SWB 04/02 - Ticker

STANDORTE & PRODUKTION

Bankrott durch BAYER
Die Klagen von HandwerkerInnen über die Zahlungsmoral von BAYER häufen sich (siehe auch Ticker 2/02). Ein Leverkusener Dachdecker- Meister klagte gegenüber der Rheinischen Post: „Bei BAYER musste man bis zu sechs Wochen auf sein Geld warten. Wer kann das schon vorfinanzieren?“ Die vom Chemie-Riesen und anderen Großkunden nicht beglichenen Rechnungen führten schließlich dazu, dass die Hausbank dem Dachdecker die Konten sperrte, und der Betrieb pleite ging.

Verschuldet durch BAYER
BAYER war in Leverkusen als größtes Unternehmen lange Zeit auch der größte Gewerbesteuer-Zahler. Wie schon 1999 rechnete der Chemie- Multi sich jedoch auch 2001 so arm, dass er keinen Euro mehr an die Stadtkasse zahlen musste. Die Kommune war daraufhin gezwungen, ihr altes Haushaltssicherungskonzept über den Haufen zu werfen, um den Schuldenberg von 301 Millionen Euro abzutragen. Der neue Sanierungs-
plan sieht drastische Einspar-Maßnahmen vor. So will Leverkusen Arbeitsplätze in der Verwaltung vernichten, Steuern und Gebühren erhöhen, Bibliotheken  schließen und eventuell Schwimmbäder dicht machen.

Bau einer Silo- und Abfüll-Anlage
Im Zuge der erweiterten Produktionskapazitäten für den Kunststoff MAKROLON errichtet BAYER in Uerdingen eine Silo- und Abfüll-Anlage für MAKROLON-Granulat. Sie ist unterfahrbar und erleichtert so den Transport. Offizieller Bauherr ist die ausgegliederte CHEMION LOGISTICS GmbH, welche die ehemaligen BAYER-MitarbeiterInnen zu deutlich schlechteren Bedingungen beschäftigt. Nach der Ausgründung der Logistik-Sparte mussten sie Entgelt-Einbußen von sechs Prozent durch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 37,5 auf 40 Stunden bei gleichem Lohn akzeptieren (Ticker 3/01).

Mehr Polyurethan aus Dormagen
BAYER will in Dormagen die Anlage zur Herstellung des Kunststoffes Polyurethan erweitern, um die Jahres-Produktion um 5000 Tonnen erhöhen zu können. Zur Flüssigkeit verarbeitet, kommt die Substanz hauptsächlich als Lösemittel-Ersatz in Klebstoffen, Lackierungen sowie Textil- und Lederbeschichtungen zum Einsatz.

Mehr Macrolex aus Leverkusen
BAYER weitet die Produktion des Farbstoffes MACROLEX aus und hat zu dem Zweck 13 Millionen Euro, unter anderem in eine neue Synthese- Anlage, investiert. MACROLEX kommt bei der Einfärbung von Produkten oder Produkt-Teilen aus Kunststoff wie Staubsauger, Kinder-Spielzeug, Kaffee-Maschinen oder Rückleuchten zur Anwendung.

Schiwy Werksleiter in Brunsbüttel
Der 57-Jährige Dr. Willy Schiwy übernimmt von Klaus Starke, der in den Ruhestand geht, den Posten des Werksleiters in der Brunsbütteler BAYER-Niederlassung.

ChemCoast gegründet
Die Brunsbütteler BAYER-Niederlassung und andere norddeutsche Chemie-Unternehmen haben den Verband „ChemCoast“ gegründet, um den Norden als Chemie-Region bekannter zu machen und Neu- Ansiedlungen zu initiieren. Als attraktivsten Standort-Faktor sehen sie dabei die geplanten Pipelines für den Chemikalien-Transport an, die - großzügig aus Steuermitteln gefördert - von Gelsenkirchen nach Wilhelmshaven bzw. von Stade nach Brunsbüttel gehen sollen (siehe auch Ticker 2/02).

Ausgliederung in Spanien
BAYER-IngenieurInnen haben die Chemie-Anlage im spanischen Murcia geplant, produziert wird nach Vorgaben des Leverkusener „Zentralen Technikums Organisch“, der Konzern vermarktet auch alle dort hergestellten Produkte exklusiv - Besitzer der Fertigungsstätte ist allerdings die spanische NOVOCHEM 2000 S. A. Mit deren Mutter- Gesellschaft DERIVADOS QUIMICOS wiederum kooperiert der Chemie-Multi seit 1993. Da der Pharma-Riese durch dieses Modell Lohn-Kosten spart, lobt er seine Geschäftsfreunde ausgiebig. „Die Spanier wurden schnell zu unserem bevorzugten Outsourcing-Partner“, schwärmt BAYERs Geschäftsführer „Basis- und Feinchemikalien“, Dr. Markus Wienkenhöver.

BRD-Investitionen: zehn Mrd. Euro
Beim Festakt zum 125-jährigen Bestehen des Krefelder BAYER-Werkes kündigte Konzern-Chef Werner Wenning an, bis 2005 zehn Milliarden Euro in die fünf bundesdeutschen Standorte stecken zu wollen. Diese Summe übertrifft die Investitionen der vergangenen drei Jahren um das Dreifache, der Wahrheitsgehalt von Wennings Worten darf deshalb bezweifelt werden. Aber selbst wenn er Recht behalten sollte, so würden die Aufwändungen nicht die gewaltige Deinvestition, wie sie der Verkauf der Pharma-Sparte darstellt, auffangen.

Pützhofen gratuliert zerknirscht
Die Gratulation des Krefelder Oberbürgermeisters Dieter Pützhofen zum 125-jährigen Bestehen des BAYER-Werkes am Ort konnte sich nur mit Mühe im Höflichkeitsrahmen halten: „BAYER ist ein stabiler Faktor im Fundament der Krefelder Wirtschaft und war es auch in der alljährlichen Kalkulation des Haushaltes, bis die Gewerbesteuer praktisch gestrichen wurde. Doch auch ohne diese Steuern ist BAYER immer noch der größte und sicherste Arbeitgeber am Niederrhein“. Der erste Teil war eine Kritik an der Steuer-Praxis des Konzerns, der zweite eher eine Beschwörung denn eine Tatsachen-Beschreibung, deren Realitätsgehalt nach dem angekündigten Verkauf der Pharma-Sparte noch einmal abgenommen hat.

Bio-Diesel aus Industrie-„Park“
In Brunsbüttel kann sich BAYER jetzt mit fremden Öko-Federn schmücken. Auf dem Gelände des Industrie-„Parks“ von BAYER siedelt sich der MASCHINENRING DITHMARSCHEN an, der pflanzliche Rohöle zu Methylester, also Bio-Diesel, verarbeitet.