SWB 02/2003 - Ticker

AKTION & KRITIK

7.000 Unterschriften für Arbeitsplätze
Die BAYER CROPSCIENCE will am Standort Wolfenbüttel bis zum Jahr 2006 ca. 250 der 430 Arbeitsplätze vernichten (Ticker 1/03). Aus Protest dagegen hat der Betriebsrat über 7.000 Unterschriften gesammelt. Darüber hinaus initiierte er eine Weitflug-Aktion mit Luftballons, an denen Postkarten hingen. Kinder hatten die an BAYER-Chef Werner Wenning adressierten Karten geschrieben und ihn darauf aufgefordert: “Bitte erhalten Sie den BAYER CROPSSCIENCE- Standort Wolfenbüttel, damit mein(e) Mutter/Papa nicht arbeitslos wird”.

IG BCE für Ausbildungspflicht
Die IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) hat eine Ausbildungspflicht gefordert. Der BAYER-Aufsichtsrat und IG BCE- Vorsitzende Hubertus Schmoldt hat ein Modell vorgeschlagen, nach dem Industrie-Betriebe, die weniger Lehrlinge als branchen-üblich einstellen, in einen Fonds einzahlen müssen. Dieser Fonds könnte dann diejenigen Unternehmen finanziell unterstützen, die mit ihrer Ausbildungsquote über dem Soll liegen, so Schmoldt.

CBG schreibt BAYER Offenen Brief
Am 22. Oktober 1999 starben 24 peruanische Schulkinder aus Tauccamarca an einer Pestizid-Vergiftung. Die Frau eines Lehrers hatte das Gift versehentlich in die Schulmilch gemischt. Bei der Agrochemikalie handelte es sich um das BAYER-Produkt FOLIDOL mit einem Parathion-Wirkstoff. In den ländlichen Regionen Perus mit ihrer hohen AnalphabetInnen-Rate war eine solche Verwechslung vorprogrammiert. Die Eltern der Kinder haben im Jahr 2001 deshalb juristische Schritte gegen den Konzern eingeleitet. Der Leverkusener Chemie-Multi versucht eine mögliche Verurteilung auf Schadensersatz jedoch mit allen Mitteln zu verhindern. Aus Protest gegen dieses Verhalten schrieb die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) einen Offenen Brief an BAYER-Chef Werner Wenning. Darin heißt es unter anderem: “Wir verurteilen sowohl die Forderung nach Abweisung der Klage als auch die Argumentationsweise Ihrer Anwälte. Das Vorgehen des BAYER-Konzerns stellt eine zynische Mißachtung des über die peruanischen Familien gebrachten Leids dar”.

CBG unterstützt Cola-Boykott
Im Dezember 2002 fand in Bogotá/Kolumbien das “Internationale COCA-COLA-Tribunal” statt. Es klagte den Getränke-Hersteller unter anderem an, Menschenrechtsverletzungen gegen MitarbeiterInnen, gewerkschaftlich Organisierte sowie Beschäftigte anderer Hautfarbe begangen und dabei nicht einmal vor Mord zurückgeschreckt zu haben. Zur “Strafe” beschlossen die Konzern-KritikerInnen, ab dem 22. Juli 2003 alle COCA-COLA-Produkte zu boykottieren. Als Bestandteil des globalen Netzwerks gegen die Macht der Multis war auch die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) in Kolumbien vertreten.

OECD ermittelt gegen H.C. STARCK
Die BAYER-Tochter H.C. STARCK ist einer der weltgrößten Coltan- Verarbeiter und macht vor allem mit der Handy-Industrie große Geschäfte. Den Rohstoff bezieht das Unternehmen seit langem aus dem Kongo und finanziert so den blutigen Bürgerkrieg in dem afrikanischen Land mit. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat dieses Kriegsgewinnlertum in der Vergangenheit immer wieder angeprangert und im Dezember 2002 auch einen Aufruf unterstützt, der die “Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung” (OECD) zu Ermittlungen in der Sache “H.C. STARCK” auffordert. Diese Untersuchungen hat die OECD nun wirklich begonnen, allerdings ohne Nichtregierungsorganisationen wie die CBG daran zu beteiligen.

