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KAPITAL & ARBEIT
BAYER-Ausverkauf geht weiter Der Leverkusener Chemie-Multi will sich von seiner
Chemie-Sparte und Teilen des Kunststoff-Geschäfts trennen, weil sie seinen hoch gesteckten Rendite-Erwartungen nicht mehr entsprechen. Zu NEWCO zusammengeschlossen, beabsichtigt BAYER, die beiden Abteilungen an die
Börse zu bringen oder zunächst den Konzern-AktionärInnen zu überschreiben. Dieser Schritt bedeutet Arbeitsplatzvernichtung in großem Ausmaß. Die GewerkschafterInnen der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) stimmte
dem Plan im Aufsichtsrat dennoch zu. BAYER erkaufte sich das Votum mit der Zusicherung, die „Standortsicherungsvereinbarung“ bis Ende 2007 zu verlängern und 1.000 Stellen weniger als geplant abzubauen - wenn die
Belegschaft einer 10-prozentigen Kürzung der übertariflichen Leistungen zustimmt (siehe SWB 4/03).
Falsche Verkaufsstrategien Die Unternehmensberatung AT KEARNEY hat die Verkäufe von
Produktionen im Chemie-Bereich kritisiert. „Unternehmen trennen sich häufig opportunistisch von Sparten, weil sie hoch verschuldet sind und gerade Cash brauchen, statt strategisch zu planen“, meint der AT
KEARNEY-Chemie-Experte Sven Uwe Vallerien. Als Beispiel für eine falsche Entscheidung nennt er unter anderem BAYERs Veräußerung von HAARMANN & REIMER. Auch hier waren Vallerien zufolge Schulden, die den
Leverkusener Chemie-Multi durch den Erwerb von AVENTIS CROPSCIENCE drückten, das Motiv. In der Folge fehlte dem Konzern ein ebenso rendite-starkes Geschäft in der Abteilung „Chemie“. Die im November beschlossene
Trennung von dem ganzen Chemie-Segment dürfte ebenfalls nicht auf sein Wohlwollen stoßen.
BAYER entlässt 2 GewerkschaftlerInnen Der Leverkusener Chemie-Multi hat auf den
Philippinen die GewerkschafterInnen Juanito Facundo und Virginia Capada entlassen. Beide erhielten von einem Tag auf den anderen ihre Kündigung und mussten das Werksgelände sofort verlassen. Offiziell
begründete das Unternehmen den Schritt mit Personal-Überhang, hatte aber nicht Eiligeres zu tun, als in Annoncen gleich-qualifizierte NachfolgerInnen für die Rausgeworfenen zu suchen. Die Betroffenen betrachten die
Entlassung deshalb als Abstrafung ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten. Facundo war Gewerkschaftsvorsitzender, hatte in einem Arbeitsrechtsprozess zu Gunsten eines Beschäftigten ausgesagt und Beschuldigungen
gegenüber der Direktion vorgebracht und 1997 einen Streik mitorganisiert. Nach Aussage Facundos machte BAYER ihm seither das Arbeitsleben schwer. Eine Klage auf Wiedereinstellung scheiterte, ein Verfahren zu
Abfindungsforderungen läuft noch. Nach Aussagen Facundos hält die Konzern-Geschäftsleitung zudem der Gewerkschaft zustehende Mitgliedsbeiträge zurück und plant Betriebsteile mit einem hohen Organisationsgrad
auszugliedern.
Arbeitsplatzvernichtung bei BAYER FASER Der Verkauf des Faser-Geschäfts an einen
Investor scheiterte im letzten Jahr vorläufig. Nun verfolgt der Leverkusener Chemie-Multi die Strategie, BAYER FASER durch Arbeitsplatz-Vernichtungen für potenzielle Käufer attraktiver zu machen. Er kündigte an, am
Standort Dormagen 80 und am Standort Goch 50 Jobs zu streichen. Zudem plant der Konzern, den Bereich „Monofil“ auszugliedern.
Schneller kündigen mit Schmoldt Der Vorsitzende der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG
BCE), Hubertus Schmoldt, der bei BAYER im Aufsichtsrat sitzt, hat sich für Lockerungen beim Kündigungsschutz ausgesprochen.
