SWB 03/2003 - Ticker

WASSER, BODEN & LUFT

Dhünnaue-Arbeiten abgeschlossen
Als größte Altlast Europas galt BAYERs zwischen der Dhünn und dem Rhein gelegene Giftmüll-Deponie namens Dhünnaue lange. Erst nachdem es zu ungeklärten Todesfällen und Krankheiten bei den AnwohnerInnen kam und die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN (CBG) sowie andere Initiativen öffentlich Druck machten, zeigte sich der Konzern 1993 bereit, zu handeln. Zehn Jahre später, im Juli 2003, waren die Sanierungsarbeiten dann abgeschlossen. BAYER nutzte das zu einer Fest-Veranstaltung, zu welcher der Konzern auch die NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn begrüßen konnte. Zu feiern gab es jedoch nichts, denn aus Kosten-Gründen sanierte der Leverkusener Chemie-Multi das Gelände nicht, sondern sicherte es lediglich. Er trug das verseuchte Erdreich nicht ab und entsorgte es ordnungsgemäß, er „mumifizierte“ es lediglich mittels einer Oberflächen-Versiegelung aus Ton-, Erd- und Kunststoffschichten sowie einer Grundwasser-Sperre. Und nicht einmal diese Billig-Lösung zahlte das Unternehmen ganz aus eigener Tasche. Fast 30 Prozent der Kosten in Höhe von 110 Millionen Euro brachte der/die SteuerzahlerIn auf.

Öko-Konto auch in Leverkusen
Im März hat sich BAYER mit der Stadt Leverkusen über die Einrichtung eines Öko-Kontos nach dem Kölner Vorbild (Ticker 3/02) geeinigt. Nun muss der Chemie-Multi auch an seinem Geschäftssitz einen Eingriff in die Natur nicht mehr umgehend mit einer Ausgleichsmaßnahme vergelten, wie es das Naturschutz-Gesetz vorschreibt, sondern kann sich dabei Zeit lassen. Als Übergang vom Tauschhandel zum Kredit-Wesen beschrieb Leverkusens Oberbürgermeister Paul Hebbel die neue Geschäftsordnung deshalb. Die Regelung ermöglicht es dem Unternehmen, umgehend Werke zu erweitern, ohne auf langwierige Genehmigungsverfahren angewiesen zu sein. Es belastet damit lediglich sein Öko-Konto, der Ausgleich kann dann später erfolgen. Der BUND FÜR UMWELT UND NATURSCHUTZ (BUND) übte schon am Kölner Öko-Konto Kritik. „Es stoppt nicht den Trend der Flächen-Versiegelung, sondern ist eher ein Persilschein für spätere Eingriffe“, monierte der nordrhein-westfälische BUND-Geschäftsführer Dirk Jansen.

Weniger Wasser, mehr Gifte
Die hohen Temperaturen über die Sommer-Monate haben zu historischen Tiefständen des Rheins geführt. BAYER & Co. sowie die LandwirtInnen leiten aber immer noch genauso viele Schadstoffe in den Fluss. Als Folge davon nimmt die Konzentration von Phosphor, Stickstoff, Pestizid-Rückständen und anderen Gift-Stoffen in dem Fluss zu.

Chemikalien im Gebirgssee
Selbst die scheinbar unberührte Natur, weit weg von den Industrie- Anlagen BAYERs und anderer Konzerne, ist nicht vor Umwelt-
verschmutzung sicher. In dem fast 2.800 Meter über dem Meeresspiegel gelegenem Schwarzsee, oberhalb des österreichischen Söldens gelegen, wiesen GREENPEACE-ForscherInnen Rückstände von Chemikalien nach. Sie untersuchten Bergsaibling-Fische und fanden in ihrem Organismus Spuren von Giftstoffen. Darunter waren nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ DDT, Dioxion, PCP und andere schwer abbaubare Substanzen, so genannte POPs (Persistant Organic Pollutants), sondern auch Chemische Keulen neueren Datums wie die unter anderem von BAYER hergestellten Flammschutzmittel und Weichmacher. Dieses Ergebnis unterstreicht nach Ansicht von GREENPEACE die Dringlichkeit des EU-Vorhabens, BAYER & Co. ihre Produkte vor der Vermarktung auf ihre Gefährlichkeit hin untersuchen zu lassen (siehe auch POLITIK & EINFLUSS).