|
AKTION & KRITIK
Wieczorek-Zeul antwortet CBG Die BAYER-Tochter HC STARCK bezieht seit
langem das Metall Coltan aus dem Kongo und finanziert so den blutigen Bürgerkrieg in dem afrikanischen Land mit. Die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN (CBG) hat im Juni einen Brief in dieser Angelegenheit an die
Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul geschrieben. „Auch ich verfolge mit großer Sorge die illegale Ausbeutung von Rohstoffen in der DR Kongo und deren Implikationen für den Konflikt“, antwortete
Heidemarie Wieczorek-Zeul und fuhr fort: „Ich darf ihnen versichern, dass die Bundesregierung die Problematik seit Veröffentlichung des ersten Berichts des Experten-Panels der Vereinten Nationen genaustens verfolgt
und zur Lösung derselben beitragen möchte“. Sie wurde auch konkreter: „Die Bundesregierung setzt ihre Bemühungen fort, auf HC STARCK einzuwirken. Vor allem wollen wir weitere Untersuchungen des Panels nutzen, um die
Aussage der Firma zu überprüfen, die behauptet, sie beziehe von dort keine Rohstoffe.“ Ihr Brief schloss mit den Sätzen: „Ich bedanke mich für ihr Interesse und ihr Engagement hinsichtlich der Problematik. Sie
sorgen mit dafür, dass ein schweres Problem, welches in den Medien selten an erster Stelle steht, hoffentlich gelöst werden kann“.
Kontakt mit Pharmakologin Eine Pharmakologin aus Schottland, die lange
bei BAYER beschäftigt war, hat aus „Abscheu vor den gängigen Geschäftspraktiken“ gekündigt und Verbindung zur COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) aufgenommen. Sie bat um Zusendung von Hintergrund- Materialien
und um die Vermittlung von weiteren Kontakten.
CBG-Eingabe zur EU-Chemiepolitik BAYER & Co. haben die meisten ihrer
Chemikalien noch nie auf ihre schädlichen Wirkungen hin untersucht (Ticker berichtete mehrfach). Weil dies Mensch, Tier und Umwelt einer großen Gefahr aussetzt, will die EU die Konzerne zu einer Überprüfung der
Substanzen veranlassen. Dagegen wehren diese sich vehement, wobei sie auf tatkräftige Mithilfe der Standort-PolitikerInnen rechnen können. Bundeskanzler Schröder intervenierte auf Geheiß der Chemie-Multis bereits in
Brüssel. Im Juni hat die EU die verschiedene gesellschaftlichen Gruppen aufgefordert, Kommentare zum geplanten Chemikalien-Zulassungsverfahren abzugeben. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat in ihrer
Einlassung eine rasche Verabschiedung des Chemikalien- Gesetzes ohne Berücksichtigung der von BAYER & Co. vorgeschlagenen Aufweichungen gefordert. Der Leverkusener Chemie- Multi hat sich ebenfalls zu Wort
gemeldet und ganz unbescheiden „fünf Anforderungen an eine zukunftsorientierte europäische Chemikalien- Politik“ gestellt. Darin mahnte er unter anderem unverhohlen das Primat der Ökonomie gegenüber der Ökologie an.
„Die weltweite Wettbewerbsfähigkeit muss mit den Zielen des Umwelt- und Verbraucherschutzes in Einklang gebracht, darf ihnen aber nicht untergeordnet werden“, schrieb der Konzern unter der viel sagenden Überschrift
„Innovationskraft nicht behindern“.
