SWB 04/2003

Kinderarbeit bei indischen Saatgut-Zulieferern

BAYER und UNILEVER
übernehmen Verantwortung

Eine im August 2003 von der COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN veröffentlichte Studie wies nach, dass indische Zulieferer von internationalen Saatgut-Herstellern in großer Zahl Kinder beschäftigen. Die attackierten Konzerne, darunter UNILEVER, MONSANTO und BAYER, wiesen zunächst jede Schuld von sich. Auf Druck der Öffentlichkeit mussten sie jedoch eingestehen, dass sie volle Verantwortung für die Zustände bei den von ihnen abhängigen Zulieferern tragen.

Sprecher von BAYER räumten nach Veröffentlichung der Vorwürfe durch die COORDINATION zunächst nur "Probleme bei Zulieferern" ein. Direkte Konsequenzen wurden zunächst abgelehnt. Nachdem es aber Initiativen aus Deutschland, Holland, den USA und Indien gelungen war, den Fall breit in die Öffentlichkeit zu tragen, kam es zu einer Wende: Vertreter der sechs größten indischen Saatgut-Produzenten, darunter auch die BAYER-Tochter PROAGRO, erklärten sich zu einem Treffen mit Kinderrechts-Aktivisten bereit. In dem Gespräch, das Mitte September in Hyderabad/Indien zustande kam, übernahmen die Konzerne die Verantwortung für das Auftreten von Kinderarbeit bei ihren Zulieferern und versprachen, mittelfristig eine Ersetzung der Kinder durch erwachsene Arbeitskräfte zu bewirken. Die Unternehmen gründeten eine "task force", die in sechs Monaten erste Schritte zur Lösung des Problems präsentieren will.

In der gegenwärtigen Pflanzsaison, die bis Februar 2004 dauert, besteht das Problem jedoch weiter; zudem gibt es Hinweise, dass die Produktion von Baumwoll-Saatgut in andere indische Bundesstaaten verlagert wird, in denen bislang keine unabhängigen Untersuchungen vorgenommen wurden.

Rainer Kruse von der deutschen Sektion des GLOBAL MARCH AGAINST CHILD LABOUR drängt wegen des Verlusts der Schulbildung der arbeitenden Kinder sowie deren starker gesundheitlichen Gefährdung durch Insektizide auf unverzügliches Handeln: "Hier muss sofort die Notbremse gezogen werden. Wer will die Verantwortung übernehmen für die Gesundheit der inzwischen weiterarbeitenden jungen Mädchen, bis zu einer vielleicht irgendwann einmal greifenden Absichtserklärung? Es wäre für BAYER ohne Probleme möglich, bei seinen Zulieferern in einem kürzeren Zeitraum das Problem Kinderarbeit zu lösen und damit die anderen Konzerne in Zugzwang zu setzen."

Der GLOBAL MARCH hat gemeinsam mit der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN bei der OECD Beschwerde wegen Verletzung der "OECD-Leitlinien für multinationale Konzerne" erhoben. Wörtlich heißt es: "Die hundertprozentige BAYER-Tochter PROAGRO hat über Jahre hinweg gegen die OECD-Leitlinie IV, Punkt 1b ("Abschaffung von Kinderarbeit") verstoßen. Die Zahl der Kinder bei Zulieferern von PROAGRO/BAYER wird auf rund 2.000 geschätzt. In der Leitlinie II, Punkt 10 wird die Verantwortung auch für Zulieferfirmen im Falle direkter Geschäftsbeziehungen festgeschrieben. (...) Die Zulieferer sind in diesem Fall vollkommen abhängig von den Abnehmern: PROAGRO liefert das Saatgut, gibt Kredite, gibt die einzelnen Produktionsschritte vor und hat das Recht, jederzeit Kontrollen auf den Feldern der Zulieferer durchzuführen."

Hubert Ostendorf von der COORDINATION: "Wenn die OECD-Leitsätze mehr als ein Papiertiger sein wollen, so muss dieser Fall zu einer Verurteilung führen. Die beteiligten Konzerne haben jahrelang Kinderarbeit bei ihren Zulieferern geduldet und damit wissentlich gegen die Leitsätze verstoßen."

von Philipp Mimkes