SWB 01/03 - Ticker

DRUGS & PILLS

CIPROBAY für Harnwegsinfektionen
In Ermangelung neuartiger Medikamente versuchen die Pharma- Unternehmen unentwegt, die Anwendungsgebiete für ihre Alt-Arzneien zu erweitern. Sie verändern Darreichungsform und/oder pharmazeutische Zusammensetzung minimal und hoffen so, eine Zulassung zu bekommen. Dadurch sichern sie sich einen erneuten Patentschutz, der dem Präparat eine Monopol-Stellung verschafft und es entsprechend teuer macht. BAYER ist es im Dezember 2002 gelungen, dem Antibiotikum CIPROBAY, dessen Patent in diesem Jahr ausläuft, Markt-Anteile zu sichern. Der Leverkusener Chemie-Multi hat einfach die Dosierung auf 500 Milligramm erhöht, weshalb die PatientInnen es nicht mehr zweimal, sondern nur noch einmal am Tag einnehmen müssen und bei der US-Gesundheitsbehörde FDA eine Zulassung für die Behandlung leichter Harnwegsinfektionen beantragt. Nach Konzern- Studie erhöht das angeblich die Erfolgsquote von 93 auf 95 Prozent.
Die - zudem noch zweifelhaften - zwei Prozent waren der FDA offenbar Innovation genug, um eine Genehmigung auszusprechen. Für die Therapie schwererer Harnwegsinfektionen mit der CIPROBAY-Variante hat der Pharma-Riese bereits einen Antrag gestellt. Sollte auch dieser positiv beschieden werden, rechnet er durch die beiden neuen Indikationen mit einem jährlichen Umsatz von 350 Millionen Euro.

FDA genehmigt Blutzellen-Test
Der BAYER-Konzern weitet sein Angebot an diagnostischen Tests kontinuierlich aus. Jetzt hat das Unternehmen von der US-Gesundheits- behörde FDA auch die Zulassung für ein Verfahren zur Untersuchung von Blutzellen aus dem Gehirn und Rückenmark erhalten. Es soll angeblich die Anfälligkeit für bestimmte Leukämie-Formen, Gehirn-Blutungen, Meningitis, Enzephalitis und einige neurologische Krankheiten bestimmen helfen.

LEVITRA-Nebenwirkungen
Nicht einmal die von BAYER finanzierten Studien zum neuen Potenz-Mittel LEVITRA können die Risiken und Nebenwirkungen des Präparats einfach übergehen. Die auf dem Hamburger Kongress der „European Society for Sexual and Impotence Research“ vorgestellte Untersuchung nennt - natürlich nur im Kleingedruckten und nach der Präsentation der natürlich exzellenten Test-Ergebnisse - als solche Kopfschmerzen, Gesichtsrötungen, Nasenschleimhaut-Entzündungen, Grippe-Symptome und Verdauungsbeschwerden.

Erfolglose Arznei-Tests
Im dritten und letzten Abschnitt der klinischen Erprobung in den BAYER-Laboratorien erwies sich das Antibiotikum FAROPENEM dann doch als wirkungslos. Die zur Behandlung von Krebs vorgesehene Substanz Camtotecin überstand nicht einmal die erste Test-Phase (siehe auch GENE & KLONE).

Erleichterte Zulassungen für Anthrax-Gegenmittel
Als die Milzbrand-Briefe die US-amerikanische Öffentlichkeit im Jahr 2001 in Panik versetzten, war BAYER mit dem Antibiotikum CIPROBAY der Monopol-Anbieter des Gegenmittels. Entsprechend selbstbewusst konnte der Konzern bei Preis-Verhandlungen mit Regierungs- vertreterInnen auftreten. Um die Abhängigkeit vom Leverkusener Chemie-Multi zu verringern, fördert der US-Staat die Entwicklung neuer Medikamente auf diesem Sektor jetzt mit Milliarden-Beträgen. Da er auf schnelle Ergebnisse setzt, hat er die Zulassungsbedingungen aufgeweicht. So brauchen die Pharma-Riesen keine erfolgreiche Anwendung bei Menschen mehr nachzuweisen, gute Resultate bei Tier-Versuchen reichen für eine Genehmigung. Das Gefährdungs- potenzial durch Risiken und Nebenwirkungen der Arzneien dürfte deshalb beträchtlich zunehmen.