SWB 02/2003 - Ticker

GENE & KLONE

Heimlich Terminator-Gene verwendet
Bei einem Freisetzungsversuch mit Gen-Raps hat BAYER den Genehmigungsbehörden die Verwendung von Terminator-Genen verschwiegen. ForscherInnen vom Institute of Science in Society (ISS) haben das Täuschungsmanöver aufgedeckt.  Das Terminator-Saatgut ist steril gemacht und verhindert damit die unter Landwirtinnen seit Jahrhunderten übliche Praxis der Wiederaussaat. Nach den Vorstellungen des Leverkusener Chemie-Multis sollen sie künftig jedes Jahr neues Saatgut kaufen müssen, was vor allem viele Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in der “Dritten Welt” ruinieren dürfte. Gentechnik-kritische Organisationen wie GM-FREE CYMRU aus Wales haben deshalb massiv gegen die Fortsetzung des Freiland-Versuches protestiert und eine parlamentarische Initiative angekündigt. In der Vergangenheit hatte der Agro-Konzern MONSANTO nach einer GREENPEACE-Kampagne die Produktion von Gen-Pflanzen mit Terminator-Genen aufgegeben.  

Genpflanzen-Zulassungen beantragt
Am 21. November 2002 hat das EU-Parlament die Empfehlung ausgesprochen, das Zulassungsmoratorium für Gentech-Pflanzen aufzuheben. Der Leverkusener Chemie-Multi hat das als klares Signal aufgefasst und bei der Europäischen Kommission Zulassungsanträge für Raps und Soja-Bohnen mit einer gentechnisch eingebauten Resistenz gegen das Anti-Umkrautmittel BASTA gestellt. Wenn nicht einzelne EU-Staaten Widerspruch einlegen, könnten die Genehmigungen für Freisetzungsversuche schon Ende März erfolgen.

EU forciert “grüne Gentechnik”
Nach der geplanten Aufhebung des Zulassungsmoratoriums für Gen-Pflanzen (s.o.) gibt die EU in allen Bereichen grünes Licht für die grüne Gen-Technik, ohne auf die Interessen von VerbraucherInnen oder diejenigen von konventionell oder ökologisch anbauenden LandwirtInnen Rücksicht zu nehmen. So sollen nach Plänen des Agrar-Kommissars Franz Fischler nicht etwa BAYER & Co für gentechnisch verunreinigten Feldfrüchte durch Auskreuzungen von Gentech-Pflanzen mit konventionellen aufkommen, sondern derjenige, “der den wirtschaftlichen Nutzen aus dem von ihm gewählten Anbau-Verfahren” hat, also der/die geschädigte LandwirtIn. Auch eine spezielle Haftungsregelung hält er nicht für nötig. Sicherheitsabstände will er ebenfalls nicht gesetzlich vorschreiben. Er beabsichtigt, die Aushandelung der Schutzzonen den Bauern und BäuerInnen zu überlassen. Da selbst ausgesparte Flächen zwischen Gentech- und Öko- oder konventionellen Äckern Verunreinigungen nicht verhindern, dürfte es in Zukunft kaum noch Nahrungsmittel ohne Gen-Spuren geben.

Klonen macht krank
BAYER hält 8,5 Prozent an der schottischen Biotech-Firma PPL THERAPEUTICS, die durch die Erfindung des kürzlich verstorbenen Klonschafs “Dolly” traurige Berühmtheit erlangte. Der vorzeitige Tod des Gen-Schafs kam dabei nicht unerwartet. Ein große Anzahl der Reagenzglas-Geburten leidet an Riesenwuchs, Fettleibigkeit, Herz- Störungen, Leberschäden und Missbildungen. Der Wissenschaftler Rudolf Jaenish vom Whitehead Institute in Massachusetts untersuchte jetzt die Erbanlagen von Klon-Mäusen und fand heraus, dass 400 von 10.000 ihre Gene Störungen aufwiesen. Aufgrund seiner Untersuchungsergebnisse schätzte er die Möglichkeit, in naher Zukunft einen physiologisch “normalen” Klon zu produzieren als sehr gering ein. Schlechte Aussichten für das Frankenstein-Business!