Bundesregierung preist BAYER Das von der Bundesregierung herausgegebene
Entwicklungshilfe- Magazin e.velop preist BAYER in der Juli-Ausgabe mit dem Schwerpunkt „Brasilien“ als sozialen Wohltäter in dem lateinamerikanischen Land. Es lobt BAYERs Unterstützung eines Projektes gegen
Kinderarbeit, die Initiative des Konzerns zur Schulung von LandarbeiterInnen im Umgang mit Pestiziden, das Engagement in der Forschung zu Antibiotika-Resistenzen und bescheinigt dem Werk in Belford Roxo, besonders
umweltfreundlich zu sein. Hätte das Magazin sich nicht nur aus BAYER-Quellen informiert, wäre es zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Spenden für ein Projekt gegen Kinderarbeit erscheinen als zynisch vor dem
Hintergrund, dass der Chemie-Multi sich bei der Produktion von sterilem Saatgut in Indien auf die Arbeitskraft von 2.000 Minderjährigen stützt. Auch ist es keinesfalls ein netter Zug von BAYER, LandarbeiterInnen in
die korrekte Handhabung von Agro-Giften einzuweisen. Nach den Richtlinien der Welternährungsorganisation FAO ist der Chemie-Multi dazu verpflichtet, Pestizide der Gefahrenklasse I nur an „trainierte und
zertifizierte Personen“ zu verkaufen. Die Forschung zu Antibiotika-Resistenzen ist durch Eigen-Interessen begründet, steigt doch die Zahl der Krankheitserreger, die gegen die BAYER-Mittel CIPROBAY und BAYTRIL
resistent sind, ständig - nicht zuletzt, weil die Markteting-Abteilung des Unternehmens für eine massenhafte Anwendung sorgt. Wie weit es mit dem Umweltschutz in unmittelbarer Nähe des Werkes in Belford Roxo
bestellt ist, fanden schließlich GREENPEACE-ForscherInnen heraus. Überall im Umfeld der Anlage wiesen sie Giftstoffe wie Schwermetalle, Quecksilber, Pestizide und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs)
nach. All diese Fakten teilte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) der e.velop-Redaktion in einem langen Protest-Schreiben mit.
CBG unterstützt JUGEND GEGEN KRIEG 20 junge WuppertalerInnen hat das
Treiben der BAYER-Tochter HC STARCK, die das Sondermetall Coltan aus dem Kongo importiert und so zur Finanzierung des dort tobenden Bürgerkrieges beiträgt, dazu bewegt, die Initiative JUGEND GEGEN KRIEG zu gründen.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat sie beim Aufbau durch das Bereitstellen von Materialien unterstützt. Zudem hat CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes auf Einladung der Initiative einen Vortrag über das
Thema „BAYER und Kongo“ gehalten.
GAUCHO: CBG stellt BürgerInnen-Antrag Die CBG hat - unterstützt von der
für die Grünen im EU-Parlament sitzenden Hiltrud Breyer - der EU-Kommission eine Anfrage in Sachen „Bienensterben durch das BAYER-Pestizid GAUCHO“ zukommen lassen. Die Antwort auf diesen so genannten
BürgerInnen-Antrag muss die Kommission dann dem EU-Umweltausschuss vortragen.
Phosgen-Anfrage: noch keine Antwort Mit der Erweiterung der
Kunststoff-Fertigung im Uerdinger BAYER-Werk ist auch die vermehrte Produktion von Phosgen verbunden (SWB 1/03). Da es sich bei dem chlorierten Kohlenwasserstoff um eines der gefährlichsten Gase überhaupt handelt
und sich im Dezember 2002 bereits ein Störfall ereignet hat, hat die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) eine Anfrage an das Umweltministerium gestellt. Die Antwort lässt allerdings bisher auf sich warten. Die
CBG hakte nach und erhielt folgenden Bescheid: „Die Beantwortung hatte sich durch mehrere Nachfragen im nachgestellten Bereich verzögert. Das Schreiben ist im Entwurf gefertigt und liegt gegenwärtig zur
Kenntnisnahme und Mitzeichnung bei der Hausspitze. Ich gehe davon aus, dass sie noch diesen Monat (Juli, Anm. Ticker) eine Antwort erhalten.“ Bis zum Redaktionsschluss Ende August traf allerdings keine Post vom
Umweltministerium ein ...
