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Kurz vor Entscheidung über Zulassung von Gen-Pflanzen
Biotech-Industrie stürzt britischen Umweltminister
Die USA drängen die EU, den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zuzulassen. Als erstes europäisches Land könnte Großbritannien das
Zulassungs-Moratorium aufheben. Der beliebte Umweltminister Michael Meacher, der eine kritische Haltung zur Gentechnik einnimmt, musste nun auf Druck von BAYER & Co. seinen Hut nehmen.
Von Philipp Mimkes
Die USA sehen in dem europäischen Moratorium für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen einen Wettbewerbsnachteil für amerikanische Konzerne
und haben bei der Welthandelsorganisation WTO Klage eingereicht. Ironischerweise dient dieses Vorgehen besonders den Interessen eines deutschen Unternehmens: dem Leverkusener BAYER-Konzern. BAYER ist seit der
Übernahme von AVENTIS CROPSCIENCE größter europäischer Anbieter von Genpflanzen und selbst auf dem US-amerikanischen Markt die Nummer zwei (s. Tabelle).
Nach Angaben der britischen Zeitschrift Daily Telegraph hatte der Bayer-Konzern auch beim Sturz des britischen Umweltministers Michael Meacher Anfang Juni seine Finger mit im Spiel. Meacher, der als das "grüne Gewissen" der Regierung galt, war als profunder Kritiker genveränderter Nahrungsmittel bekannt und den Biotechnik-Firmen seit langem ein Dorn im Auge. Dr. Paul Rylott, Direktor der BAYER-Tochterfirma BIOSCIENCE und zugleich Vorsitzender der einflußreichen Industrievereinigung "Agricultural Biotechnology Council", hatte mit heftiger Kritik an seiner Amtsführung eine Diskussion um Meacher entfacht. Da Premierminister Tony Blair als uneingeschränkter Befürworter der Gentechnik gilt, hatte die englische Presse daraufhin offen über einen Sturz des Ministers spekuliert.
Meacher warf dem Regierungschef in einer ersten Reaktion vor, Hinweise auf Risiken gentechnisch hergestellter Lebensmittel systematisch zu
ignorieren und zu vertuschen. "Niemand kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt garantieren, dass gentechnische Nahrungsmittel sicher sind - am allerwenigsten Tony Blair", so Meacher. Erst Anfang Juni hatte die
britische Regierung einen "Gentechnikdialog" initiiert. Dieser soll bereits im Herbst eine Empfehlung darüber aussprechen, ob Großbritannien das erste europäische Land wird, in dem gentechnisch veränderte
Pflanzen kommerziell angebaut werden dürfen. Die Entscheidung gilt, unabhängig vom Ausgang des WTO-Verfahrens, als richtungsweisend für den Umgang der EU mit Genpflanzen.
Der "Gentechnikdialog", der in ganz Großbritannien Diskussionsrunden zum Thema organisiert, wird von einem elfköpfigen Expertenteam
geleitet - mit von der Partie: BAYER-Lobbyist Paul Rylott. Auch die Agriculture and Environment Biotechnology Commission, die die britische Regierung über Risiken der Gentechnik beraten soll, zählt
BAYER-Funktionär Rylott zu ihren Mitgliedern.
Axel Köhler-Schnura von der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN: "Es ist kein Zufall, dass der Gentechnikkritiker Meacher just in dem Moment
geschasst wird, in dem über die Zukunft gentechnisch veränderter Lebensmittel in England und in ganz Europa entschieden wird. Es ist erschreckend, dass die Macht des BAYER-Konzerns auch in England groß genug ist, um
unliebsame Politiker auszubooten." Köhler-Schnura kritisiert, dass Industrievertreter in staatlichen Kommissionen sitzen, die über die Zukunft strittiger Fragen entscheiden. „Lobbyisten wie Paul Rylott sind
demokratisch nicht legitimiert, daher dürfen sie auch keinen exklusiven Zugang zur Regierung besitzen“, so Köhler-Schnura weiter.
Auch Tony Jupiter, Direktor des größten britischen Umweltverbands "Friends of the Earth", kritisierte die Entscheidung Blairs: "Das
Dialogforum zur Zukunft der Gentechnik in der Landwirtschaft ist noch keine drei Wochen alt - und schon wurde der einzige Minister entlassen, der für ein behutsames Vorgehen plädierte. Dieser Schritt nährt die
Befürchtung, dass sich die Regierung über Bedenken in der Bevölkerung hinwegsetzen will." Die Mehrheit der britischen und europäischen Bevölkerung lehnt Gentechnik in Nahrungsmitteln ab. Die Bayer AG hingegen
sitzt in den Startlöchern, um modifiziertes Getreide, Raps, Mais und Soja auf den Markt zu bringen.
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Pflanze
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gentechnische Veränderung
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Quelle neuer Gene
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Handelsname Jahr der Zulassung
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Raps
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Resistenz gegen Herbizid Glufosinat
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Bakterien Viren
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LibertyLink 2000
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Raps
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Sterilität zur Vereinfachung von Kreuzungen; Glufosinat-Resistenz
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Bakterien
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SeedLink 2000
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Mais
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Sterilität Glufosinat-Resistenz
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Bakterien Virus
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SeedLink
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Mais
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Glufosinat-Resistenz
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Bakterien, Virus
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LibertyLink
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Mais
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Glufosinat-Resistenz; Einbau von Bt Toxin gegen Insekten (Europäischer Maisbohrer)
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Baketerien Virus
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StarLink 1998 (nur für Viehfutter zugelassen)
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Baumwolle
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Resistenz gegen Herbizid Bromoxynil Einbau von Bt Toxin gegen Insekten (cotton bollworm und
tobacco budworm)
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Bakterien
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1998
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Baumwolle
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Resistenz gegen Herbizid Bromoxynil
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Baketerien Virus
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BXN Cotton 1995
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Soja
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Glufosinat-Resistenz
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Baketerien Virus
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1998
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Zuckerrübe
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Glufosinat-Resistenz
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Baketerien Virus
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2000
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In den USA zugelassene Gentech-Pflanzen von BAYER
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