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PROPAGANDA & MEDIEN
„Schulen unternehmen Zukunft“ Unter dem vielsagenden Motto „Schulen
unternehmen Zukunft“ startet in Wuppertal ein Pilot-Projekt, bei dem Schulen, Unternehmen wie BAYER und das ortsansässige Institut für „Klima, Umwelt, Energie“ zusammenarbeiten. Ziel der Kooperation ist es
angeblich, den SchülerInnen ein Bewusstsein für die Umwelt und für „Nachhaltigkeit“ zu vermitteln. Von der „nachhaltigen“ Verschmutzung der Wupper durch BAYER-Einleitungen oder von der „nachhaltigen“ Gefahr, die das
in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten liegende Werksgelände für die Stadt darstellt, wie sich zuletzt bei der Beinahe-Katastrophe am 8.6.99 zeigte, dürften sie dabei kaum etwas erfahren. Beschämend, dass sich das
Wuppertaler Klima-Institut an diesem „Greenwashing“ beteiligt. Vermutlich hat politischer Druck das schon einmal von seiner Schließung bedrohte Institut dazu bewogen, sich praxis-orientierter und damit auch
pragmatischer und industrie-freundlicher auszurichten. Wenn alles schlecht geht, soll das Projekt auch SchülerInnen in Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen heimsuchen.
Pillen-Propaganda in der Presse Die Berichte über die wundersamen
Wirkungen von BAYERs „Tausendsassa“ ASPIRIN in den Zeitungen sind Legion. Hinweise auf die gefährlichen Nebenwirkungen des Präparates unterbleiben dagegen zumeist. Dies ist kein Einzelfall. Das „Canadian Center for
Policy Alternatives“ hat 193 Zeitungsartikel über fünf neue Medikamente ausgewertet und keinen einzigen rein negativen Beitrag gefunden! Der Rest bauschte die Heil-Wirkungen auf, verharmloste Nebenwirkungen,
verschwieg therapeutische Alternativen und zitierte ExpertInnen, ohne deren Beziehung zu den jeweiligen Herstellern zu überprüfen. Für die Bundesrepublik sähe das Resultat nach Einschätzung der BUKO- PHARMA-KAMPAGNE
ähnlich aus. „Eine systematische Untersuchung bundesdeutscher Zeitungsartikel gibt es noch nicht, doch lassen die der PHARMA-KAMPAGNE vorliegenden Beiträge hiesiger Zeitungen schon nach grober Übersicht kein
besseres Ergebnis erwarten“, schreibt die Initiative im Pharma-Brief 5/03.
BAYER-Portal für Apotheken Um noch mehr BAYER-Pillen in die Apotheken zu
drücken, bietet der Pharma-Riese jetzt ein Online-Portal für PharmazeutInnen an. Mit Behauptungen wie „Schnell. Stark. Ohne Wasser. ASPIRIN EFFEKT bringt junge Kunden in die Apotheke“ will das Unternehmen die
InhaberInnen zu Werbe-Maßnahmen veranlassen. Aber nur über die Qualität seiner Produkte glaubt der Konzern nicht, seine Arznei-Umsätze verbessern zu können. Deshalb versucht er, das Apotheken-Personal mit diversen
kleinen Wohltaten BAYER-freudlich zu stimmen. Der Leverkusener Chemie-Multi hält für die PharmazeutInnen unter anderem preiswerte Handy-Verträge, kostengünstige Fahrräder und Kaffee-Maschinen bereit.
BAYER & Co. ködern Nachwuchs In der Propaganda-Postille direkt macht
der Leverkusener Chemie-Multi Reklame für einen vom „Verband der Chemischen Industrie“ herausgegebenen Chemie-Baukasten mit Anleitungen zu Versuchen für Kinder zwischen acht und 12. „Experimentieren mit Tini und
Toni“ soll die aufgrund des schlechten Images des Industrie-Zweiges bestehenden Nachwuchs-Probleme von Werni, Jürgi und anderer Chemie-Bosse lösen helfen. Umsonst bekommen die Bildungseinrichtungen den Kasten aber
nicht. „Voraussetzung ist, dass sich die Schulen/Lehrer im Jahr der Chemie in Sonderveranstaltungen für Schüler im Alter von acht bis 12 Jahren engagieren, beispielsweise in Form eines Präsentationstages des
Fachbereichs Chemie, Patentschaften mit Grundschulen oder in Mitmach-Aktionen“, heißt es in dem direkt-Artikel. Ein bisschen viel verlangt für das kleine Laboratorium, dessen didaktischer Wert aufgrund der
industrie-freundlichen Ausrichtung der Experimente gegen Null tendiert.
