SWB 03/2003 - Ticker

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

BAYER Nr. 1 im Agro-Business
Der Leverkusener Chemie-Multi hat im Jahr 2002 erstmals die Spitzen- Position im Agrochemie-Geschäft erreicht. Mit Verkäufen im Wert von 5,5 Mrd. Dollar lag der Konzern vor SYNGENTA (5,3 Mrd. Dollar) und BASF (3 Mrd.). Insgesamt gingen die Umsätze weltweit um 1,5 Prozent zurück; seit 1998 sanken sie um 12 Prozent. Während die Agro-Multis im Geschäftsjahr 2002 auf dem europäischen Markt einen Zuwachs von 7,2 Prozent erzielten, mussten sie in Nord-Amerika Einbußen von 1,7 Prozent, in Lateinamerika von 3,8 Prozent und in der Asien/Pazifik- Region von 1,8 Prozent hinnehmen. Innerhalb des Produkt-Sortiments konnten BAYER & Co. nur mit Substanzen gegen Pilzbefall Wachstumsraten erzielen, die Verkäufe von Insektiziden und Anti- Unkrautmitteln gingen hingegen zurück.

Vergiftungen durch BAYER-Pestizide
Unter den 20 Pestiziden, die von 1998 bis 2000 für die meisten Vergiftungen im US-Bundesstaat Kalifornien verantwortlich waren, befinden sich zwei Wirkstoffe, die auch in Produkten des Leverkusener Chemie-Multis enthalten sind. Chlorpyrifos, unter anderem Inhaltsstoff von BAYERs Maden-Streumittel RIDDER, nimmt in der Liste Rang drei ein; 156 Menschen kamen durch das Mittel zu Schaden. Auf Platz 17 mit 32 Chemie-Vergiftungen ist Oxydemeton-methyl geführt, unter anderem Wirk-Substanz des Blattlaus-Spritzmittels METASYSTOX R.

Immer mehr Untersuchungen legen einen Zusammenhang zwischen dem Ausbruch der Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung) und einem Kontakt mit Pestiziden nahe. Nach einer Fallstudie mit fünf Erkrankten und einer englischen Studie (Ticker 4/99) bestätigt nun auch eine Arbeit von ForscherInnen der „Stanford University School of Medicine“ die Ergebnisse der Wissenschaftler-KollegInnen. Die MedizinerInnen untersuchten die Krankengeschichten von 496 Parkinson-PatientInnen und fanden heraus, dass sie weit häufiger Pestiziden ausgesetzt waren als die 541 gesunden Menschen der Kontrollgruppe. Agrochemikalien, wie BAYER sie als einer der weltgrößten Hersteller vertreibt, wirken auf das zentrale Nervensystem und können neben der Schüttellähmung noch eine Vielzahl anderer Nervenleiden auslösen.

Parkinson als Berufskrankheit anerkannt
Schon seit langem legen wissenschaftliche Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen dem Ausbruch der Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung) und einem Kontakt mit Pestiziden nahe (siehe Ticker 3/00). Nun ist es erstmals einem Landwirt gelungen, Parkinson als Berufskrankheit geltend zu machen. Nachdem zunächst sowohl die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft als auch ein Gericht das Begehr abgelehnt hatten, folgte der Richter in der nächsten Instanz dem Antrag des Bauern. Selbst der von der verklagten Berufsgenossenschaft bestimmte Gutachter kam nicht umhin, die Agro-Chemikalien von BAYER & Co. als Ursache der Erkrankung anzuerkennen.

Nicht mehr zugelassenes UNDEN verkauft
Das BAYER-Insektizid UNDEN mit dem Wirkstoff Propoxur ist in der Bundesrepublik seit 1999 nicht mehr zugelassen, da der Leverkusener Chemie-Multi den Aufsichtsbehörden keine neuen Untersuchungen über eine noch tolerierbare Schädlichkeit für Mensch, Tier und Umwelt zur Verfügung gestellt hat. Trotzdem hat ein Pestizid-Händler aus dem oberfränkischen Hof LandwirtInnen das Mittel noch über Jahre hinweg verkauft. Es handele sich um einen Einzelfall, verharmloste ein BAYER-Sprecher die Sache. Wie wenig diese Einschätzung zutrifft, dokumentierte eine im Jahr 2002 veröffentlichte Studie des NATURSCHUTZBUNDES DEUTSCHLAND (NABU). Sie wies nach, dass Großhändler wie BIESTERFELD-SCHEIBLER-LINSSEN oder die GEORG STRAHMANN GmbH & Co. KG systematisch verbotene Agro-Chemikalien wie UNDEN, BRESTAN, E 605 und andere anbieten (siehe SWB 1/03).

Neue Garten-Spritzmittel
Für den Garten-Bereich bringt BAYER zwei neue Pestizide auf den Markt. Das Universal-Spritzmittel PROVADO 5 WG wirkt gegen Blattläuse, Wollläuse, Zikaden, Thrips, Lilien-Hähnchen und andere Pflanzen befallenden Schad-Insekten. Das PROVADO 5 WG ROSEN- SPRITZMITTEL vergiftet Rosen-Zikaden und Wespen, aber auch sich nicht nur von Rosen ernährende Schad-Insekten wie Blatt- und Schildläuse.    

Neues DIMANIN
BAYER hat das „Haus und Garten-Gift“ DIMANIN in neuer Form herausgebracht. Es wirkt gegen Algen und Moose auf Pflanz-Kübeln und Blumenkästen sowie gegen Schimmelpilze, die sich in Kühlschränken, Saunen und Bädern bilden.