SWB 04/02 - Ticker

ÖKONOMIE & PROFIT

Höhere Öl-Preise wg. Krieg befürchtet
Wegen der allgemein schlechten Konjunktur-Lage sowie des anhaltenden Preis-Drucks schrauben BAYER & Co. ihre Gewinn- Erwartungen für das Geschäftsjahr 2001 weiter zurück. Nach Ansicht des Finanz-Analysten Michael Vara von der COMMERZBANK ist die größte Furcht der Branche jedoch ein drastischer Ölpreis-Anstieg infolge eines möglichen Irak-Krieges. Die Chemie-Unternehmen sind von der Ressource als Energie-Träger und als Rohstoff in hohem Maße abhängig.

BAYER zählt mehr im „Dax“
Im Aktien-Index „Dax“ sind die 30 größten bundesdeutschen Unternehmen zusammengefasst. Seit Juni 2002 hat die DEUTSCHE BÖRSE AG die Gewichtung innerhalb des „Dax“ verändert. Unternehmen, die nicht gleichzeitig Stamm- und Vorzugsaktien herausgeben und deren Papiere viel gehandelt werden, weil der Streubesitz-Anteil sehr hoch ist und es keinen großen Haupt-Aktionär gibt wie etwa den Bund bei der TELEKOM, zählen künftig mehr. Nach Einschätzung des Aktien-Experten Rolf Geck von der WGZ-Bank profitiert neben EON, SIEMENS, DEUTSCHE BANK und DAIMLERCHRYSLER hauptsächlich BAYER von der Umstellung.

Profitable Pensionskasse
Unter den 10 größten Pensionskassen in der Bundesrepublik nimmt die von BAYER mit einer Einlage von 5,845 Milliarden Euro den dritten Rang ein. Und dies, obwohl sich beim Pharma-Riesen trotz umfassender Werbe-Maßnahmen nur ca. 16 Prozent der MitarbeiterInnen an diesem Modell zur Altersvorsorge beteiligen. Der Rest hat begriffen, dass die Pensionskasse vor allem den Interessen BAYERs dient. Der Konzern kann nämlich Rückstellungen für den Fonds steuerlich geltend machen. Im Jahr 1999 brauchte er deshalb keinen Pfennig Gewerbesteuer zu zahlen. Auch bei der Bilanzierung nach internationalen Regeln, wie sie der Konzern nach Notierung seiner Aktie an der Wall Street in den USA vornimmt, kann er  durch die Pensionskasse Steuern sparen. Trotzdem versuchen BAYER & Co. noch, Belastungen auf die Fonds-EinlegerInnen abzuwälzen. Bisher mussten die Multis sich selber beim „Pensions-
sicherungsverein“ mit bis zu 1,5 Prozent der Fonds-Rendite gegen ein etwaiges Risiko pflichtversichern. Nun versuchen die Unternehmen, ihren MitarbeiterInnen diese Beiträge aufzubrummen. Während das bei der „Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht“ auf Ablehnung stößt, hat das nun dem BAYER-Freund Wolfgang Clement unterstehende „Wirtschafts- und Arbeitsministerium“ schon Zustimmung signalisiert.

BAYER Nr. 15
Mit einem Umsatz von 30,2 Millarden Euro im Jahr 2001 nimmt BAYER unter den größten bundesdeutschen Unternehmen Rang 15 ein.

Wenn Wirtschaftsprüfer auch beraten ...
In den Vereinigten Staaten konnten die Bilanz-Fälschungen von ENRON & Co. so lange unentdeckt bleiben, weil die Wirtschaftsprüfer die Unternehmen nicht unabhängig prüften - sie hatten gleichzeitig auch lukrative BeraterInnen-Verträge mit den Konzernen abgeschlossen. Die US-Börsenaufsicht SEC hat diese Art der doppelten Buchführung mittlerweile untersagt. In der Bundesrepublik ist die Praxis dagegen immer noch gang und gäbe. Auch BAYER wollte gegenüber der Welt nicht ausschließen, dass Wirtschaftsprüf-Institute für den Pharma-Riesen nebenbei noch Berater-Aufgaben wahrnehmen.