SWB 02/2003 - Ticker

SPORT & MEDAILLEN

Schlechtes Image durch Fußballer
Soziales Engagement treibt BAYER nicht zur Sport-Förderung. Sogar das Mutter-und-Kind-Turnen muss nach den Worten vom Sport- Beauftragten des Konzerns, Meinolf Spring, einen “return on investment” abwerfen. Die mit ca. 15 Millionen Euro im Jahr alimentierte Bundesliga- Truppe hat die Aufgabe, durch gute Leistungen und Teilnahme an europäischen Wettbewerben den Bekanntheitsgrad der Marke “BAYER” zu steigern. Die Konzern-StrategInnen haben den Werbe-Wert der Ball-Treter sogar schon genau berechnet und auf 200 Millionen Euro beziffert. Im Moment sinkt er durch den schlechten Tabellen-Platz und diverse Trainer-Wechsel allerdings beträchtlich, und Spring wird nervös: “Das bringt die ganze Marke in Gefahr”. Gegenüber der Konzern-Leitung steht er seit einiger Zeit unter verstärktem Rechtfertigungsdruck und versucht, sie mit Sprüchen wie “Fußball ist eben ein Stück Show-Business” zu beruhigen.

Kürzungen bei der Sport-Förderung
Der Leverkusener Chemie-Multi hat alle von ihm bezuschussten Sport- Vereine angewiesen, im nächsten Jahr fünf Prozent des Etats einzusparen. Beim Badminton-Verein SC BAYER Uerdingen ging der Konzern sogar noch weiter. Den Club schützte nicht einmal die Erringung des Bundesliga-Meistertitels vor der Abwicklung. “Badminton, so schön der Sport auch ist, hat leider keinerlei messbaren Werbe-Image-Effekt über die lokalen Grenzen hinaus, der ein derartiges Engagement rechtfertigt”, begründete BAYERs Sportbeauftragter Meinold Spring die Entscheidung lapidar. Unter den Spielern löste die Nachricht Fassungslosigkeit aus. “Ich habe den Leuten in die Augen geschaut. Sie waren geschockt und sehr traurig. Einige haben sogar geweint”, so Vereinsleiter Alfred Swyen.

Volleyballer bangen um Zukunft
“BAYER ist schnell dabei, eine erfolgreiche Mannschaft fallen zu lassen”, zitiert die Berliner Zeitung einen Wuppertaler Sport-Journalisten. Darum haben auch die Bundesliga-Volleyballer vom SV BAYER Wuppertal Angst um ihre Zukunft. Für die Teilnahme am Europa-Pokal fehlte dieses Jahr wegen der Etat-Kürzung um 25 Prozent auf 400.000 Euro bereits das Geld. Und über die Planungen zur neuen Saison gab es trotz auslaufender Spieler-Verträge noch keine Gespräche mit BAYER.

Arbeitsverweigerung bei BAYER 04
BAYER 04 Leverkusen hatte schon vor dem bedeutungslos gewordenen Champions-League-Spiel gegen Barcelona angekündigt, dass die Mannschaft wegen der Beanspruchung im Bundesliga-Abstiegskampf einen Schongang einlegen würde. RTL rechnete deshalb mit desaströsen Einschalt-Quoten und warf dem Club deshalb geschäftsschädigendes Verhalten vor: “Es ist nicht besonders spaßig für uns, auf der einen Seite mit einer unglaublich teuren Investition, aber noch mehr mit einer persönlichen Leidenschaft jedes einzelnen in den Abend hineinzugehen, wo du sagst, dass die Hauptdarsteller eigentlich keine Lust haben an ihrem Tun”, erboste sich der RTL-Sportchef Manfred Loppe über die angekündigte Arbeitsverweigerung, die das Team bei der 0:2-Niederlage dann auf dem Platz auch wirklich demonstrierte.