BROCKHAUS wirbt für ASPIRIN
Der BROCKHAUS-Kinderkalender macht unverhohlen Werbung für Pharma-Produkte wie ASPIRIN. “Maja ... bekämpft ihrer Kopfschmerzen lieber mit ASPIRIN” heißt es dort etwa oder “ASPIRIN wirkt gegen Fieber, Entzündungen und Schmerzen - und natürlich auch gegen den Kater nach einem feucht-fröhlichen Abend”. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat in einem Schreiben an den Verlag gegen den Versuch protestiert, den Grundstein für die Medikalisierung der Gesellschaft schon bei den Jüngsten zu legen. Die Verantwortlichen sicherten der CBG zu, zukünftig auf Schleichwerbung zu verzichten.

Kritik an der IG BCE
In einem Interview mit der Jungen Welt übte der BAYER-Betriebsrats-
angehörige Klaus Annuß von der BELEGSCHAFTSLISTE, einer oppositionellen Gewerkschaftsgruppe im Wuppertaler BAYER-Werk, Kritik an der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE). “Die IG BCE ist zum Anhängsel des Arbeitgeber-Verbandes geworden. Fast monatlich gibt es gemeinsame Veröffentlichungen”, monierte er. Zur Möglichkeit der Gründung einer alternativen Gewerkschaft befragt, antwortete Annuß: “Wenn man sich anschaut, wie sich der DGB in der Hartz-Kommission verhalten hat, kann man schon auf solche Ideen kommen”. Er sprach sich dafür aus, in den Betrieben Widerstand gegen die Kahlschlag-Pläne der Agenda 2010 zu organisieren, welche der IG BCE-Vorsitzende und Schröder-Intimus Hubertus Schmoldt unterstützt. Die Stimmung in den Werken schätzte er jedoch als nicht unbedingt aktionsbereit ein: “Das Problem ist, dass im Betrieb der Sozialabbau schon lange im Gang ist. Viele betriebliche Leistungen sind mit Zustimmung der IG BCE abgebaut worden. Da ist der Frust riesengroß. Es gibt beides: Empörung und Resignation.”

Gipperich gegen Agenda 2010
Der Vorsitzende des BAYER-Gesamtbetriebsrates, Erhard Gipperich, wandte sich gegen die Agenda 2010-Pläne. “Viele, die jahrzehntelang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, fühlen sich betrogen, wenn das Arbeitslosengeld mit der Sozialhilfe zusammengelegt wird”, sagte er dem Bocholter/Borkener Volksblatt. Und er kündigte Gegenwehr an: “In diesen Zeiten, in denen uns von den eigenen Genossen der Wind ins Gesicht bläst, kommt es darauf an, sich gegenseitig Mut zu machen. Wer nicht kämpft, hat schon verloren”.

Immer mehr GAUCHO-Probleme
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) erreichen immer mehr Klagen von ImkerInnen, die über das Sterben ihrer Bienenvölker durch das BAYER-Pestizid GAUCHO berichten. Die CBG liefert ihnen Hintergrund-Informationen vermittelt Kontakte zu anderen Geschädigten, so dass sich der Protest vernetzen kann.

Erfolg der GAUCHO-Kampagne
Die bereits lang andauernde Kampagne der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) zu den Gefahren des BAYER-Pestizides GAUCHO für Bienenvölker zeitigt erste Erfolge. Angeregt durch die CBG, hat der NATURSCHUTZBUND DEUTSCHLAND (NABU) in einer gemeinsam mit dem “Berufsimkerverband” verfassten Presse-Erklärung ein Verbot des Saatgutbehandlungsmittels gefordert. Parallel dazu sind das Verbraucherschutzministerium und das Umweltbundesamt auf das Problem aufmerksam geworden.

Protest gegen laxe Pestizid-Gesetze
LandarbeiterInnen sind den Gefahren der von BAYER & Co. hergestellten Pestizide am schutzlosesten ausgesetzt. Nach einer Studie der Wissenschaftler Mills und Kwong tragen sie, die oftmals als ArbeitsmigrantInnen aus Mexiko oder anderen südamerikanischen Staaten in die USA kamen, ein um 59 Prozent erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken. Die Wahrscheinlichkeit, Magenkrebs zu bekommen, steigt für sie sogar um 70 Prozent. Dies zeigt, dass die Arbeitsschutz-Bestimmungen völlig unzureichend sind. Die US- amerikanische Umweltbehörde EPA leitete zwar eine Überprüfung der Schutz-Vorschriften ein, sie kam aber zu dem Ergebnis, dass sie ausreichten. Das führte in den Vereinigten Staaten zu einem massiven Protest aller führenden FarmarbeiterInnen-Organisationen.

