SWB 04/2003 - Ticker

DRUGS & PILLS

Pharma-Tests mit Kindern
Das bundesdeutsche Arzneimittel-Gesetz hat es bislang verboten, dass Kinder und andere Nicht-Einwilligsfähige an Arzneimittel-Tests teilnehmen, wenn damit nicht unmittelbar der Versuch der Heilung oder zumindest Linderung ihrer Krankheit verbunden ist. Der von BAYER gegründete „Verband der Forschenden Arzneimittel-Hersteller“ fordert seit längerem eine Aufhebung der Bestimmungen und hat nun einen Erfolg errungen. In dem ReferentInnen-Entwurf zur Änderung des Arzneimittel-Gesetzes will die Bundesregierung erstmals auch Arznei-Tests mit Minderjährigen erlauben, auch wenn diese nicht unmittelbar davon profitieren können, sondern nur ihre Altersgruppe. Damit ist der Einstieg in fremdnützige Medikamenten-Tests mit Nicht- Einwilligungsfähigen gemacht. Alzheimer-PatientInnen dürften als nächste Gruppe auf der Wunschliste von „BigPharma“ stehen. Aus medizinischen Gründen ist diese Änderung nicht erforderlich, weil die jetzigen Bestimmungen genügend Spielraum für Pillen-Erprobungen bieten. Nach Einschätzung Erika Feyerabends von der gentechnik- kritischen Initiative BIOSKOP geht es BAYER & Co. lediglich um den Standort-Vorteil gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten, da anderswo die Auflagen für Arznei-Tests weit restriktiver sind und deshalb Präparate mit dem Signet „nach ausgiebigen Tests auch für Kinder gut verträglich“ die Vermarktungschancen erhöhen. In den USA versucht der Leverkusener Chemie-Multi bereits, das auslaufende Patent für das Antibiotikum CIPROBAY dadurch für ein halbes Jahr verlängern zu lassen, dass er es unter Verweis auf entsprechende Studien auch zur Behandlung von Kindern als geeignet darstellt.

ASPIRIN gegen Zylindrom?
Wieder ein neuer Absatz-Markt für BAYERs Tausendsassa ASPIRIN? Beinahe im Monatsabstand teilt der Pharma-Riese der Öffentlichkeit unter der Formel „Die Wissenschaft hat festgestellt“ neue Indikationsgebiete für das Schmerzmittel mit. Die aktuellste Meldung: Nach Untersuchungen des griechischen „Biomedical Science Centers“ und zweier anderer ForscherInnen-Teams hilft der ASPIRIN-Wirkstoff Acetylsalicylsäure möglicherweise bei der Behandlung des Zylindroms, einer bestimmten Krebs-Art der Kopf- oder Mundschleimhaut. Nach ihren Forschungen kann die Acetylsalicylsäure angeblich so in den Stoffwechsel der Zellen eingreifen, dass sie bestimmte Autoimmun-Prozesse unterbindet und auf diese Weise die Wucherung des Tumors stoppt. Ob die am „The Netherlands Cancer Institute“ in Amsterdam gerade erst angelaufene klinische Studie diese Ergebnisse bestätigen wird, steht allerdings noch in den Sternen.

ASPIRIN gegen Darm-Polypen?
Polypen können eine Vorstufe von Darm-Krebs darstellen. Nach einer im New England Journal of Medicine (Bd. 348) veröffentlichten Studie kann ASPIRIN das Auftreten von Polypen reduzieren. Vor dem Schluss „ASPIRIN verhindert Darm-Krebs“ warnt der Mediziner Dr. Thomas Imperiale von der „Indiana University School“ in Indianapolis aber. Er rät davon ab, prophylaktisch zum „Tausendsassa“ zu greifen, da sich nur aus einem Bruchteil von Darm-Polypen auch ein Krebs-Geschwür entwickele.

ASPIRIN gegen Leukämie?
BAYERs Propaganda-Postille direkt zitiert eine Studie, nach der die regelmäßige Einnahme von ASPIRIN bei Frauen nach den Wechseljahren angeblich das Blutkrebs-Risiko verringert. Allerdings fehlte der Hinweis, ob es sich um eine unabhängige Untersuchung oder eine von BAYER gesponsorte handelte. Sollte letzteres der Fall sein, sind wünschenswerte Ergebnisse immer vorprogrammiert, wie eine im New England Journal of Medicine publizierte Expertise ergab (Ticker 2/98).

