SWB 04/02 - Ticker

UNFÄLLE & KATASTROPHEN

Phosgen-Unfall in Uerdingen
Nach Informationen der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) ereignete sich vorigen Dezember im BAYER-Werk Uerdingen ein Unfall in der Phosgen-Produktion. Dabei soll ein Mitarbeiter einer Fremdfirma mit Phosgen vergiftet worden sein. In der Presse tauchten bislang keinerlei Nachrichten über den Störfall mit der Chemikalie auf, die als eine der gefährlichsten überhaupt gilt. Das „Staatliche Amt für Arbeitsschutz in Mönchengladbach“ bestätigte auf Anfrage der CBG das Ereignis. Die Behörde war bis dahin nicht über den Unfall in Kenntnis gesetzt worden und stellte eigene Nachforschungen an, lehnt jedoch weitergehende Informationen „aus Gründen der Geheimhaltungspflicht nach dem Arbeitsschutzgesetz“ ab.

26 Chemie-Unfälle
14,5 Millionen Tonnen Gefahrgut ließ BAYER im Jahr 2000 per Straße, Schiene, Schiff oder Pipeline transportieren. Dabei ereigneten sich 26 Unfälle, bei denen Chemikalien austraten.

BAYER mauert bei Katastrophenschutz
Im Mai 1999 starben bei einer Explosion auf der Tankerbrücke der damaligen Dormagener BAYER-Tochter EC ERDÖLCHEMIE drei Menschen; zehn wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt (Ticker 2/99). Das Chemie-Unglück hatte erhebliche Mängel im Katastrophenschutz offenbart. Es konnten nicht alle BewohnerInnen vor den Gefahren des Chemie-Unglücks gewarnt werden, da die Sirenen überaltet waren und in manchen Ortsteilen ganz fehlten. BAYER sah sich in der Nachberei-
tung nicht genötigt, aus dieser prekären Sicherheitslage Konsequenzen zu ziehen. Es war an dem Dormagener Feuerwehr-Chef Dr. Thomas Skrzek, Handlungen anzumahnen. Der Chemie-Multi hingegen wiegelte ab und betrieb stattdesssen Medien-Schelte. „Schade, dass sich der Konzern offenbar intensiver damit beschäftigt, kritische Medien zu sanktionieren, die Sicherheitslücken aufzeigen, anstatt diese zügig zu schließen“, kritisierte die FDP-Lokalpolitikerin Ilona Wenzel. Zunächst wollte sich der Pharma-Riese als einziges Sicherheitsrisiko weit und breit noch nicht mal an den Kosten von rund 200.000 Euro für neue Sirenen und eine Überholung der alten beteiligen. Erst massive Proteste bewogen ihn zur Zusage, 100.000 Euro beizusteuern.