SWB 03/2003 - Ticker

AKTION & KRITIK

Wieczorek-Zeul antwortet CBG
Die BAYER-Tochter HC STARCK bezieht seit langem das Metall Coltan aus dem Kongo und finanziert so den blutigen Bürgerkrieg in dem afrikanischen Land mit. Die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN (CBG) hat im Juni einen Brief in dieser Angelegenheit an die Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul geschrieben. „Auch ich verfolge mit großer Sorge die illegale Ausbeutung von Rohstoffen in der DR Kongo und deren Implikationen für den Konflikt“, antwortete Heidemarie Wieczorek-Zeul und fuhr fort: „Ich darf ihnen versichern, dass die Bundesregierung die Problematik seit Veröffentlichung des ersten Berichts des Experten-Panels der Vereinten Nationen genaustens verfolgt und zur Lösung derselben beitragen möchte“. Sie wurde auch konkreter: „Die Bundesregierung setzt ihre Bemühungen fort, auf HC STARCK einzuwirken. Vor allem wollen wir weitere Untersuchungen des Panels nutzen, um die Aussage der Firma zu überprüfen, die behauptet, sie beziehe von dort keine Rohstoffe.“ Ihr Brief schloss mit den Sätzen: „Ich bedanke mich für ihr Interesse und ihr Engagement hinsichtlich der Problematik. Sie sorgen mit dafür, dass ein schweres Problem, welches in den Medien selten an erster Stelle steht, hoffentlich gelöst werden kann“.

Kontakt mit Pharmakologin
Eine Pharmakologin aus Schottland, die lange bei BAYER beschäftigt war, hat aus „Abscheu vor den gängigen Geschäftspraktiken“ gekündigt und Verbindung zur COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) aufgenommen. Sie bat um Zusendung von Hintergrund- Materialien und um die Vermittlung von weiteren Kontakten.

CBG-Eingabe zur EU-Chemiepolitik
BAYER & Co. haben die meisten ihrer Chemikalien noch nie auf ihre schädlichen Wirkungen hin untersucht (Ticker berichtete mehrfach). Weil dies Mensch, Tier und Umwelt einer großen Gefahr aussetzt, will die EU die Konzerne zu einer Überprüfung der Substanzen veranlassen. Dagegen wehren diese sich vehement, wobei sie auf tatkräftige Mithilfe der Standort-PolitikerInnen rechnen können. Bundeskanzler Schröder intervenierte auf Geheiß der Chemie-Multis bereits in Brüssel. Im Juni hat die EU die verschiedene gesellschaftlichen Gruppen aufgefordert, Kommentare zum geplanten Chemikalien-Zulassungsverfahren abzugeben. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat in ihrer Einlassung eine rasche Verabschiedung des Chemikalien- Gesetzes ohne Berücksichtigung der von BAYER & Co. vorgeschlagenen Aufweichungen gefordert. Der Leverkusener Chemie- Multi hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet und ganz unbescheiden „fünf Anforderungen an eine zukunftsorientierte europäische Chemikalien- Politik“ gestellt. Darin mahnte er unter anderem unverhohlen das Primat der Ökonomie gegenüber der Ökologie an. „Die weltweite Wettbewerbsfähigkeit muss mit den Zielen des Umwelt- und Verbraucherschutzes in Einklang gebracht, darf ihnen aber nicht untergeordnet werden“, schrieb der Konzern unter der viel sagenden Überschrift „Innovationskraft nicht behindern“.

Bundesregierung preist BAYER
Das von der Bundesregierung herausgegebene Entwicklungshilfe- Magazin e.velop preist BAYER in der Juli-Ausgabe mit dem Schwerpunkt „Brasilien“ als sozialen Wohltäter in dem lateinamerikanischen Land. Es lobt BAYERs Unterstützung eines Projektes gegen Kinderarbeit, die Initiative des Konzerns zur Schulung von LandarbeiterInnen im Umgang mit Pestiziden, das Engagement in der Forschung zu Antibiotika-Resistenzen und bescheinigt dem Werk in Belford Roxo, besonders umweltfreundlich zu sein. Hätte das Magazin sich nicht nur aus BAYER-Quellen informiert, wäre es zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Spenden für ein Projekt gegen Kinderarbeit erscheinen als zynisch vor dem Hintergrund, dass der Chemie-Multi sich bei der Produktion von sterilem Saatgut in Indien auf die Arbeitskraft von 2.000 Minderjährigen stützt. Auch ist es keinesfalls ein netter Zug von BAYER, LandarbeiterInnen in die korrekte Handhabung von Agro-Giften einzuweisen. Nach den Richtlinien der Welternährungsorganisation FAO ist der Chemie-Multi dazu verpflichtet, Pestizide der Gefahrenklasse I nur an „trainierte und zertifizierte Personen“ zu verkaufen. Die Forschung zu Antibiotika-Resistenzen ist durch Eigen-Interessen begründet, steigt doch die Zahl der Krankheitserreger, die gegen die BAYER-Mittel CIPROBAY und BAYTRIL resistent sind, ständig - nicht zuletzt, weil die Markteting-Abteilung des Unternehmens für eine massenhafte Anwendung sorgt. Wie weit es mit dem Umweltschutz in unmittelbarer Nähe des Werkes in Belford Roxo bestellt ist, fanden schließlich GREENPEACE-ForscherInnen heraus. Überall im Umfeld der Anlage wiesen sie Giftstoffe wie Schwermetalle, Quecksilber, Pestizide und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) nach. All diese Fakten teilte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) der e.velop-Redaktion in einem langen Protest-Schreiben mit.

