SWB 04/02

Der Landwirt Marc Loiselle klagt gegen BAYER

“Gentech-Konzerne ruinieren Ökobauern”

Im Kanada haben Öko-Bauern und -Bäuerinnen einen Prozess gegen BAYER und MONSANTO angestrengt, weil der Gentech-Raps der beiden Konzerne sich in ihren ökologisch produzierten Raps einkreuzt. Marc Loiselle ist einer der Kläger.

Herr Loiselle, die Gentechnik-Konzerne behaupten immer, die manipulierten Pflanzen würden sich nicht unkontrolliert vermehren. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Das ist definitiv nicht die Erfahrung, die wir in Saskatchewan gemacht haben. Der Anbau von gentechnisch verändertem Raps hat zu einer massiven Verschmutzung von gentechnikfreiem Raps, inklusive Öko- Raps, geführt. Heute behaupten die Gentechnik-Industrie und die Raps-Verbände, sie hätten immer gewusst, dass eine unkontrollierte Ausbreitung von Gen-Raps stattfinden wird. Dies wurde jedoch bei der Einführung des Gen-Raps 1995/96 verheimlicht. Durch die unkontrollierte Ausbreitung der Gen-Pflanzen wird den Landwirten und den Verbrauchern die Gentechnik bewusst untergemogelt.

Welche Konsequenzen hat die unkontrollierte Ausbreitung von Gen-Raps für die Öko-Bauern?

Das bedeutet, dass ich und andere Bauern keinen Raps mehr anbauen können. Raps ist allerdings eine für die Landwirtschaft in Saskatchewan sehr wichtige Pflanze. Bei vielen Landwirten ist Raps fester Bestandteil ihrer Fruchtfolge. Sie sind jetzt gezwungen, andere, weniger Gewinn bringende Pflanzen anzubauen, die sich zudem nicht so gut gegen Unkräuter durchsetzen können. Raps habe ich als Option für meine landwirtschaftliche Praxis verloren. Nun will die Firma Monsanto auch noch gen-manipulierten Weizen in Nordamerika anbauen. Wenn der Gen-Weizen kommerziell angebaut wird und sich wie schon der Gen-Raps unkontrolliert in die Umwelt ausbreitet, verlieren wir eine unsere wichtigste Einkommensquelle. Dies wäre der Ruin für viele Öko-Bauern.

Sie haben stellvertretend für die Öko-Bauern im kanadischen Bundesstaat Saskatchewan Klage eingereicht. Geht es da auch um Schadensersatz?

Ja, es geht auch um finanzielle Entschädigung. Zum einen geht es um den Verlust, den wir auf dem lukrativen Ökoraps-Markt machen. Zum anderen sind aber auch Verluste zu erwarten, wenn Gen-Weizen bald Einzug in die Landwirtschaft erhält. Genau können wir den Schaden noch nicht beziffern, aber es geht um bis zu hundert Millionen Dollar. Aber der finanzielle Schaden ist nur ein Aspekt. Wichtiger ist, dass wir mit dem Raps eine Acker-.Pflanze verlieren, die traditionell in Saskatchewan viele Landwirte anbauen. Gen-Pflanzen sind zudem Risiko-Pflanzen, deren Folgen auf die Umwelt und unsere Gesundheit noch viel zu wenig erforscht sind. Deshalb müssen Gen-Pflanzen als Schadstoffe anerkannt werden.

In Europa werden die meisten gen-manipulierten Pflanzen noch nicht zu kommerziellen Zwecken freigesetzt. Was raten Sie den hiesigen Bauern, Bäuerinnen und KonsumentInnen?

Mein Rat an europäische Bauern ist, sich nicht täuschen zu lassen von den Versprechen der Gentechnik-Industrie und ihrer Lobby, was die zu erwartenden Vorteile von Gen-Pflanzen angeht. Einzig den Gen-Konzernen bringen diese Pflanzen fette Gewinne. Zum Beispiel entwickeln die Konzerne gen-manipulierte Pflanzen, die gegen ihre eigenen Pestizide resistent sind. So kann die Industrie ihre Chemikalien gleich mitverkaufen und verdient zweimal. Den Verbrauchern rate ich, sich weiterhin ganz rigoros dem Einzug der Gentechnik in Pflanzen und Lebensmitteln zu widersetzen. Unsere Probleme mit Gen-Pflanzen zeigen, dass sich die Gentechnik ungewollt ausbreitet und so auf die Nachbar-Felder und letztendlich in unsere Nahrungsmittel gelangt. Die Europäer sollten daraus lernen. Die Verbraucher und Bauern müssen ihren Politikern deshalb genau auf die Finger schauen, dass es so weit in Europa nicht kommt.

Nachdruck des Interviews mit freundlicher Genehmigung des Naturkost-Magazins Schrot & Korn.