SWB 04/02 - Ticker

GENE & KLONE

Mehr Einkreuzungen als erwartet
In Großbritannien haben sich Resistenz-Gene gegen das BAYER- Herbizid LIBERTY sowie gegen die Mittel ROUNDUP und PURSUIT auf konventionell angebauten Raps übertragen. Meldungen wie diese sind mittlerweile regelmäßig in den Zeitungen zu lesen. Auf einer Tagung an der „University of Ohio“ in Columbus mussten Gen-ForscherInnen dann auch erstmals einräumen, diese Entwicklung nicht vorausgesehen zu haben. Weder haben sie damit gerechnet, dass sich das Erbgut von Gentech-Raps auf viele herkömmlich angebaute Sorten und beinahe alle Wildformen überträgt noch damit, dass es sich dort noch über Jahrzehnte nachweisen lässt.

Gen-Pflanzen auf 52,6 Mio. Hektar
Die Flächen, auf denen weltweit LandwirtInnen Gentech-Pflanzen made by BAYER & Co. anbauen, haben sich von 1998 bis 2001 von 27,8 Mio. Hektar auf 52,6 Mio. Hektar verdoppelt.

BAYERs Gentech-Soja in Japan
Das japanische Gesundheitsministerium hat Mitte Juli zwei Sojabohnen- Sorten von BAYER, denen ein Resistenz-Gen gegen Herbizide eingebaut ist, zugelassen.

Zusätzlich ATRAZIN auf Gen-Feldern
Nach der Propaganda von BAYER & Co. sollte die Kombination aus Pestiziden und mittels Gentechnik gegen diese Pestizide resistent gemachten Kultur-Pflanzen die verbrauchten Gift-Mengen reduzieren. Der US-Wissenschaftler Mike Owen von der „Iowa State University“ widerlegt diese Behauptung. Ihm zufolge sind in den Vereinigten Staaten viele LandwirtInnen mit BAYERs LIBERTYLINK-Kombipack nicht zufrieden und bringen deshalb auf ihren Feldern zusätzlich das Ackergift ATRAZIN aus. Dieses Pestizid steht in Verdacht, Krebs zu erregen und das Hormon-System zu schädigen und findet sich so häufig wie kein anderes in Gewässern und Böden wieder.

Gen-Spuren in Darm-Bakterien
Eine Studie der Universität Newcastle über die Risiken von Gentech- Nahrung kam zu alarmierenden Resultaten. Die WissenschaftlerInnen wiesen nach, dass die DNA von gentechnisch veränderten Soja- Pflanzen, wie sie BAYER und andere Gen-Multis anbieten, via gentechnisch produzierte Lebensmittel auf Darm-Bakterien übergreift. Die Hersteller haben eine solche Gefahr bisher immer strikt ausgeschlossen. Für die Gentechnik-Expertin des BUNDES FÜR UMWELT UND NATURSCHUTZ (BUND), Heike Moldenhauer, stellt der Befund unter Beweis, dass es in Bezug auf die Risiken von Gen-Food mehr Fragen als Antworten gebe. Sie fordert: „Deshalb darf die Politik der Gentechnik-Industrie jetzt auf keinen Fall einen Freibrief für die Kontamination der gesamten Nahrungskette erteilen.“

STARLINK in Lebensmittelhilfe
Der Nachweis des nur als Futtermittel zugelassenen Gentech-Maises STARLINK in Lebensmitteln weitete sich in den USA zum bis dahin größten Genfood-Skandal aus (SWB 3/01). Über 200 Menschen klagten über allergische Reaktionen oder andere Beschwerden, allein KRAFT musste 2,5 Millionen Chips-Tüten zurückrufen lassen. Und noch immer tauchen STARLINK-verunreinigte Nahrungsmittel auf. In einer Lebensmittel-Spende der „US Agency for international Development“ an Bolivien fanden WissenschaftlerInnen Spuren des gen-manipulierten Maises, der nach BAYERs Kauf von AVENTIS CROPSCIENCE zur Produkt-Palette des Konzerns gehört.

Tod durch Gen-Therapie
Bei einem Gentherapie-Versuch zur Behandlung von Alzheimer ist einer der acht Test-TeilnehmerInnen an einem Hirnschlag gestorben. Ein zweiter Proband überlebte eine Gehirn-Blutung. Die Gen-MedizinerInnen hatten den Versuchspersonen, die an Alzheimer im Anfangsstadium litten, Bindegewebe-Zellen entnommen. Diesen fügten die Wissen-
schaftlerInnen Gene des Nervenwachstumsfaktors NGF zu und injizierten sie den menschlichen Versuchskaninchen wieder. Bei Tests mit Affen hatten sich dabei keinerlei Komplikationen ergeben, versicherte der verantwortliche Arzt Michael Tuszynski von der „University of California“, was wieder einmal Zweifel am Sinn von Tierversuchen aufkommen lässt. So ganz unerwartet schien der Gen-Gau nicht zu kommen: Ein Papier wies die ProbandInnen vorsorglich auf das Risiko von Hirn-Blutungen hin. Tuszynski verbucht die medizinische Katastrophe als kleinen Rückschlag auf dem Weg zum medizinischen Gen-Paradies.
„Wir mussten vieles lernen“, so sein vorläufiges Fazit. Und er besitzt nach dem Motto „Operation gelungen, Patient tot“ sogar noch die Unverfrorenheit, darauf hinzuweisen, dass die Obduktion den Erfolg des Versuchs gezeigt hätte, weil tatsächlich einige neue Nervenzellen im Gehirn des Patienten entstanden waren.