CBG unterstützt JUGEND GEGEN KRIEG
20 junge WuppertalerInnen hat das Treiben der BAYER-Tochter HC STARCK, die das Sondermetall Coltan aus dem Kongo importiert und so zur Finanzierung des dort tobenden Bürgerkrieges beiträgt, dazu bewegt, die Initiative JUGEND GEGEN KRIEG zu gründen. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat sie beim Aufbau durch das Bereitstellen von Materialien unterstützt. Zudem hat CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes auf Einladung der Initiative einen Vortrag über das Thema „BAYER und Kongo“ gehalten.

GAUCHO: CBG stellt BürgerInnen-Antrag
Die CBG hat - unterstützt von der für die Grünen im EU-Parlament sitzenden Hiltrud Breyer - der EU-Kommission eine Anfrage in Sachen „Bienensterben durch das BAYER-Pestizid GAUCHO“ zukommen lassen. Die Antwort auf diesen so genannten BürgerInnen-Antrag muss die Kommission dann dem EU-Umweltausschuss vortragen.

Phosgen-Anfrage: noch keine Antwort
Mit der Erweiterung der Kunststoff-Fertigung im Uerdinger BAYER-Werk ist auch die vermehrte Produktion von Phosgen verbunden (SWB 1/03). Da es sich bei dem chlorierten Kohlenwasserstoff um eines der gefährlichsten Gase überhaupt handelt und sich im Dezember 2002 bereits ein Störfall ereignet hat, hat die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) eine Anfrage an das Umweltministerium gestellt. Die Antwort lässt allerdings bisher auf sich warten. Die CBG hakte nach und erhielt folgenden Bescheid: „Die Beantwortung hatte sich durch mehrere Nachfragen im nachgestellten Bereich verzögert. Das Schreiben ist im Entwurf gefertigt und liegt gegenwärtig zur Kenntnisnahme und Mitzeichnung bei der Hausspitze. Ich gehe davon aus, dass sie noch diesen Monat (Juli, Anm. Ticker) eine Antwort erhalten.“ Bis zum Redaktionsschluss Ende August traf allerdings keine Post vom Umweltministerium ein ...

Aktion gegen Pestizid-Werbung
Die Ackergift-Werbung von BAYER & Co. verharmlost die von den Substanzen ausgehenden Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt. In Kanada hat das die Initiative EARTH ACTION auf den Plan gerufen. Sie hat eine Kampagne gegen die PR-Maßnahmen für Gifte gestartet, welche die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) unter anderem durch die Zusendung von Hintergrund-Materialien unterstützt hat.

Aufrufe zur Chemikalien-Sicherheit
BAYER & Co. haben die meisten ihrer Chemikalien noch nie auf ihre schädlichen Wirkungen hin untersucht (Ticker berichtete mehrfach). Weil dies Mensch, Tier und Umwelt einer großen Gefahr aussetzt, will die EU die Konzerne zu einer Überprüfung der Substanzen veranlassen, wogegen diese sich vehement  wehren. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement haben BAYER & Co. schon auf ihre Seite ziehen können. Um den Sicherheitsinteressen der VerbraucherInnen gegenüber der mächtigen Chemie-Lobby Geltung zu verschaffen, haben sowohl der WORLD WILDLIFE FUND (WWF) als auch GREENPEACE Aufrufe initiiert, welche die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) beide unterzeichnet hat.

Für Referendum, gegen EU-Verfassung
BAYER und andere Mitgliedsunternehmen des „European Roundtable of Industrialists“ hatten in Brüssel großen Einfluss auf die Ausarbeitung des Entwurfs zur EU-Verfassung (siehe SWB 3/03). Sie sorgten unter anderem dafür, dass „die unternehmerische Freiheit“ Verfassungsrang erhält. Ein garantiertes Recht auf Rente oder auf Schutz im Falle einer Erwerbslosigkeit gibt es dagegen nicht, und sogar die in der Grundrechte-Charta aufgeführten sozialen Rechte stehen unter Finanzierungsvorbehalt. Gäbe es ein Referendum zur geplanten Verfassung, könnten kritische Gruppen die industrie-freundliche Ausrichtung der europäischen Magna Carta zum Thema machen. Darum unterstützt die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) eine entsprechende Initiative.

