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KAPITAL & ARBEIT
Pharma-Ausverkauf auf Raten BAYER hat angekündigt, bei der Suche nach
einem Partner im Pharma- Geschäft nicht mehr auf einem Führungsanspruch zu bestehen und sich stattdessen auch mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden geben zu wollen. Dem Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning
zufolge führt der Konzern auf der Basis dieser neuen Strategie derzeit gute und konstruk- tive Gespräche. Einen totalen Rückzug aus dem Pillen-Geschäft schloss er aus: „Wir haben nicht die Absicht, diese
Aktivitäten komplett abzugeben.“ Genau das aber vermuten BeobachterInnen. Die Richtungs- änderung wäre ein „Einstieg in den Ausstieg“ kommentiert etwa die Faz. Durch die Trennung auf Raten von ASPIRIN & Co.
vernichtet der Leverkusener Chemie-Multi Zehntausende von Arbeitsplätzen innerhalb des Konzerns, eine Fusion mit einem anderen Unternehmen wird Tausenden den Job kosten. Genau aus diesem Grund stiegen die
BAYER-Aktien nach der Veröffentlichung der Nachricht auch blitzartig um sieben Prozent. Die „Botschaft von Konzern-Chef Werner Wenning wirkte an der Börse wie ein Befreiungsschlag“, berichtete die Rheinische Post.
BAYER VITAL gliedert E-Business aus Die Sparte des Leverkusener
Pharma-Riesen für rezeptfreie Arneien und Medizin-Produkte, BAYER VITAL, hat den Server- und Netzbetrieb des E-Business-Bereichs ausgegliedert und dem Dienstleister CYBERNET übertragen. Der Anbieter betreut das
Portal, verwaltet die Datenbanken und installiert die Sicherheitssoftware. Zusätzlich zu den Jobs, welche die Digitalisierung der Geschäftsabläufe eh schon kostet, vernichtet das Outsourcing also auch noch
Computer-Arbeitsplätze bei BAYER selber.
Zentralisierung der Diagnostika-Sparte BAYER plant, bestimmte Aufgaben
der Diagnostika-Sparte, die bisher in den einzelnen europäischen Ländern wahrgenommen wurden, nur noch zentral von der - wahrscheinlich aus steuerlichen Gründen - in Dublin neu gegründeten BAYER DIAGNOSTICS EUROPE
LIMITED durchführen zu lassen. Als Motiv führt der Chemie-Multi an, „Geschäfts- abläufe rationalisieren“ zu wollen, also ist Arbeitsplatzvernichtung zu erwarten.
Wieder nur 1.000 Lehrlinge Um mehr als ein Drittel ist die Zahl der
Ausbildungsplätze bei BAYER in den letzten zwölf Jahren zurückgegangen. Gab es 1990 in den Werken noch 1.600 Lehrstellen, so strich der Konzern sie bis zum Herbst 2002 auf rund 1.000 zusammen. Zudem übernimmt der
Chemie-Multi in der Regel nur die Hälfte der Ausgebildeten. Noch einmal über die Hälfte von ihnen muss dann auch noch auf einen festen Arbeitsplatz innerhalb des Unternehmens verzichten. Diesen BerufsanfängerInnen
steht eine frustrierende Karriere als flexibel einsetzbare SpringerInnen im Ausgebildeten-Pool bevor.
Flaute bei H. C. STARCK Mit der Lieferung von Rohmaterialien an die
Elektronik-Industrie wie z. B. Tantal (siehe auch ERSTE & DRITTE WELT) oder Metalloxide hat die BAYER-Tochter H. C. STARCK in der Vergangenheit vor allem vom Handy-Boom profitiert. Nachdem dieser Markt
eingebrochen ist, kam es laut BAYER-Chef Werner Wenning bei der Konzern-Gesellschaft zu einem „massiven Ergebnis-Rückgang“. Arbeitsplatz-Vernichtung könnte die Folge sein.
DURCHSCHAUBARER tritt zurück Peter Pütz, Betriebsrat im Leverkusener
BAYER-Werk, hat im September seinen Rücktritt bekannt gegeben. Pütz saß als Freigestellter acht Jahre lang für die KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT, eine Gruppe alternativer
GewerkschaftlerInnen im Leverkusener BAYER-Werk, in dem Gremium. Er gab in einem Abschiedsbrief, den die DURCHSCHAUBAREN in ihrem Oktober-Info veröffentlichten, als Grund für diesen Schritt die „unkollegiale
Stimmung im Betriebsrat“ an, für die er die mangelnde Kooperationsbereitschaft der VertreterInnen der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE verantwortlich macht. „Die meisten Mitglieder des Betriebsrates kümmern sich nur noch
um Machterhalt und Posten-Sicherung“, schreibt er. Auch an der Konzern-Politik und den puren Lippen-Bekenntnissen zu mehr Transparenz übt Pütz Kritik: „Das Einzige, was immer transparenter wird, ist das
rücksichtslose Gewinn-Streben, hinter dem jegliche Arbeitnehmer-Interessen zurückzutreten haben. Mit freundlichem Lächeln werden Entscheidungen verkündet, die nichts als pure Menschenverachtung wiederspiegeln.“
Vor ihm hatte bereits die DURCHSCHAUBARE Heike Bär ihr Betriebsratsamt aufgegeben.
Schließt BAYER Berufsschule? Der Chemie-Multi stellt an seinen
Standorten nach und nach alle Aktivitäten ein, die nicht „unmittelbar zum Kern-Geschäft gehören“, wie es immer so unschön heißt. Nach der Schließung des Carl-Duisberg- Bades in Leverkusen (siehe AKTION & KRITIK)
erwägt das Unternehmen nun auch, die konzern-eigene Berufsschule dicht zu machen. „Aufgrund der wirtschaftlichen Situation steht bei uns alles auf dem Prüfstand“, erklärte eine BAYER-Sprecherin.
Schließt BAYER Bibliothek? Von werksfremden BenutzerInnen der
BAYER-Bibliothek verlangt der Chemie-Multi ab 2003 eine saftige Jahresgebühr. Mit 60 Euro liegt sie um 50 Euro über dem Betrag, den die städtische Bücherei in Rechnung stellt. Da der Konzern überdies unlängst die
Verwaltung der Werks- bibliothek stark „verschlankt“ und die Kinder- und Jugend-Bibliothek bereits 1999 „abgewickelt“ hat, sehen viele BeobachterInnen den Bestand einer weiteren sozialen Einrichtung des
Pharma-Riesen gefährdet.
BAYER-E-Business für alle Der E-Commerce eröffnet BAYER große
Einspar-Möglichkeiten. Allein in der Material-Beschaffung sind die Abwicklungskosten um eine Milliarde Euro gesunken. Einen nicht geringen Anteil an dem Rationalisierungseffekt dürften die durch
Arbeitsplatzvernichtung dezimierten MitarbeiterInnen-Entgelte haben. Jetzt plant der Leverkusener Chemie-Multi sogar, die Logistik-Lösung auch extern zu vermarkten.
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