430 BAYER-Smarts für Apotheken Eine nur wenig smarte ASPIRIN-Aktion hat
sich BAYER einfallen lassen. Der Leverkusener Chemie-Multi stellt Apotheken einen Smart mit großflächiger ASPIRIN-Werbung für die Auslieferung von Medikamenten zu günstigen Leasing-Konditionen zur Verfügung. Über
430 PharmazeutInnen rissen sich so geködert bereits danach, sich vor den PR- Karren des Pharma-Riesen zu spannen.
BAYER nicht sehr beliebt Das Meinungsforschungsinstitut INRA fragte
1.000 BundesbürgerInnen nach der Bekanntheit und Beliebtheit von 29 bundesdeutschen Unternehmen. BAYER schnitt dabei nicht eben gut ab. Der Leverkusener Chemie-Multi landete nur auf Platz 23 und damit gerade noch so
im unteren Mittelfeld. Just hinter dem Pharma-Riesen führt die Tabelle schon die Konzerne mit einem eher schlechten Image wie DEUTSCHE BANK und DEUTSCHE POST auf.
Der Kassenarzt wirbt für GLUCOBAY Die MedizinerInnen-Zeitschrift Der
Kassenarzt ist ein reines Propaganda-Organ der Pharma-Industrie. Als BAYERs äußerst umstrittendes Diabetes-Präparat GLUCOBAY – dass nach Ansicht des Pharmakologen Gerd Glaeske „gerade mal so wirksam ist wie Müsli“ –
nicht auf der Positiv-Liste landen sollte, nutzte der Leverkusener Chemie-Multi den „Kassenarzt“ als Forum, um seine schnell in Auftrag gegebenen Entlastungsstudien zu präsentieren. Danach sollte GLUCOBAY angeblich
das Herzinfarkt-Risiko von Diabetes- PatientInnen um 91 Prozent senken. Die Überprüfung dieses Ergebnisses durch unabhängige WissenschaftlerInnen verhindert der Konzern nach Informationen des Arznei-Telegramms
jedoch - offenbar aus gutem Grund.
Der Kassenarzt wirbt für KINZAL Die mangelnde Dehnbarkeit der
Blut-Gefäße hält die Fachzeitschrift Der Kassenarzt
für eine Ursache des Bluthochdrucks und nennt als Substanzen, die sich positiv auf die Elastizität der Gefäße auswirken ACE-Hemmer und ATi-Antagonisten. „Unter letzteren ist vor allem das Telmisartan (Wirkstoff von BAYERs KINZAL, Anm. Ticker) hervorzuheben“, wird das Werbe-Blatt dann trotz der Unmenge von KINZAL-Nebenwirkungen (siehe DRUGS & PILLS) konkreter und weist dann auch noch auf ein Presse-Seminar von BAYER zum Thema hin.
Der Kassenarzt wirbt für MOXIFLOXACIN Fluorchinolone-haltige Antibiotika
von BAYER finden sowohl in der Massentierhaltung als auch in der Human-Medizin Verwendung. Bilden Bakterien in den Ställen im Zuge der BAYTRIL-Dauerbehandlung der Tiere Resistenzen gegen die Mittel aus, können die
Krankheitserreger über die Nahrungskette auch in den menschlichen Körper gelangen und Krankheiten auslösen, gegen die dann BAYERs CIPROBAY bzw. MOXIFLOXACIN machtlos sind. Nach einer Untersuchung des Forschers S. A.