Blutkrebs durch Gen-Therapie
Die größte Gefahr bei Gen-Therapien, wie sie BAYER derzeit mit dem Bluter-Präparat COAGULIN B erprobt (SWB 1/02), stellen die Viren dar, die im Körper zum Transport des Fremd-Gens dienen. 1999 erlitt der junge US-Amerikaner Jesse Gelsinger durch die 43 Milliarden als „Gen-Fähren“ benutzten Erkältungsviren einen tödlichen Kollaps. Obwohl dieser Gen-GAU die Risiken der Gen-Therapie drastisch vor Augen führte, quälte eine ForscherInnen-Gruppe um Christopher Braun von der „Medizinischen Hochschule Hannover“ noch einmal Tiere, um zu einem ebenso beunruhigenden Resultat zu kommen. Nach ihrer in der Fachzeitschrift Science (Bd. 296, S. 497) veröffentlichten Untersuchung lösten Retro-Viren bei sechs von zehn Mäusen Blutkrebs aus; bei den restlichen Tieren bildeten sich erste Anzeichen der Krankheit aus.

Gen-Medizin leidet #1
Die „schöne neue Gen-Welt“, in der es „Ausschalter“ für Krebszellen gibt und „Zauberkugeln“ „böse“ Proteine erkennen können, hat sich als Fata Morgana entpuppt. Auch BAYER hat mit der „Zukunftstechnologie“ schon diverse GAUs erlebt (siehe SWB 3/00 und 1/02). Das Handelsblatt kommentiert: „Inzwischen stellt sich jedoch heraus, dass die Erwartungen an die Genom-Forschung weit überzogen waren - zumindest was die Zeiträume der Umsetzung anbelangt. Das Zusammenspiel von Genen und anderen Faktoren entpuppt sich als wesentlich komplizierter als erwartet.  Die relativ wenigen konkreten Produkt-Kandidaten, die bisher direkt aus der Genom-Forschung hervorgegangen sind, kommen in der klinischen Prüfung zudem nur quälend langsam voran.“

Gen-Medizin leidet #2
Die schottische Biotech-Firma PPL THERAPEUTICS, an der BAYER 8,5 Prozent der Anteile hält, hat ihre Stammzell-Forschung aufgegeben. Die Abteilung konnte die hoch gesteckten Erwartungen des Unternehmens, das durch die „Erfindung“ des Klon-Schafs Dolly berühmt-berüchtigt wurde, nicht erfüllen.

Gen-Arzneien gegen Asthma und Krebs
Seit 1999 kooperiert BAYER mit dem Biotech-Unternehmen MORPHOSYS. Die Firma unterhält eine Bibliothek mit dem Erbgut von Antikörpern. Auf der Basis von zweien dieser Antikörper will der Leverkusener Chemie-Multi jetzt Medikamente gegen Krebs bzw. Asthma entwickeln. Im August kündigte er an, mit den klinischen Prüfungen zu beginnen. Der Einsatz von Antikörpern in der Medizin ist umstritten. In der Vergangenheit scheiterte bereits ein Versuch BAYERs, in Kooperation mit CELLTECH ein Antikörper-Medikament gegen den septischen Schock zu entwickeln: In klinischen Tests konnte ein therapeutischer Nutzen des Mittels nicht nachgewiesen werden.

Mehr KOGENATE aus Berkeley
Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat BAYER gestattet, die Produktion des Blutplasma-Präparats KOGENATE auszuweiten. So kann der Gen-Gigant sechs neue Apparaturen, so genannte Fermenter, zur Züchtung von Hamster-Nierenzellen, die gentechnisch so verändert sind, dass sie das Blutern fehlende Protein Faktor VIII produzieren, in Betrieb nehmen. Im Jahr 2000 hatte die FDA noch einen Fertigungsstopp angeordnet, da sie bei einer Inspektion der KOGENATE-Herstellung auf Bakterien-Verunreinigungen gestoßen war (Ticker 2/01). Aber bakterielle Kontaminationen stellen nicht die einzige mögliche Risiko für KOGENATE-Patienten dar. In geringerem Ausmaß als die konventionelle Plasma-Produktion ist nämlich auch die gentechnische auf SpenderInnen-Blut angewiesen und die Gefahr der Übertragung von Krankheiten somit nicht ausgeschlossen. Die Herstellung auf der Basis der Gentechnik setzt die Bluter zudem der Gefahr aus, sich durch die als Bio-Reaktoren verwendeten Hamsterzellen mit Krankheitskeimen zu infizieren.

BAYER bezahlt LION nicht
Das Heidelberger Unternehmen LION BIOSCIENCE sollte für BAYER ergänzend zur Kooperation auf dem Gebiet der Bio-Informatik LION eine spezielle Software-Lösung zur beschleunigten Untersuchung von Chemikalien auf ihre Tauglichkeit zum Pharma- oder Pestizid-Wirkstoff entwickeln. Mit dem Resultat war der Leverkusener Chemie-Multi allerdings nicht zufrieden, weshalb er den für die Software vereinbarten Preis nicht zahlen wollte.