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KAPITAL & ARBEIT
Werksschließung in Sarnia Der BAYER-Konzern beabsichtigt, mit einem
Kautschuk-Werk in Sarnia seine größte kanadische Niederlassung dicht zu machen. Wie bereits im Fall des US-amerikanischen Standortes Elkhart geschehen (siehe SWB 3/98), hat sich der Leverkusener Chemie-Multi mit
Sarnia wieder gezielt eine Fertigungsstätte ausgesucht, in der Beschäftigte sich gewerkschaft- lich organisiert haben.
CC-CHEMPLORER hält sich Während inzwischen viele
Internet-Handelsplattformen für die Chemie- Industrie ihren Betrieb wieder einstellen mussten, behauptet sich der von BAYER mitgegründete Online-Marktplatz CC-CHEMPLORER. „Im Handel über Online-Marktplätze in der
Chemie werden sich alle Prognosen erfüllen - nur wird dies viel länger dauern als gedacht“, prognostiziert CHEMPLORER-Chef Christian Rast. Der Leverkusener Chemie-Multi ordert mittlerweile 70 Prozent seines Bedarfs
an Büro- Material, Labor-Flaschen, Helmen und Werkzeug per Mausklick. Das spart dem Unternehmen Zeit bei der Bestell-Abwicklung und deshalb auch Personal. Die Arbeitsplatzvernichtung in den Beschaffungsabteilungen
schreitet munter voran.
Neue E-Business-Handelsplattform BAYER gehörte zu den Mitbegründern von
ELEMICA, einer digitalen Zwischenhandelsplattform für die Chemie-Industrie. Sie ermöglicht es, ganze Lieferketten digital zusammenzustellen. So fädelte sie ein Geschäft von BAYER, DEGUSSA und einem Gummi-und
Reifen-Multi mit mehreren kleineren Abnehmern der Reifen- und Gummi-Industrie ein. Die Abwicklung erfolgte von der Bestellung über die Auftragsbestätigung bis zur Rechnungserstellung „berührungsfrei“, wie es in der
Presse- Information stolz hieß. Es war also keine menschliche Hand in den Geschäftsverlauf involviert, was ein düsteres Licht auf das arbeitsplatzvernichtende Rationalisierungspotenzial des E-Business wirft.
E-Business mit WWRE Die US-amerikanische BAYER-Niederlassung bietet
rezeptfreie Medikamente und andere „Consumer Care“-Produkte Wiederverkäufern jetzt auch per Internet-Handelsplattform an. Das Unternehmen schloss dazu einen Vertrag mit WWRE. Dieses Unternehmen wickelt nicht nur die
Transaktionen ab, sondern verfügt auch über ein Software-System, das alle Daten über die einzelnen Waren wie etwa Beschaffenheit und verfügbare Menge sammelt, und den Konzernen so zur einer Optimierung ihrer
Lieferketten verhilft. Dieser Rationalisierungseffekt dürfte sich hauptsächlich in Arbeitsplatz-Verlusten niederschlagen.
Defizitäres E-Business BAYER ist dem Beispiel anderer Unternehmen
gefolgt und hat den Konzern-Stab „E-Business“ aufgelöst. Die Beschäftigten arbeiten künftig wieder in den einzelnen Konzern-Sparten. Nur innerhalb der IT-Abteilung existiert noch ein eigenes E-Business-Departement.
BAYER-Manager Hans-Jochen Meuer räumt dann auch ein, dass sich die Investition in die Digitalisierung der Geschäftsabläufe für den Leverkusener Chemie-Multi bisher nicht ausgezahlt hat. „Wir sind vorneweg marschiert
und gehörten zu den Pionieren, aber wir haben das Geld noch nicht zurück“, sagte er der Fachzeitschrift CIO. Die Rationalisierungseffekte wie Material- Beschaffung per Mausclick, papierlose Rechnungsanerkennung und
Online-Auftragsabwicklung, die viele Menschen ihren Arbeitsplatz gekostet hat, wertet er aber trotz der Anfangsverluste als Erfolg.
Einsparungen bei CROPSCIENCE Die Kosten für die Integration der 2001
erworbenen AVENTIS- Landwirtschaftssparte in den BAYER-Konzern fallen höher als erwartet aus und belaufen sich auf 550 Millionen Euro. Um die Summe aufzubringen, will BAYER CROPSCIENCE bis zum Jahr 2006 500
Arbeitsplätze vernichten und so 570 Millionen Euro einsparen.
