SWB 04/2003 - Ticker

IG FARBEN & HEUTE

IG FARBEN ist zahlungsunfähig
Die Alliierten spalteten den Mörder-Konzern IG FARBEN nach dem Krieg wieder in seine Bestandteile BAYER, HOECHST und BASF auf. Die Rest-Gesellschaft sollte nur noch so lange Bestand haben, bis sie den übrig gebliebenen Besitz verkauft und die Erlöse an die ehemaligen ZwangsarbeiterInnen ausgezahlt hatte. Tatsächlich entwickelte sich die Liquidierung der IG FARBEN in Auflösung aber zu einer unendlichen Geschichte. Windige Geschäftsleute fanden als Insolvenz-Verwalter immer neue Gründe für ein Weiterbestehen des Unternehmens und bereicherten sich an dem eigentlich den Sklaven-ArbeiterInnen zustehenden Vermögen. Ob die Holocaust-Überlebenden jetzt Zahlungen aus dem restlichen Firmen-Kapital erhalten, ist unwahrscheinlich. Auch die 255.000 Euro der nicht in das Insolvenz-Verfahren einbezogenen IG-Stiftung zur Entschädigung der ZwangsarbeiterInnen dürfte ihnen nicht zugute kommen. Im Gegenteil, auch sie soll nach einem Bericht des Spiegel (47/2003) wieder zu einem Spielball der Gier skrupelloser Finanz-Haie werden. Dem Magazin zufolge wollen die beiden IG-Liquidatoren, Otto Bernhardt und Volker Pollehn, in den USA eine Tochterfirma der Stiftung gründen, um über sie vermeintlich bestehende Ansprüche an die schweizer Bank UBS einzuklagen. Wobei sie im - fast ausgeschlossenen - Erfolgsfall auch planen, die ZwangsarbeiterInnen zu bedenken. Gegenüber Henry Mathews von den KRITISCHEN AKTIONÄRINNEN UND AKTIONÄREN dementierten die beiden die Spiegel-Meldung, bestätigten aber, dass eine Gruppe von IG-Aktionären Aktivitäten in dieser Richtung entfaltet. Ein endgültiges Ende der IG FARBEN in Auflösung ist also immer noch nicht absehbar.

BAYER baut am Mahnmal mit
Die DEGUSSA ist nicht das einzige bundesdeutsche Unternehmen mit NS-Vergangenheit, das am Holocaust-Mahnmal mitbaut. Auch der Leverkusener Chemie-Multi, der die IG FARBEN mitgründete und nicht nur für die Zyklon-B-Entwicklung mitverantwortlich war, sondern maßgeblich in Hitlers Kriegsplanung involviert war und Zehntausende von ZwangsarbeiterInnen beschäftigte, ist an den Bau-Arbeiten beteiligt.