Anhörung wg. CIPROXIN-Nebenwirkungen
Bei Arzneimittel-Tests in Großbritannien mit dem Antibiotikum CIPROXIN (= CIPROBAY) in oraler Dareichungsform hatte es viele Zwischenfälle gegeben. Einige ProbandInnen starben sogar an Infektionen, weil das Präparat nicht antibiotisch wirkte (SWB berichtete mehrfach). BAYER verschwieg die Vorfälle den Behörden. Jetzt beschäftigt sich das britische Unterhaus auf Antrag einer Abgeordneten mit dem Thema.

CBG bei ESF-Treffen
CBG-Vorständler Axel-Köhler-Schnura hat im Februar in Berlin an einem Vorbereitungstreffen für das nächste Europäische Sozial-Forum (ESF) teilgenommen, das im Herbst in Paris stattfinden soll. Bei dem Meeting wurde auch die Gründung eines bundesdeutschen Sozialforums beschlossen, um den Globalisierungsprotest lokal zu verankern. Bedenklich erscheint allerdings eine Entwicklung, die das ESF immer mehr in Richtung einer antineoliberalen statt antikapitalistischen Bewegung gehen lässt. So gibt es in Paris keine Sektion “Wirtschaft” als Forum für explizite Konzern-Kritik mehr, der entsprechende Bereich trägt jetzt vielmehr den schwammigen Namen “Nachhaltige und solidarische Entwicklung”.

Unethischer Pestizid-Handel
Ein dänischer Agrar-Ingenieur, der in Ecuador die LandarbeiterInnen- Gewerkschaft im Umgang mit Pestiziden schult, hat bei der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) Informationsmaterial über Agrochemikalien-Vergiftungen angefordert.  Er berichtete dabei über die rücksichtslose Vermarktungspraxis des Chemie-Multis in dem zentralamerikanischen Land. Der Konzern unterlässt es, die über keine ausreichende Erfahrung mit Pestiziden verfügenden und oft auch des Lesens und Schreibens nicht mächtige LandwirtInnen auf die Gefahren der Substanzen hinzuweisen. “Der Pestizid-Markt hier in Zentralamerika wird von BAYER-Produkten überflutet. An der Art und Weise, wie sie die Sachen verkaufen, ist nichts Ethisches”, so der Entwicklungshelfer.

US-LandwirtInnen gegen Gentechnik
Unter dem Dach der “National Family Farm Coalition” (NFFC) haben dreißig Landwirtschaftsorganisationen der USA eine kritische Erklärung zur “grünen Gentechnik” abgegeben. Die FarmerInnen traten für einen Stopp aller bislang genehmigten Freisetzungsversuche ein und forderten, es BAYER & Co. zu verbieten, Patent-Ansprüche auf menschliches Leben, Tiere und Pflanzen zu erheben.

Gen-KritikerInnen blockieren Zentrale
Zeitgleich zur BAYER-Hauptversammlung am 25. April haben britische Gentechnik-GegnerInnen die Zentrale von BAYER CROPSCIENCE in Cambridge blockiert, um auf die Gefahren der Risiko-Technologie aufmerksam zu machen.

Leserbrief gegen Beschäftigungspakt
Ein Leser der Westdeutschen Zeitung kritisierte den zwischen BAYER und der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) vereinbarten Beschäftigungspakt (siehe KATPITAL & ARBEIT) in einer Zuschrift an die Redaktion scharf. “Die Belegschaft würde sich freuen, wenn der Betriebsrat und die zuständige Gewerkschaft IG BCE dem Unternehmen endlich mal die Zügel anlegen würde und BAYER die ‘Rote Karte’ zeigt. Denn von der viel gepriesenen ‘Sozialverträglichkeit’ beim Personal-Abbau ist in der Praxis nicht viel zu sehen. (...) Die Arbeitnehmer-Vertreter haben die Chance verpasst, die Belegschaftsproteste vor Weihnachten positiv zu nutzen”, heißt es in dem Leserbrief unter anderem.