Aktion gegen Pestizid-Werbung Die Ackergift-Werbung von BAYER & Co.
verharmlost die von den Substanzen ausgehenden Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt. In Kanada hat das die Initiative EARTH ACTION auf den Plan gerufen. Sie hat eine Kampagne gegen die PR-Maßnahmen für Gifte
gestartet, welche die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) unter anderem durch die Zusendung von Hintergrund-Materialien unterstützt hat.
Aufrufe zur Chemikalien-Sicherheit BAYER & Co. haben die meisten
ihrer Chemikalien noch nie auf ihre schädlichen Wirkungen hin untersucht (Ticker berichtete mehrfach). Weil dies Mensch, Tier und Umwelt einer großen Gefahr aussetzt, will die EU die Konzerne zu einer Überprüfung
der Substanzen veranlassen, wogegen diese sich vehement wehren. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement haben BAYER & Co. schon auf ihre Seite ziehen können. Um den
Sicherheitsinteressen der VerbraucherInnen gegenüber der mächtigen Chemie-Lobby Geltung zu verschaffen, haben sowohl der WORLD WILDLIFE FUND (WWF) als auch GREENPEACE Aufrufe initiiert, welche die COORDINATION GEGEN
BAYER-GEFAHREN (CBG) beide unterzeichnet hat.
Für Referendum, gegen EU-Verfassung BAYER und andere
Mitgliedsunternehmen des „European Roundtable of Industrialists“ hatten in Brüssel großen Einfluss auf die Ausarbeitung des Entwurfs zur EU-Verfassung (siehe SWB 3/03). Sie sorgten unter anderem dafür, dass „die
unternehmerische Freiheit“ Verfassungsrang erhält. Ein garantiertes Recht auf Rente oder auf Schutz im Falle einer Erwerbslosigkeit gibt es dagegen nicht, und sogar die in der Grundrechte-Charta aufgeführten
sozialen Rechte stehen unter Finanzierungsvorbehalt. Gäbe es ein Referendum zur geplanten Verfassung, könnten kritische Gruppen die industrie-freundliche Ausrichtung der europäischen Magna Carta zum Thema machen.
Darum unterstützt die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) eine entsprechende Initiative.
Asbest: BAYER in der Kritik Die Zahl der unter einer Asbest-Vergiftung
leidenden ehemaligen MitarbeiterInnen gibt BAYER nicht genau an. Über die im „Sustainable Development“-Bericht für das Jahr 2000 aufgeführten 130 „anerkannten“ Berufskrankheiten heißt es lediglich: „Als
Krankheitsauslöser waren bei uns vor allem Expositionen gegen Asbest und Lärm relevant“ (siehe auch SWB 4/02). Die wirkliche Zahl der Asbest-Geschädigten dürfte allerdings viel höher liegen. Die Witwe eines
Asbest-Opfers schilderte der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) jetzt, wieviel Schwierigkeiten die Berufsgenossenschaften bei der Anerkennung des Leidens als Berufskrankheit machten, wie die
BAYER-BetriebsärztInnen die Gefahr herunterspielten und wie sehr die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen im Werk zum Ausbruch der tödlichen Krankheit beigetragen haben.
Asbest: CBG vermittelt Anwalt Eine weitere Witwe eines ehemaligen
BAYER-Mitarbeiters, der an einer Asbest-Vergiftung verstorben ist, hat sich an die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) gewandt. CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes nannte der Frau den Namen eines Anwalts, der
sich mit Schadensersatz-Klagen befasst und sandte ihr Informationsmaterialien zu.
Aktion gegen Gentech-Felder Französische Gentechnik-GegnerInnen haben
Aktionen gegen Freisetzungsversuche mit gentechnisch manipulierten Pflanzen durchgeführt, die BAYER CROPSCIENCE und andere Multis in dem Land gestartet haben. Mit von der Partie war auch die LandwirtInnen-
Organisation CONFEDERATION PAYSANNE, die sich bereits an den Protesten gegen das bienen-tötende BAYER-Pestizid GAUCHO (siehe Ticker 2/03) beteiligt hatte.