Asbest: BAYER in der Kritik
Die Zahl der unter einer Asbest-Vergiftung leidenden ehemaligen MitarbeiterInnen gibt BAYER nicht genau an. Über die im „Sustainable Development“-Bericht für das Jahr 2000 aufgeführten 130 „anerkannten“ Berufskrankheiten heißt es lediglich: „Als Krankheitsauslöser waren bei uns vor allem Expositionen gegen Asbest und Lärm relevant“ (siehe auch SWB 4/02). Die wirkliche Zahl der Asbest-Geschädigten dürfte allerdings viel höher liegen. Die Witwe eines Asbest-Opfers schilderte der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) jetzt, wieviel Schwierigkeiten die  Berufsgenossenschaften bei der Anerkennung des Leidens als Berufskrankheit machten, wie die BAYER-BetriebsärztInnen die Gefahr herunterspielten und wie sehr die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen im Werk zum Ausbruch der tödlichen Krankheit beigetragen haben.

Asbest: CBG vermittelt Anwalt
Eine weitere Witwe eines ehemaligen BAYER-Mitarbeiters, der an einer Asbest-Vergiftung verstorben ist, hat sich an die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) gewandt. CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes nannte der Frau den Namen eines Anwalts, der sich mit Schadensersatz-Klagen befasst und sandte ihr Informationsmaterialien zu.

Aktion gegen Gentech-Felder
Französische Gentechnik-GegnerInnen haben Aktionen gegen Freisetzungsversuche mit gentechnisch manipulierten Pflanzen durchgeführt, die BAYER CROPSCIENCE und andere Multis in dem Land gestartet haben. Mit von der Partie war auch die LandwirtInnen- Organisation CONFEDERATION PAYSANNE, die sich bereits an den Protesten gegen das bienen-tötende BAYER-Pestizid GAUCHO (siehe Ticker 2/03) beteiligt hatte.

DURCHSCHAUBARE gegen Pakt
Im Februar hatte BAYER mit dem Betriebsrat einen „Beschäftigungspakt“ geschlossen. Die Bezeichnung ist irreführend, denn nach Angaben der IG BCE soll er lediglich den bis 2005 geplanten Abbau von 5.200 Arbeitsplätzen an den bundesdeutschen BAYER- Standorten sozial-verträglich „abfedern“ (siehe Ticker 2/03). Darum haben sich die KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT, eine oppositionelle Gewerkschaftsgruppe im Leverkusener BAYER-Werk, gegen den Pakt ausgesprochen. Als arbeitsplatz-erhaltene Maßnahmen fordern sie stattdessen unter anderem eine Arbeitszeitverkürzung um drei Stunden, eine 33,6-Stunden-Wochen für Wechsel-SchichtlerInnen und einen Abbau der Überstunden.

Leserbrief wg. ASPIRIN-PR
In der Presse-Berichterstattung über Medikamente fallen kritische Anmerkungen oft weg - die Zeitungen wollen es sich nicht mit ihren Anzeigen-Kunden verderben (siehe auch DRUGS & PILLS). Die Mitteldeutsche Zeitung scheute nicht einmal davor zurück, binnen eines halben Jahres zwei fast identische Beiträge über das laut neuen Untersuchungen angeblich fast nebenwirkungsfreie ASPIRIN abzudrucken. Eine Leserin protestierte in einem Brief an die Zeitung gegen diese unbezahlte Werbung und wies die Redaktion darauf hin, dass es sich bei der in dem Artikel zitierten Studie nicht um eine unabhängige, sondern um eine von BAYER in Auftrag gegebene handelte.

Leserbrief wg. Bad-Schließung
Mit der Überschrift „Sport unterm BAYER-Kreuz - der Konzern lässt sich nicht nur vom Profit leiten“ versah die Faz einen wohlmeinenden Artikel über die Aktivitäten des Leverkusener Chemie-Multis in den Bereichen Fußball, Handball, Leichtathletik etc.. Hinter die Aussage der Headline setzte ein Leser in einer Zuschrift mit dem Verweis auf die Schließung des Carl-Duisberg-Bades (Ticker 4/02) ein dickes Fragezeichen. „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“ schließt sein Leserbrief Goethe zitierend.

ETC warnt vor Nano-Technologie
Nicht nur die BAYER-Tochter HC STARCK (siehe Ticker 1/02)), auch der Konzern selber setzt mehr und mehr auf die Nano-Technologie. Produkte oder Projekte mit Nano-Partikeln, winzig kleinen Material- Teilchen, nehmen dabei den größten Umfang ein. Mit Vorprodukten für die Reifen-Industrie, die Nano-Teilchen enthalten, macht der Chemie- Multi bereits Geschäfte. Zudem betreibt das Unternehmen eine intensive Forschung in dem Bereich. Die „Zukunftstechnologie“ hat nur einen gravierenden Nachteil: Bei der Fertigung der winzigen Substanzen entstehen ebenso winzige Stäube, die alle Filter-Anlagen passierend in die Luft vordringen und über die Atemwege auch leicht in den menschlichen Organismus gelangen, wo sie Gesundheitsschäden verursachen können. Unter anderem deshalb warnt die Initiative ETC vor der Nano-Technik und fordert staatliche Untersuchungen zur Gefahren- Abschätzung. Für die ETC-AktivistInnen stellt die neue Technologie einen ebenso starken Eingriff in die Grundlagen des Lebens dar wie die Gentechnik und ist auch mit vergleichbaren Risiken behaftet.