SWB 04/2003 - Ticker

UMWELT & SCHMUTZ

PCB-Langzeitwirkungen
Bis zum Anfang der achtziger Jahre war BAYER trotz heftger Proteste der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und anderer Initiativen einer der größten Hersteller von Polychlorierten Biphenylen (PCB). Da sich diese Stoffe nur sehr langsam abbauen, belasten sie Mensch, Tier und Úmwelt noch heute (siehe die Auseinandersetzung von BAYER mit der Stadt Oslo in Ticker 1/03). Besonders gefährlich ist ihre hormon-ähnliche Wirkung, welche die Chemie-Konzerne bis heute abstreiten. Taiwanesische und britische ForscherInnen haben diese jetzt einmal mehr nachgewiesen. Sie untersuchten Menschen, die 1979 Reis-Öl verwendeten, das stark mit PCBs und Dioxinen verunreinigt war, und stellten Auswirkungen auf die Fortpflanzung fest. Die betroffenen Männer zeugten nur zu 46 Prozent Jungen, während die Zahl bei der Vergleichsgruppe bei 54 Prozent lag. Der Mediziner Yueliang Leon Guo von der Taiwanesischen Cheng Kung Universität erklärt das mit der hemmenden Wirkung von PCBs auf das Geschlechtshormon Östrogen, was die Zahl der Y-Chromosomen abnehmen lässt.

Cadmium lässt Zellen wuchern
Der auch bei der Produktion der BAYER-Werke anfallende Schadstoff Cadmium ist Krebs erregend. Wie er den Organismus genau schädigt, haben im Sommer WissenschaftlerInnen des „National Institutes of Health“ in der Online-Ausgabe von National Genetics dargelegt. Das Cadmium hindert Gene daran, selbstregulativ Fehlbildungen im Erbgut zu beseitigen. Wenn solche, welche die Zell-Teilung steuern, davon betroffen sind, entsteht infolge eines unkontrollierten Zell-Wachstums ein Krebs-Geschwür.

Jährlich 165.000 Tonnen Abfall
Das Dormagener BAYER-Werk und der es umgebene Chemie-Park produzieren jährlich 165.000 Tonnen Industrie-Abfall; 40 Lastwagen fahren die Müll-Deponie in der Nähe Rheinfelds täglich an. Bis in die 90er Jahre hinein entsorgte der Leverkusener Chemie-Multi dort auch Kunststoff-, Faser-, und Kautschukreste sowie Salze. Erst eine Novellierung des Abfall-Rechtes machte diesem Treiben ein Ende. Sie zwang den Konzern darüber hinaus, die Fertigungsprozesse so zu verändern, dass kein Salz-Ausschuss mehr anfällt.