SWB 04/02 - Ticker

PESTIZIDE & HAUSHALTSMITTEL

DIURON auf Rezept
Das Bundesumweltamt will den Handel mit dem BAYER-Pestizid DIURON beschränken und führt für bestimmte Anwendungsbereiche eine Rezept-Pflicht ein (SWB 4/02).

BOLFO fällt bei Öko-Test durch
Im Mai 2002 untersuchte die Zeitschrift Öko-Test Mittel gegen Floh- Befall bei Hunden und Katzen. Alle getesteten BAYER-Produkte bekamen dabei schlechte Noten, weil sie Nervengifte enthielten, welche die Gesundheit von Mensch und Tier schädigen können. Das Flohschutz- Puder sowie das Flohschutz-Schampoo für Hunde der BOLFO-Reihe erhielten die Note „mangelhaft“, das Flohschutz-Spray und das Umgebungsspray der BOLFO-Produktlinie bewertete Öko-Test sogar mit „ungenügend“.

Rat empfiehlt GAUCHO-Gutachten
Französische ImkerInnen machen die Ausbringung des BAYER- Pestizids GAUCHO auf Sonnenblumen-Feldern, das vor allem als direkt in das Saatgut integriertes Beiz-Mittel zum Einsatz kommt, für das größte Bienensterben der vergangenen Jahrzehnte verantwortlich (Ticker berichtete mehrfach). Die Proteste der GAUCHO-GegnerInnen führten zu einer vorläufigen Aufhebung der Zulassung; ein endgültiges Urteil soll aber erst nach dem Vorliegen von wissenschaftlichen Untersuchungen gefällt werden. Um einem endlosen GutachterInnen-Streit zu entgehen, versuchten die BienenzüchterInnen, den GAUCHO-Stopp auf einem juristischen Weg zu erreichen. Im Oktober haben sie einen Teil-Sieg errungen. Ein Rat, der „Conseil d‘Etat“, empfahl den mit GAUCHO befassten Instanzen, sich binnen drei Monaten eine Expertise vorlegen zu lassen, wonach GAUCHO Bienen nicht schädigt. ImkerInnen schätzen die Lage allerdings pessimistisch ein. Das vorläufige Anwendungs-
verbot gilt nämlich nur für Sonnenblumen-Felder. Da aber die Böden vielfach mit GAUCHO verseucht sind, und die Nutzung der Ackerflächen variiert, belastet die Agro-Chemikalie weitere Kultur-Pflanzen - und damit auch die Bienen. Zudem verfügt BAYER nach dem Kauf der AVENTIS CROPSCIENCE noch über ein anderes, fast genau so bienen-schädigendes Ackergift, das die LandwirtInnen in großen Mengen verwenden: REGENT. 

Mehr Pestizide in Nahrungsmitteln
Nach Angaben der EU-Kommission befinden sich in 40 Prozent aller Lebensmittel Spuren von Agro-Chemikalien. Bei vier Prozent der untersuchten Proben liegen die Pestizid-Rückstände sogar über dem zulässigen Grenzwert, ein Anteil, der in den letzten fünf Jahren ständig gestiegen ist. Als zweitgrößter Ackergift-Produzent der Welt trägt BAYER viel zu dieser gesundheitsgefährdenden Entwicklung bei.

Pestizide in Weintrauben
In ihrem Oktober-Heft untersuchte die Zeitschrift Öko-Test Weintrauben auf Pestizid-Rückstände. In 14 von 30 Proben fanden die TesterInnen Spuren der Ackergifte von BAYER & Co.; bis zu sieben verschiedene Agro-Chemikalien wiesen sie in einer Frucht-Gruppe nach. In zwei Fällen lagen die Mengen sogar über dem zulässigen Grenzwert.

26.000 Tonnen Pestizide
In der Bundesrepublik verkauften BAYER & Co. im Jahr 2001 Pestizid- Wirkstoffe in einer Größen-Ordnung von 26.000 Tonnen. Im Vorjahr waren es sogar 28.480 Tonnen gewesen. Der 8-prozentige Rückgang erklärt sich dadurch, dass die LandwirtInnen verstärkt niedriger dosierte Ackergifte verwendeten. Nach Einschätzung des PESTIZID AKTIONS- NETZWERKES (PAN) sind diese „jedoch nicht zwingend weniger problematisch“. Im Haus- und Garten-Bereich nahm der Agrochemi-
kalien-Verbrauch sogar von 51 auf 61 Tonnen bzw. von 470 auf 502 Tonnen zu.

EU verlangt Unbedenklichkeitsprüfungen
Die EU-Kommission verlangt von BAYER und anderen großen Pestizid- Herstellern, im kommenden Jahr Unbedenklichkeitsnachweise für ihre Agro-Chemikalien vorzulegen. Fehlen diese Testate, sieht sich Brüssel gezwungen, die entsprechenden Substanzen vom Markt zu nehmen. Schätzungsweise dürfte diese Maßnahme das Aus für 300 der 800 Wirkstoffe bedeuten, da für BAYER & Co. der Aufwand, die Nachweise zu führen, in keinem Verhältnis zum mit den Substanzen erwirtschafteten Profit steht und zudem der Ausgang der Prüfungen ungewiss ist.

Billigere Pestizide
Wenn die Einnahmen für Weizen, Gerste und andere Kulturpflanzen sinken und den LandwirtInnen deshalb weniger Geld zur Verfügung steht, fallen auch die Pestizid-Preise. Dies war in den letzten Jahren der Fall. Da die BäuerInnen mit Soja und Getreide 2002 schon wieder mehr Gewinne erzielten, rechnet BAYER CROPSCIENCE-Chef Joachim Wulff für das kommende Jahr mit einem „freundlicherem Markt-Umfeld“  für die Ackergifte des Chemie-Multis.

Schlechtes Pestizid-Geschäft
Im Jahr 2001 gingen BAYERs Erträge im Pestizid-Handel zurück.
In Lateinamerika, wo der Konzern hinter SYNGENTA die Nr. 2 auf dem Agrochemikalien-Markt ist, sorgte die anhaltende Finanz-Krise für Währungsabwertungen. Infolgedessen kam es zu einem Rückgang der Preise. Zudem konnten viele LandwirtInnen ihre Rechnungen nicht mehr zahlen. In den USA verhagelte das gute Wetter dem Unternehmen das Geschäft: Nach einem feuchten Frühjahr und anschließender Trocken- Periode setzten die FarmerInnen weniger Herbizide ein.

BAYER will Marktführerschaft
Die BAYER CROPSCIENCE will nach Auskunft ihres Geschäftsführers Martin Gruß binnen drei Jahren die Nr. 1 auf dem bundesdeutschen Markt für Agro-Chemikalien werden und die BASF auf den zweiten Platz verdrängen.