SWB 04/2003 - Ticker

PROPAGANDA & MEDIEN

PR-Kampagne zu Genfood
VertreterInnen von BAYER, METRO und MONSANTO schmiedeten Mitte September eine Große Genfood-Koalition. Sie beauftragten den PR-Multi MANNING SELVAGE & LEE (MS & L) damit, die den Nahrungsmitteln aus den Gen-Laboren bisher wenig gewogene Öffentlichkeit mit ihren Gehirnwäsche-Methoden zu bearbeiten. Doch der Gentechnik-Komplott flog auf. GREENPEACE bekam ein geheimes Strategie-Papier zugespielt und machte den Skandal publik (siehe SWB 4/03).

BAYER & Co. gegen AIDS
BAYER und andere Multis haben die „Global Business Coalition on HIV/AIDS“ gegründet. Was genau die Unternehmen gegen die Immunschwäche-Krankheit zu tun gedenken, geht aus den großformatigen Tageszeitungsanzeigen nicht hervor, ihr Engagement gilt deshalb wohl vor allem der eigenen Image-Pflege. Im Falle BAYER wirkt das besonders verlogen, denn der Konzern hat in den achtziger Jahren wissentlich HIV-infizierte Blut-Präparate vermarktet und die AIDS-Gefahr verharmlost (siehe auch  SWB 3/03).

Chemie-Schiff macht Flüsse unsicher
Zum „Jahr der Chemie“ haben BAYER & Co. ein Chemie-Schiff vom Stapel gelassen, das noch bis Ende September Rhein, Ruhr, Neckar und Main heimsucht. Im Inneren präsentieren die Gift-Köche zur Aufpolierung ihres schlechten Images mal wieder „Chemie zum Anfassen“. „Chemie ist etwas ganz Alltägliches“ suggeriert etwa ein Perioden-System, das zu jedem Element den passenden Gebrauchsgegenstand zeigt. Die Kleinen ködert die „MS Chemie“ derweil mit Magnetschwebebahn-Fahrten. Zu den Gefahren der Chemie befindet sich selbstverständlich kein Anschauungsmaterial an Bord.

BAYER erhält Gleichstellungspreis
Bei BAYER stellen Frauen nur 12 Prozent aller Führungskräfte, während ihr Anteil an der Gesamt-Belegschaft 20 Prozent beträgt. Sie verdienen auch durchschnittlich ca. 15.000 Euro weniger im Jahr als ihre männlichen Kollegen. Damit das so bleibt, wandte sich der Konzern leidenschaftlich gegen das beschleunigte Verfahren des Gleichstellungsgesetzes (Ticker 1/01). Trotz alledem erhielt der Leverkusener Chemie-Multi im Juni für sein angebliches Bemühen zur Förderung der Chancengleichheit den „Total E-Quality“-Preis.

BAYER fördert „Eco-Innovate 03“
Auf immer neuen Wegen versucht BAYER die Kooperation mit der UN im Rahmen des „Global Compact“ für einen Image-Gewinn zu nutzen (zur Kritik des „Global Compact“ siehe AKTION & KRITIK). Jetzt initiierte der Konzern gemeinsam mit dem UN-Umweltprogramm UNEP und der Universität von New South Wales in Australien das Jugend-Umweltforum „Eco-Innovate 03“. „Dabei hatten die jungen Leute Gelegenheit, innovative Projekt-Ideen zum nachhaltigen Wirtschaften zu diskutieren und mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Forschung gemeinsame Lösungsansätze (...) zu entwickeln“, schreibt BAYERs Propaganda-Blatt direkt. Die Richtung der Projekte gab UNEP-Direktor Klaus Töpfer vor: „Ich glaube, dass jeder weiß, ohne die Produkte der Chemie werden wir die Herausforderungen der Zukunft nicht bewältigen können“.

BAYER vergibt Umwelt-Preis
Im Rahmen des „Eco-Innovate 03“ hat der Leverkusener Chemie-Multi den „BAYER Environmental Award - Media“, einen Umweltpreis für Reportagen, vergeben. Die australische Journalistin Melissa Fyre erhielt die Auszeichnung für einen Artikel, in dem sie ihre Landsleute laut BAYERs Propaganda-Postille direkt anregen will, „sich nicht nur in Dürre-Zeiten Gedanken über den sorgsamen Umgang mit Wasser zu machen“. Stichwort BAYER ging leider leer aus, obwohl die Zeitschrift auch schon mal jemanden angeregt hat, sich Gedanken über den sorgsamen Umgang mit Wasser zu machen: BAYER nämlich. Allein das Leverkusener Werk fördert jährlich 160 Millionen Kubikmeter qualitativ hochwertiges Grundwasser aus eigenen Brunnen - ohne für diese Wahrnehmung „alter Wasserrechte“ einen Pfennig zu bezahlen.