SWB 02/2003 - Ticker

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

EU debattiert über Pestizide
Im März 2003 beschäftigte sich das Europäische Parlament anlässlich einer Kommissionsvorlage über die “nachhaltige” Nutzung von Pestiziden mit der Gefährlichkeit der von BAYER & Co. produzierten Agro-Chemikalien. In einer Entschließung forderten sie die Europäische Kommission zur Ausarbeitung eines Reduktionsplanes aus, der die Verringerung des Ackergift-Gebrauchs um 50 Prozent binnen der nächsten zehn Jahre vorschreibt.

Wenn LandwirtInnen zuviel spritzen ...
BAYER und andere Pestizid-Hersteller empfehlen den LandwirtInnen viel zu hohe Dosen. Zu diesem Ergebnis kam eine auf sechs Jahre angelegte Untersuchung der “Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwissenschaft” (BBA). Die WissenschaftlerInnen hatten die Wirkstoff-Mengen um die Hälfte reduziert und trotzdem keine Ernte-Einbußen durch Pilz-Befall und/oder Schadinsekten beobachtet. Da kam Hannelore Schmidt vom “Industrieverband Agrar”, dem auch BAYER angehört, in Erklärungsnot. “Die Empfehlungen der Industrie sind so bemessen, dass sie den Behandlungserfolg auch unter ungünstigsten Bedingungen garantieren”, lautete ihre Ausrede für die lukrativen Dosierungsangaben der Ackergift-Produzenten.

Agro-Sparte: - 9 %
Im Jahr 2002 setzte BAYER mit Pestiziden und Saatgut neun Prozent weniger um als im Vorjahr. Ursache für diesen Rückgang stellten die niedrigeren Preise, die Wirtschaftskrise in Brasilien sowie das Klima in den USA dar, dass die FarmerInnen die Agro-Gifte sparsamer einsetzen ließ.

Neue Pestizide
BAYER hat die Zulassung für drei neue Pestizide beantragt. Die gegen Pilze wirkende Agro-Chemikalie FANDANGO ist zum Einsatz in Weizen- und Gerste-Kulturen bestimmt. Das Pestizid ATLANTIS WG soll auf Wintergetreide-Feldern unliebsamen Gras-Sorten - BAYER nennt es “Ungras” - den Garaus machen. Das Saatgut-Behandlungsmittel PONCHO schließlich ist ein Nachfolger des berühmt-berüchtigen Bienen-Killers GAUCHO (siehe AKTION & KRITIK) und vergiftet unter anderem Käfer-Arten wie den Maiswurzelbohrer und Fliegen.

Nervenkrankheiten durch Pestizide
Nach einer Studie der französischen Wissenschaftlerin Dr. Isabelle Baldi, die in Bordeaux an der Universität “Victor Segalen” lehrt, tragen Menschen, die mit den Agro-Chemikalien von BAYER & Co. in Kontakt kommen, ein erhöhtes Risiko, an Alzheimer oder Parkinson zu erkranken.

BAYER spritzt in vollen Zügen
Das Bundesumweltamt hat der DEUTSCHEN BAHN AG im Jahr 2001 verboten, das BAYER-Pestizid DIURON weiterhin auf den Gleis-Anlagen zur Unkraut-Beseitigung zu verwenden, da WissenschaftlerInnen kein anderes Produkt so oft in Oberflächen-Gewässern nachgewiesen haben wie dieses Anti-Unkraut-Mittel. Jetzt benutzt die Bahn Spritzzüge, die mit einem anderen Ackergift des Leverkusener Chemie-Multis gefüllt sind. Nach BAYER-Angaben sind diese mit speziellen Sensoren ausgerüstet, die gewährleisten, dass die Schotten nur aufgehen, wenn wirklich Unkraut auf den Bahn-Strecken blüht. Ein TV-Journalist hat allerdings anderes beobachtet. Seiner Meinung nach kann von einem gezielten Einsatz nicht die Rede sein, da der Spritzzug nach dem Gießkannen-Prinzip arbeitete, ohne Rücksicht darauf, ob er gerade Wasserschutz-Gebiete durchquerte oder seine giftige Fracht in der Nähe von Flüssen entlud.