HAARMANN & REIMERler verlieren Jobs Der Leverkusener Chemie-Multi
hatte im vergangenen Jahr seine Tochter-Gesellschaft HAARMANN & REIMER für 1,66 Milliarden Euro an die internationale Investoren-Gruppe EQT NORTHERN EUROPE LIMITED veräußert. EQT hat auch Anteile an der DRAGOCO,
dem anderen Holzmindener Aroma-, Geschmacks- und Duftstoff-Hersteller, erworben und die beiden Firmen unter dem Namen SYMRISE zusammengeführt. Die erste Unternehmenshandlung bestand darin, die Arbeitsplätze
zusammenzustreichen: 950 der ehemals 5.800 Jobs fallen weg.
Vorstandsbezüge 2001: 8,2 Mio. BAYER und sieben andere bundesdeutsche
Konzerne passen sich den international üblichen Gepflogenheiten bei Global Playern an und veröffentlichen künftig die Gehälter ihrer Vorstands- und Aufsichtsrats- mitglieder. Ohne Scham nannte der Leverkusener
Chemie-Multi die sich auf 8,2 Millionen Euro belaufenden Bezüge seines acht-köpfigen Vorstandes. Die Summe setzt sich aus Festbeträgen von 3,8 Millionen Euro und zusätzlichen Einnahmen aus Aktien-Optionen und
erfolgsabhängigen Zahlungen zusammen. Da es im Geschäftsjahr 2001 mit den Erfolgen nicht so weit her war, mussten die BAYER-Manager Lohn-Einbußen von 20 Prozent verkraften. Wohltätige Spenden nimmt die
BAYER-Zentrale dankend entgegen. Die 23 Aufsichtsrätler strichen insgesamt 1,3 Millionen Euro ein (Vorjahr: 2,1 Mio.).
Aktien-Optionen schönen Bilanzen Der acht-köpfige BAYER-Vorstand erhält
etwa die Hälfte seiner Bezüge von 8,2 Millionen Euro in Form von Aktien-Optionen. Dies soll die Manager anhalten, schon in ihrem eigenen Interesse stets den Kurs-Wert des Unternehmens im Auge zu haben. Allzuoft
fühlen sich die Vorstände deshalb nichts anderem als dem Shareholder Value mehr verpflichtet. Aber auch aus bilanztechnischen Gründen erfreuen sich Aktien-Optionen bei den Multis großer Beliebtheit. Viele Global
Player weisen sie in ihren Bilanzen nämlich nicht als Kosten aus und erhöhen so auf dem Papier den Gewinn des jeweiligen Konzerns, was wiederum die Aktien steigen lässt. In den USA, wo die Gehälter der Bosse noch
einmal höher ausfallen als in der Bundesrepublik, lägen nach einer neuen Untersuchung die Gewinne der größten Unternehmen um 30 Prozent niedriger, würden die Aktien-Optionen in ihren Geschäftsberichten als Aufwand
verbucht.
Verkauf der Chemie-Sparte? Die Suche nach einem Junior-Partner für das
Chemie-Geschäft verlief für BAYER genauso ergebnislos wie die nach einem solchen für die Pharma-Sparte. Als „nicht wertschaffend“ hätten sich die in Frage kommenden Optionen erwiesen, verlautete aus der
Konzern-Zentrale. Deshalb will der Vorstand im März über die weitere Zukunft des Unternehmensteils beraten. Schon vorab erklärte BAYER-Chef Werner Wenning Finanz-AnalystInnen gegenüber den Verkauf nicht rentabler
Produktionen für möglich. Sollte es dazu kommen, würde der Leverkusener Multi abermals viele Arbeitsplätze vernichten.
Weniger Pharma-Forschung BAYER kürzt die Forschungsausgaben im
Arzeimittel-Bereich. Sie sollen künftig auf unter 20 Prozent des Pillen-Umsatzes sinken (2001: 27 Prozent). Diese Zahlen belegen, dass das Lamento von Bayer&Co ("nur lange Patentlaufzeiten ermöglichen
Forschung") lediglich kaschieren soll, dass viel mehr Geld in Werbung gesteckt wird als in die Forschung. Durch das Einstellen der Protein-Forschung sowie den Stopp von Medikamenten-Einwicklungen für
Atemwegserkrankungen und Schädigungen des „Zentralen Nervensystems“ will der Konzern das Einspar-Volumen der Pharma-Sparte von 400 auf 600 Millionen Euro erhöhen. Viele Pillen-ForscherInnen dürfte das ihren
Arbeitsplatz kosten.
Zuviel Arbeitsplatzvernichtung? Die von BAYER & Co. betriebene
Arbeitsplatz-Vernichtung hat nur mittelbar etwas mit der Konjunktur-Krise zu tun. Viele Unternehmen nutzen sie als Ausrede, um längst beschlossene Rationalisierungs- maßnahmen zu realisieren. Inzwischen geben die
Bosse das auch zu. Man habe die Job-Streichungen aus-, vielleicht sogar überreizt, gestand ein ungenannt bleiben wollender Manager eines Chemie-Multis der Financial Times Deutschland.
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