ASPIRIN-Kombinationswirkungen
Bei PatientInnen mit erhöhtem Herzinfarkt-Risiko, die gleichzeitig mit ASPIRIN noch das Schmerzmittel IBUPROFEN einnehmen, steigt die Sterblichkeitsrate um das Doppelte. Das haben die britischen Pharmakologen T. T. MacDonald und L. Wei in einer Studie nachgewiesen, die sie in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlichten. Als Ursache vermuten die Wissenschaftler, dass das IBUPROFEN die gerinnungshemmende Wirkung des „Tausendsassas“ einschränkt.

BAYER vertreibt Cannabis-Spray
Der Leverkusener Chemie-Multi will in Großbritannien und Kanada ein Cannabis-Spray zur Schmerz-Behandlung vertreiben und schloss eine entsprechende Vermarktungsvereinbarung mit dem Hersteller GW PHARMACEUTICALS. Nach diesem Vertrag hat BAYER zudem die Option, mit GW über die Verkaufsrechte für andere Länder zu verhandeln. Damit befleißigt sich der Konzern wieder einmal einer Doppelmoral. Es war nämlich der Pharma-Riese, der maßgeblich Cannabis als Heilmittel in die Illegalität drängte und die Kriminalisierung dieser Heilpflanze über das Betäubungsmittelgesetz durchsetzte.

Pillen-Umsatz steigt um 7,4 Prozent
BAYER und die anderen „forschenden Arzneimittelhersteller“ haben ihren Umsatz mit Arzneien im Jahr 2002 um 7,4 Prozent gesteigert. Damit machten sie ihrem Ruf als Hauptkostentreiber im Gesundheitswesen wieder alle Ehre. Aber der ehemaligen BAYER- Angestellten und jetzigen Geschäftsführerin des „Verbandes der Forschenden Arzneimittelhersteller“, Cornelia Yzer, ist das noch nicht genug. Sie beklagte eine gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Prozent gesunkene Steigerungsrate, führte das unter anderem auf die vom Gesundheitsministerium durchgesetzte Absenkung der Festbeträge für Arzneien zurück und drohte mal wieder mit Produktionsverlagerungen ins Ausland.

Neues Herzmittel?
Bei BAYER befindet sich ein neuer Wirkstoff zur Behandlung von Herz/Kreislauf-Erkrankungen in der klinischen Entwicklung. Die Substanz soll durch das Aktivieren des Körper-Stoffes Guanylatcyclase die Gefäße erweitern. Der Leverkusener Chemie-Multi hofft auf einen Einsatz bei Thrombose, Arteriosklerose, Bluthochdruck, Herz-Insuffizienz und koronaler Herz-Krankheit

Neues Krebsmittel?
BAYER beginnt mit einer neuen Substanz gegen Krebs auf Gentech-Basis die letzte Phase der klinischen Erprobung (siehe auch GENE & KLONE).

Zulassung für Herz-Test
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat BAYER die Zulassung für einen Test erteilt, der Blut-Werte misst und auf dieser Basis das Risiko für Herz-Krankheiten bestimmen will.

FDA-Zulassung für GAMUNEX
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat BAYER die Genehmigung für das die Immun-Kraft stärkende Pharmazeutikum GAMUNEX erteilt. Verwendung findet es bei primärer Immun-Störung, Knochenmark-Transplantationen, Gerinnungsstörungen und AIDS im Kindes-Alter. Es soll in der Produkt-Palette des Konzerns das Vorgänger-Präparat GAMIMUNE ersetzen, dessen Patent -Tage gezählt sind. Der Pillen-Riese streitet allerdings ab, dass es sich bei GAMUNEX um einen alten Pharma-Stoff in neuen Spritzen handle, der nur vermarktet werden soll, weil das GAMUMUNE-Patent demnächst ausläuft. BAYER hat nach eigenen Angaben beim Produktionsprozess die Methode der Reinigung des für GAMUNEX verwendeten Blut-Plasmas verbessert. Das war auch bitter nötig, denn im Jahr 2000 hat die US-Aufsichtsbehörde bei einer Inspektion der Fertigung des Blut-Produkts KOGENATE eine Verunreinigung durch Bakterien entdeckt und die Produktion stillgelegt (Ticker 3/01).