DURCHSCHAUBARE gegen Pakt Im Februar hatte BAYER mit dem Betriebsrat
einen „Beschäftigungspakt“ geschlossen. Die Bezeichnung ist irreführend, denn nach Angaben der IG BCE soll er lediglich den bis 2005 geplanten Abbau von 5.200 Arbeitsplätzen an den bundesdeutschen BAYER- Standorten
sozial-verträglich „abfedern“ (siehe Ticker 2/03). Darum haben sich die KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT,
eine oppositionelle Gewerkschaftsgruppe im Leverkusener BAYER-Werk, gegen den Pakt ausgesprochen. Als arbeitsplatz-erhaltene Maßnahmen fordern sie stattdessen unter anderem eine Arbeitszeitverkürzung um drei Stunden, eine 33,6-Stunden-Wochen für Wechsel-SchichtlerInnen und einen Abbau der Überstunden.
Leserbrief wg. ASPIRIN-PR In der Presse-Berichterstattung über
Medikamente fallen kritische Anmerkungen oft weg - die Zeitungen wollen es sich nicht mit ihren Anzeigen-Kunden verderben (siehe auch DRUGS & PILLS). Die Mitteldeutsche Zeitung scheute nicht einmal davor zurück,
binnen eines halben Jahres zwei fast identische Beiträge über das laut neuen Untersuchungen angeblich fast nebenwirkungsfreie ASPIRIN abzudrucken. Eine Leserin protestierte in einem Brief an die Zeitung gegen diese
unbezahlte Werbung und wies die Redaktion darauf hin, dass es sich bei der in dem Artikel zitierten Studie nicht um eine unabhängige, sondern um eine von BAYER in Auftrag gegebene handelte.
Leserbrief wg. Bad-Schließung Mit der Überschrift „Sport unterm
BAYER-Kreuz - der Konzern lässt sich nicht nur vom Profit leiten“ versah die Faz einen wohlmeinenden Artikel über die Aktivitäten des Leverkusener Chemie-Multis in den Bereichen Fußball, Handball, Leichtathletik
etc.. Hinter die Aussage der Headline setzte ein Leser in einer Zuschrift mit dem Verweis auf die Schließung des Carl-Duisberg-Bades (Ticker 4/02) ein dickes Fragezeichen. „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir
fehlt der Glaube“ schließt sein Leserbrief Goethe zitierend.
ETC warnt vor Nano-Technologie Nicht nur die BAYER-Tochter HC STARCK
(siehe Ticker 1/02)), auch der Konzern selber setzt mehr und mehr auf die Nano-Technologie. Produkte oder Projekte mit Nano-Partikeln, winzig kleinen Material- Teilchen, nehmen dabei den größten Umfang ein. Mit
Vorprodukten für die Reifen-Industrie, die Nano-Teilchen enthalten, macht der Chemie- Multi bereits Geschäfte. Zudem betreibt das Unternehmen eine intensive Forschung in dem Bereich. Die „Zukunftstechnologie“ hat
nur einen gravierenden Nachteil: Bei der Fertigung der winzigen Substanzen entstehen ebenso winzige Stäube, die alle Filter-Anlagen passierend in die Luft vordringen und über die Atemwege auch leicht in den
menschlichen Organismus gelangen, wo sie Gesundheitsschäden verursachen können. Unter anderem deshalb warnt die Initiative ETC vor der Nano-Technik und fordert staatliche Untersuchungen zur Gefahren- Abschätzung.
Für die ETC-AktivistInnen stellt die neue Technologie einen ebenso starken Eingriff in die Grundlagen des Lebens dar wie die Gentechnik und ist auch mit vergleichbaren Risiken behaftet.
|