SWB 04/2003 - Ticker

GENE & KLONE

PPL ist pleite
Die schottische Biotech-Firma PPL THERAPEUTICS, an der BAYER 8,5 Prozent der Anteile hält, ist pleite. Der gescheiterte Versuch, transgene Schafe für den Leverkusener Chemie-Multi das Pharma-Protein Alpha-1-Antitrypsin (AAT) zur Behandlung von Lungenkrankheiten produzieren zu lassen, hat das seit langem wirtschaftlich angeschlagene, durch die „Erfindung“ des Klon-Schafes Dolly berühmt-berüchtigt gewordene Unternehmen endgültig in den Ruin getrieben. Wie so manch anderer Bereich der Gentechnik hat sich damit auch das „Gene-Pharming“ als Sackgassen-Technologie erwiesen. Zur Konkurs-Masse gehören 6.500 transgene Schafe, die laut New York Times einfach „destroyed“ werden sollen. Gegen diesen barbarischen Akt hat die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) gemeinsam mit TierschützerInnen vehement protestiert.

Stammzellen verursachen Krebs
„Die Möglichkeiten sind grenzenlos“, schwärmte BAYERs Chef- Pharmazeut Wolfgang Hartwig über die Stammzellen-Forschung.  „Vor allem bei Erbkrankheiten, bei denen es noch keine konventionellen Therapien gibt, ist das Markt-Potenzial groß“, prognostizierte er (Ticker 3/01). Mit Versprechungen dieser Art veranlassten die Gen-Multis die PolitikerInnen, sich über ethische Bedenken hinwegzusetzen und dem Import embryonaler Stammzellen zuzustimmen. Einmal mehr scheinen die vollmundigen Ankündigungen der Wirklichkeit nicht standzuhalten, wie jetzt Forschungen des Kölner Max-Planck-Institutes ergaben. Die WissenschafterInnen pflanzten Mäusen embryonale Stammzellen ihre Artgenossen ein, woraufhin alle Versuchstiere an Krebs erkrankten. Die obersten Stammzell-Forscher der Republik, die Bonner Wissenschaftler Oliver Brüstle und Otmar Wiestler, mochten das Ergebnis natürlich nicht akzeptieren und warfen ihren Kölner KollegInnen vor, die Stammzellen vor dem Experiment nicht sorgfältig genug gereinigt zu haben. Die grüne Europa-Parlamentarierin Hiltrud Breyer plädierte aufgrund der neuen Erkenntnisse dafür, die Forschungsgelder für Brüstle & Co. einzufrieren. „Wir dürfen nicht Sackgassen-Technologien fördern!“, so die PolitikerIn. Hätten die WissenschaftlerInnen den Warnungen der Gen-KritikerInnen frühzeitig Gehör geschenkt, so hätten sie den Versuchstieren den Labor-Tod ersparen können.

Neues Krebsmittel?
BAYER hat einen gentechnisch produzierten Wirkstoff gegen Krebs entwickelt, der in die letzte Phase der klinischen Erprobung geht. Er soll das für die Zellteilung verantwortliche Enzym Raf-Kinase hemmen, was angeblich dann die Wucherung von Krebs-Zellen unterbindet. Vollmundige Ankündigungen dieser Art hat der Leverkusener Chemie- Multi schon oft gemacht, und oft musste er sie kleinlaut zurücknehmen. So brach der Konzern in den letzten Jahren Tests mit Lungenkrebs- und Asthma-Präparaten auf Gentech-Basis ab.

Weiterer Zugang zu JERINI-Eiweißen
Der Leverkusener Chemie-Multi verlängerte im Mai den Vertrag mit dem Berliner Biotech-Unternehmen JERINI (siehe auch GENE & KLONE). Es verfügt über eine große Bibliothek von Eiweiß-Bruchstücken (Peptide) und testet für BAYER, ob die Peptide mit krankheitsrelevanten Eiweiß-Stoffen reagieren. Diese Erkenntis will der Pharma-Riese dann bei der Entwicklung von Medikamenten nutzen.

Versuche in Wippingen beendet
Der Leverkusener Chemie-Multi hat in Wippingen bei Düsseldorf seine Freisetzungsversuche mit gentechnisch manipulierten Zuckerrücken, mit Mais und Raps beendet und will dort vorerst auch keine weiteren unternehmen. „Wir brauchen keine weiteren wissenschaftlichen Erkenntnisse“, so Walter Bübl von BAYER CROPSCIENCE. Die Erkenntnisse, die BAYER brauchte, betrafen die Entfaltung der Pflanzen in freier Natur, die Wirkmechanismen der eingebauten Gene und die Erfolgsbilanzen bei der Unkrautbekämpfung. Die Erkenntnisse, die die Öffentlichkeit braucht, etwa über Auskreuzungen mit konventionell angebauten Pflanzen oder Langzeitfolgen für das Öko-System, interessierten BAYER bei den Tests hingegen nicht. Trotz Abschluss der Erprobungen bleibt die Wippinger BÜRGERINITIATIVE GEGEN GENTECHNIK IN LANDWIRTSCHAFT UND LEBENSMITTELN, die während der Dauer der Freisetzungen Protest-Veranstaltungen durchführte, vorerst bestehen, um auf eventuelle doch neu angesetzte Versuche mit Gentech-Pflanzen reagieren zu können.