Anderson (Ticker 2/02) ist beispielsweise das Bakterium Campylobacter jejuni resistent gegen den BAYTRIL-Wirkstoff Fluorchinole geworden. Ihm zufolge machen die Verordnungen von CIPROBAY bzw. MOXIFLOXACIN ebenfalls
immer mehr Keime immun gegen Fluorchinole. Kein Wunder: Nach Angaben des Journalisten Alexander Osang verschreiben US-amerikanische DoktorInnen CIPROBAY sogar gegen Magenschmerzen. BAYER streitet diese Sachlage ab
und brachte in der MedizinerInnen-Zeitschrift Der Kassenarzt einen Artikel mit dem Titel „Günstige Resistenz-Lage“ unter. Er bescheinigt MOXIFLOXACIN eine hohe Wirksamkeit gegen Erreger wie Pneumokokken, gegen die
andere Mittel schon die Fahnen streichen mussten. Auch hier findet sich am Ende des Artikels wieder ein Hinweis auf eine entsprechende Propaganda-Veranstaltung von BAYER.
Der Kassenarzt wirbt für LEVITRA Die Fachzeitschrift Der Kassenarzt
stellt sich BAYER als Werbe- Plattform für das Potenz-Mittel LEVITRA (Nebenwirkungen siehe DRUGS & PILLS) zur Verfügung. Sie druckt ein Interview mit dem Hamburger Urologen Dr. Hartmut Porst ab. Dieser testet in seiner Praxis die Potenz-Produkte aller drei bisherigen Hersteller und ist deshalb Dreifach-Verdiener. Deshalb sagt er einmal diplomatisch in der Welt: „Der Patient merkt selber ‚Mit diesem Mittel habe ich die beste Errektion“ und dann wieder in Der Kassenarzt „dass „LEVITRA ein sehr verträgliches Produkt ist, meines Erachtens der bestverträglichste Phosphodiesterase-5-Hemmer (Wirk-Prinzips des „Pharmazeutikums“, Anm. Ticker). Am verantwortungslosesten handelt er aber, indem er Potenz-Störungen überhaupt als ein Krankheit beschreibt und völlig aus der Luft gegriffene Betroffenen-Zahlen von sechs bis sieben Millionen Männern allein in der Bundesrepublik in die Welt setzt.
Football-Liga wirbt für LEVITRA Die Potenzmittel-Hersteller versuchen
alle, „tough guys“ für ihre Kampagnen zu gewinnen, um die „erektile Dysfunktion“ als Massen- „Krankheit“ erscheinen zu lassen. Das soll dann auch den US- amerikanischen Normalverbraucher von seinen Hemmungen
befreien, einen Arzt aufzusuchen. VIAGRA-Produzent PFIZER tritt aus diesem Grund als Großsponsor im Baseball-Bereich auf und BAYER betätigt sich als Geldgeber der US-amerikanischen Football-Liga. Zudem hat der
Leverkusener Chemie-Multi Mike Ditka, populärer Ex-Trainer der Chicago Bears, zum Aushängeschild der Kampagne erkoren.
Krankheit als Normalfall Nicht beim Erfinden neuer Heilmittel ist die
Phantasie von der Pharma-Multis grenzenlos, sondern beim Erfinden neuer Krankheiten, wie der Spiegel (33/2003) berichtete. So sorgten die Lobby-Verbände der Industrie durch ihren Einfluss auf Selbsthilfe-Gruppen
schon 1990 dafür, dass nicht mehr ein Cholesterin-Wert von 260 Milligramm je Deziliter Blut als behandlungsbedürftig galt, sondern schon einer von 200 Milligramm. Prompt waren 68 Prozent der bundesdeutschen Männer
theoretisch ein Fall für LIPOBAY & Co. Welche fatalen Auswirkungen das hatte, zeigte dann der Skandal um den Cholesterin-Senker von BAYER mit über 100 Toten. 1999 sank dann nach Druck von BAYER und anderen
Pharma-Riesen auf die Weltgesundheitsorganisation WHO der Bluthochdruck von 160/95 auf 140/90 (Ticker 2/02) und damit die Verschreibungsschwelle für ADALAT & Co.. Von „erektiler Dysfunktion“ hatte die
Medizin-Welt bis zu den 90er Jahren noch nichts gehört, bis die UrologInnen von PFIZER sie „entdeckten“. Mittlerweile gehört VIAGRA zu den bestverkaufensten Medikamenten der Welt. Und der Leverkusener Chemie-Multi
verspricht sich von seiner Potenz-Pille LEVITRA einen Umsatz von jährlich einer Milliarde Dollar.
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