SWB 01/03 - Ticker

CHEMIE & GIFTE

WHO: Chemikalien wirken wie Hormone
BAYER produziert in großem Umfang Pestizide und Weichmacher. Diese chemischen Stoffe, die in ihrem Aufbau den Hormonen von Lebewesen ähneln, stehen seit langem in Verdacht, den Hormon- Haushalt von Menschen und Tieren zu schädigen. MedizinerInnen machen die hormon-ähnlichen Wirkungen von Chemikalien unter anderem für Krebserkrankungen, die sinkende Anzahl männlicher Spermien sowie für Entwicklungs- und Stoffwechselstörungen verantwortlich. Während der Leverkusener Chemie-Multi diese Gefahr stets herunterspielt oder sogar leugnet, hat jetzt die Weltgesundheits- organisation WHO das Gesundheitsrisiko erkannt. Bei Tieren gäbe es keinen Zweifel mehr an den schädigenden Effekten von hormon-ähnlich wirkenden Chemie-Giften und auch bei Menschen häufen sich Belege für chemie-induzierte Hormon-Störungen, so die UN-Behörde.

Physiologische MCS-Ursachen
Mit MCS (Multiple Chemikalien-Sensitivität) bezeichnen MedizinerInnen eine Krankheit, die Menschen empfindlicher auf Chemikalien reagieren lässt. Wenn ÄrztInnen diese Gesundheitsstörung überhaupt Ernst nehmen und nicht als „eingebildete Krankheit“ psychologisieren, erklären sie sie zumeist mit Defiziten der körper-eigenen Abwehrkräfte. Der Hamburger Umweltmediziner Karl-Rainer Fabig hat in einer molekular- genetischen Untersuchung von 603 PatientInnen ebenfalls individuelle Gründe für den Ausbruch von MCS gefunden, diese aber wiederum mit überindividuellen Entwicklungen in Zusammenhang gebracht. Bei vielen Erkrankten entdeckte er Defekte an denjenigen Genen, die im Körper die Entgiftungsprozesse, den so genannten Fremdstoff-Metabolismus, steuern. Diese Defekte nehmen mehr und mehr zu, was für Fabig ein Zeichen für die Kapitulation des Körpers vor der zunehmenden Chemikalisierung des Alltags ist. Um mehr Aufschluss über diese Gen-Mutationen zu gewinnen, plädiert er für eine „kritische Umwelt- Genetik“, eine Integration gentechnischer Verfahrensweisen in die Umweltmedizin.

Neue Papier-Aufheller
BAYER hat die Produkt-Palette an Aufhellern für die Papier-Industrie um solche aus Tetrasulfo-Typen erweitert. Im Gegensatz zu denen aus Hexasulfo-Typen hergestellten enthalten sie keinen Harnstoff mehr. Trotzdem entstehen bei der Papierausschuss-Aufbereitung durch die verwendeten Bleichmittel noch mehr als genug Chemie-Gifte.