Kein AAT aus transgenen Schafen
BAYER musste abermals einen herben Rückschlag auf dem Gebiet der Gentechnik hinnehmen. Das vollmundig als “Doing drugs the milky way” angekündigte Vorhaben, aus Schafen Produzenten des Pharma- Proteins Alpha-1-Antitrypsin (AAT) zur Behandlung von Lungenkrank-
heiten zu machen, ist gescheitert. Die schottische Biotech-Firma PPL THERAPEUTICS (s. o.) hatte Schafen im Auftrag von BAYER ein menschliches Gen in den Euter geschleußt, das dort AAT produzieren sollte. Aber offenbar hat Mutter Natur den Dr. Frankensteins einen Strich durch die Profit-Rechnung mit dem “Gene-Pharming” gemacht.

Gen-Pflanzen machen krank
Bei der Übertragung von fremden Erbinformation auf Pflanzen verwenden die GenforscherInnen von BAYER & Co. den Cauliflower- Mosaikvirus als so genannten Promotor, um das neue Gen auch zu aktivieren. Dieser Virus kann bei der Weiterverarbeitung der gentechnisch manipulierten Sorten zu Lebensmitteln in die Nahrungskette gelangen und so beim Menschen Magen- und Darmkrebs auslösen. Vor dieser Gefahr hat der schottische Mediziner Dr. Stanley Ewen gewarnt.

Abkommen mit “Whitehead Institute”
Das US-amerikanische “Whitehead Institute” mit Sitz in Cambridge entschlüsselt für BAYER im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung das Erbgut des mais-schädigenden Pilzes “Ustilago maydis”.  

Protein-Projekt stockt
Gene enthalten die Baupläne für Proteine. Und diese Eiweiß-Stoffe, nicht die Gene selber, steuern maßgebliche Stoffwechsel-Prozesse im menschlichen Körper. Deshalb konzentrieren die Pharma-Konzerne ihre Energie nach der Genom-Entschlüssung nunmehr auf das menschliche Proteom. BAYER hat sich 2001 an einem entsprechenen Forschungsprojekt des Berliner Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin beteiligt (Ticker 2/01). Aber die Katalogisierung gestaltet sich schwieriger als erwartet. Die Proteine verändern sich nach Übertragung der Erb-Informationen nämlich weiter, so dass sich aus dem menschlichen Genom Millionen von Eiweißen bilden können. Davor kapitulierten bereits einige Biotech-Firmen. Sie haben unter dem Druck ihrer Geldgeber die Protein-Kartografierung aufgegeben und konzentrieren sich inzwischen auf das markt-nähere Entwickeln von Medikamenten.

NRW fördert Stammzellen-Forschung
Nordrhein-Westfalen investiert massiv in die Forschung mit Stammzellen. Auf Initiative des Landes hat sich das “Kompetenz- Netzwerk Stammzellforschung Nordrhein-Westfalen” gebildet, das an allen wichtigen Hochschul-Standorten Filialen hat. Und alle machen mit. Laut Wissenschaftsministerium bündeln “führende Mediziner, Naturwissenschaftler, Philosophen, Sozialwissenschaftler, Juristen und Theologen (!) ihre Kompetenzen, um Stammzell-Forschung verantwortbarer und transparenter zu gestalten”. Allein die über fünf Jahre gehende Förderung von zwei Nachwuchs-GenwerkerInnen lässt sich die Landesregierung per anno 1,75 Millionen Euro kosten. Da werden sich für BAYER bald wissenschaftliche Synergie-Effekte einstellen.

BAYER steigt bei KWS aus
Der Leverkusener Chemie-Multi hat angekündigt, seine Beteiligung an der Kleinwanzlebener Saatzucht (KWS) zu veräußern. Den 15 prozentigen Aktien-Anteil am fünftgrößten Saatgut-Produzenten der Welt will BAYER an die SÜDZUCKER AG abgeben.