Schmoldt will Agenda-Kompromiss IG BCE-Chef und BAYER-Aufsichtsrat Hubertus
Schmoldt befürchtet mit seinem Schmusekurs in Sachen Agenda 2010 innerhalb des DGB ins Hintertreffen zu geraten, weil die Vorsitzenden der mitgliederstärkeren Gewerkschaften IG METALL und ver.di die
Sozialabbau-Pläne von Rot-Grün schärfer kritisieren. Seiner Ansicht nach sollte der DGB mit den Einzelgewerkschaften einen Kompromiss aushandeln, ansonsten verwirke dieser sein Existenz-Recht. „Wenn er das nicht
leistet, braucht man den Dachverband nicht mehr“, so Schmoldt erpresserisch.
Schröder lobt IG BCE Nach dem gescheiterten Streik in Ostdeutschland riet
Bundeskanzler Gerhard Schröder der IG Metall, sich an der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) seines Intimus Hubertus Schmoldt ein Beispiel zu nehmen. „Wir brauchen Gewerkschaften, die einen Kompromiss mit den
Arbeitgebern erreichen können“, so Schröder.
Job-Abbau lässt Aktien steigen Arbeitsplatzvernichtung heißt in der Sprache der
Banken und des Kapitals „Erfolge beim Kosten-Abbau“. Und weil BAYER und die anderen Chemie-Konzerne in Massen Jobs streichen, raten sie ihren Wertpapier-KundInnen zu einem Kauf von Chemie-Aktien. Der Leverkusener
Chemie-Multi könnte es ihrer Meinung nach allerdings noch ein bisschen ärger treiben und einige mehr seiner angeblich zu vielen und zu kleinen Fabriken schließen.
Keine angemessenen Jobs für ChemikantInnen BAYER betreibt nicht nur
Arbeitsplatz-Vernichtung im großen Stil, der Konzern stellt für viele Belegschaftsangehörige auch keine ihrer Ausbildung entsprechenden Stellen mehr zur Verfügung. So beschäftigt er viele ChemikantInnen auf
Positionen, für die sie überqualifiziert sind.
Höhere BKK-Beiträge BAYER hat gleich auf doppelte Weise Anteil an der schlechten
Finanz-Situation der Krankenkassen. Durch die Arbeitsplatz-Vernichtung in den Werken sinkt die Zahl der BeitragszahlerInnen, und die immensen Pillen-Preise fressen große Löcher in die Etats. Das bekommt jetzt auch
BAYERs eigene Betriebskrankenkasse BKK zu spüren. Deshalb hat sie eine Beitragserhöhung von 13,9 auf 14,4 Prozent angekündigt, was einer Lohnsenkung von 0,5 Prozent entspricht.
Arbeitsplatz-Vernichtung bei Farbstoffen BAYER plant, die Zahl der
Fertigungsstätten für Farbstoff- Zwischenprodukte zu verringern. Im Zuge dieser Maßnahmen will das Unternehmen die Leverkusener Produktion mit der im niederländischen Ede zusammenlegen. Von den bisher 107
Arbeitsplätzen beabsichtigt der Konzern 54 zu vernichten. 41 MitarbeiterInnen müssen nach Holland wechseln. Nur 12 Beschäftigte bleiben am bisherigem Standort, wo sie in der Amidoazobenzol-Herstellung eingesetzt
werden sollen.
Wieder nur 1.000 Lehrlinge Um mehr als ein Drittel ist die Zahl der
Ausbildungsplätze bei BAYER in den letzten dreizehn Jahren zurückgegangen. Gab es 1990 in den Werken noch 1.600 Lehrstellen, so strich der Konzern diese bis zum Herbst 2003 auf rund 1.000 zusammen. Zudem übernimmt
der Chemie-Multi in der Regel nur die Hälfte der Ausgebildeten. Noch einmal über die Hälfte von ihnen muss dann auch noch auf einen festen Arbeitsplatz innerhalb des Unternehmens verzichten. Diesen
BerufsanfängerInnen steht eine frustrierende Karriere als flexibel einsetzbare SpringerInnen im Ausgebildeten-Pool bevor.
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