mit den Standort-Städten Leverkusen, Dormagen und Wuppertal betreiben. Der BUND FÜR UMWELT UND NATURSCHUTZ (BUND) kritisiert das ”Öko-Konto” hingegen. ”Es stoppt nicht den Trend der Flächen-Versiegelung, sondern ist eher ein Persilschein für spätere Eingriffe”, monierte der nordrhein-westfälische BUND-Geschäftsführer Dirk Jansen.

Mehr Autos, mehr Profit, mehr C02
Die Folgen des hohen Kohlendioxid-Ausstoßes von Autos und Industrie-Anlagen sind allen durch die Überschwemmungen dieses Sommers noch einmal drastisch vor Augen geführt worden. Der BAYER- Konzern hat daran als Produzent von jährlich 9,2 Mio. Tonnen C02 und als Zuliefer der Auto-Industrie einen gehörigen Anteil und denkt nicht an einen Kurswechsel. Im Gegenteil, er setzt auf weiteres Wachstum zum Schaden der Umwelt. So freute sich BAYER-Chef Werner Wenning in der Börsen-Zeitung ausgiebig über die wachsende Zahl von KFZ- Zulassungen in China. ”Nach BAYER-Schätzungen wird die Automobil- Industrie in China in den nächsten fünf Jahren mit durchschnittlich acht Prozent pro Jahr wachsen und in absehbarer Zeit das Produktionsniveau von Spanien erreichen”, schrieb er dort.

CO2-Sünder BAYER
9,2 Tonnen des klima-schädigenden Kohlendioxids leiten die BAYER- Werke rund um den Globus jährlich in die Atmosphäre. Der Treibhaus-
gas-Ausstoß des Leverkusener Chemie-Multis kommt damit auf mehr als ein Prozent der CO2-Emissionen der gesamten Bundesrepublik, die 820 Millionen Tonnen betragen. An denen haben die fünf Nieder-
lassungen des Konzerns mit ihrem Aufkommen von 3,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid immerhin einen Anteil von 0,37 Prozent.