SWB 02/2003 - Ticker

ERSTE & DRITTE WELT

Brasilien: BAYERs “Armutsbekämpfung”
Nirgendwo in Lateinamerika geht die Schere zwischen arm und reich so weit auf wie in Brasilien. Die Hälfte des Gesamteinkommens teilen sich lediglich zehn Prozent der Bevölkerung. BAYER hat einen nicht geringen Anteil an der Entstehung immer neuer Elendsgürtel rund um die großen Städte. Die von dem Konzern als einem der weltgrößten Pestizid- Hersteller im Rahmen der “grünen Revolution” massiv betriebene Industrialisierung der Landwirtschaft ruinierte die Existenz von Millionen LandwirtInnen. Und die drei Millionen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, die von 1985 bis 1997 ihre Agrar-Wirtschaften aufgaben, zogen zumeist in die Favelas von Rio oder São Paulo. Zynisch mutet es da an, wenn der BAYER/Brasilien-Chef Armin Burmeister fordert: “Die Einkommens-
lücke muss geschlossen werden” und ankündigt, der Konzern wolle sich wie DAIMLER/CHRSYLER und DEGUSSA am Sozial-Programm “Fome Zero” (Null Hunger) des neuen Präsidenten Luiz Inácio Lula das Silva beteiligen. Außer Geldspenden plant der Chemie-Multi Maßnahmen zur keimfreien Aufbereitung von Trinkwasser. Zudem zweigt das Unternehmen bereits seit 1993 etwas aus der Porto-Kasse für Armen-Speisungen ab.