SWB 04/2003 - Ticker

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

Menschenversuche immer wahrscheinlicher
BAYER & Co. haben durch ihren Verband „CropLife America“ enormen Druck auf die US-amerikanische Umweltbehörde EPA ausgeübt, um Menschenversuche mit Pestiziden zuzulassen. Sie scheuten nicht einmal vor juristischen Schritten zurück. Im Vorfeld der für den Herbst angekündigten Entscheidung der EPA mehren sich die Anzeichen für den Erfolg der Genmulti-Bemühungen. BAYER hat in der Vergangenheit bereits Pestizide an Menschen getestet. Der Konzern verspricht sich davon den Nachweis einer weit besseren Verträglichkeit als bisher angenommen und infolgedessen eine Erhöhung der Grenzwerte. Die Sanktionierung solcher Versuche würde den Grundstein zu einer völlig veränderten Auffassung von medizinischer Ethik legen. Bisher untersagte sie vor dem Hintergrund der medizinischen Versuche mit KZ-Häftlingen strengstens, Präparate an Menschen zu testen, wenn das nicht zu derem eigenen Nutzen geschieht.

0,5 Mio. Tonnen Alt-Pestizide
Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO lagern auf der Welt insgesamt eine halbe Million Tonnen Alt-Pestizide, 50.000 Tonnen allein in Afrika. Sie verunreinigen Böden und Trinkwasser und stellen deshalb in den Ländern der „Dritten Welt“ eine der größten Umwelt- Gefahren dar. Zudem vernichten sie Ackerland und damit die Lebensgrundlage vieler Menschen. Bei der Entsorgung von 3.000 Tonnen „made by BAYER“ hat der Chemie-Multi nach Angaben seiner Sprecherin Annik Dollacker „mit Rat und praktischer Unterstützung“ geholfen, mit den restlichen 47.000 Tonnen will das zweitgrößte Agro-Unternehmen der Welt aber nichts zu tun haben. Dollacker hält die FAO-Zahlen für zu hoch angesetzt und gibt der afrikanischen „Planwirtschaft“ die Schuld an den überquellenden Ackergift-Beständen. Andreas Bernstorff von GREENPEACE widerspricht dieser Darstellung vehement. Ihm zufolge hätten BAYER & Co. im Rahmen der so genannten Grünen Revolution ihre Pestizide aggressiv in Afrika vermarktet, weil Weltmarkt-Kredite und Entwicklungshilfe-Gelder die Länder kurzfristig zu attraktiven Kunden gemacht hätten. Darüber hinaus haben die Konzerne Bernstorff zufolge Produkte, die in Europa vor einem Verbot standen, schnell noch nach Afrika exportiert, um die Lager-Bestände zu reduzieren.

Holzgifte lösen Schizophrenie aus
Chemie-Gifte wirken auf das Nervensystem ein und können deshalb nicht nur körperliche, sondern auch seelische Krankheiten verursachen. Der 48-Jährige Chemie-Ingenieur Hartmut W. leidet an schizophrenen Schüben, seit er vor 21 Jahren beim Dach-Ausbau das BAYER-Holzgift XYLODECOR verwendete. Von diesem Zeitpunkt an fühlte er sich vom Leverkusener Chemie-Multi verfolgt und vom Bundesnachrichtendienst überwacht. Der Leidensdruck hat ihn sogar schon zu einem Selbsttötungsversuch getrieben. Mittlerweile hat sich sein Zustand stabilisiert. Er muss jedoch Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen, die ihn 28 Kilo zunehmen ließen. „Ich fühle mich wie ein 70-Jähriger“, klagt Hartmut W.. In den achtziger Jahren gehörte er mit zu den zahlreichen KlägerInnen im Holzschutzmittel-Prozess, dem bisher größten Umweltstrafverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik (siehe auch SWB 1/99).

Herbizide verursachen Geburtsfehler
Die von BAYER & Co. hergestellten Anti-Unkrautmittel wirken frucht- schädigend. Das hat eine von der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA in Auftrag gegebene Studie erneut bestätigt, welche die Wissenschaftlerin Dr. Dina Schreinemachers im Juli 2003 in der Zeitschrift Environment Health Perspectives veröffentlicht hat. Dr. Schreinemachers untersuchte 43.000 Neugeborene in Gebieten mit viel und wenig Weizen-Anbau und entsprechenden Schwankungen beim Herbizid-Einsatz. Babys, die in den Weizenanbau-Regionen zur Welt kamen, litten doppelt so häufig an Kreislauf-, Muskel- oder Atemwegserkrankungen wie Säuglinge aus Gegenden ohne Weizen-Felder.